Die Ellwanger Lehen im Raum Gunzenhausen im 14. Jahrhundert 
 
 Woher stammen die Ellwanger Lehen im Raum Gunzenhausen? 
 
 

Dass in Gunzenhausen vor langer, langer Zeit einmal ein Kloster stand, kann man sich beim Anblick der noch erhaltenen riesigen Klosteranlagen der Barockzeit in Bayern kaum mehr recht vorstellen, wäre da nicht jene kostbare Urkunde im Staatsarchiv Stuttgart aus dem Jahre 823 erhalten geblieben, die schon wiederholt in der Zeitschrift "Alt-Gunzenhausen" und im Gunzenhäuser Heimatbuch abgebildet und erläutert wurde (1). Das Kloster Gunzenhausen wurde - so darf man heute nach dem Stand der Forschung annehmen - im Zuge der fränkischen Ostbewegung in der Karolingerzeit im 8. Jahrhundert von einem fränkischen Adeligen gegründet. Es gelangte dann in die Hände des karolingischen Königs und wurde schließlich durch Kaiser Ludwig dem Frommen, dem Sohn Karls des Großen, im Jahre 823 dem Reichskloster Ellwangen an der Jagst zur Stärkung seiner Machtposition in Ostfranken unterstellt. Die Forschung hat heute erkannt: die fränkischen Klöster jener Zeit waren nicht nur Stätten beschaulicher Frömmigkeit und Stützpunkte für die Missionierung des Landes. Sie erfüllten auch politische Aufgaben in der Festigung fränkischer Herrschaft in den weiten Gebieten Ostfrankens an Main, Neckar, Regnitz und Altmühl. Dazu bedurften sie selbst der Herrschaft über umfangreichen Grund und Boden. Sie mussten mit einer großen Anzahl von Bauernhöfen ausgestattet sein, auf denen die Arbeitskraft vieler unfreier Leute die schwere Aufgabe der Nahrungsmittelerzeugung zu bewältigen hatte, um auf diese Weise ihr eigenes Auskommen und durch Abgaben auch das der adeligen Herren im Kloster zu sichern. Als das Kloster Gunzenhausen im Jahre 823 dem Reichskloster Ellwangen unterstellt wurde, gelangten nicht nur die bescheidene Klosterkirche, die Wohnungen der Mönche, die Wirtschaftsgebäude, Scheunen und Ställe in Gunzenhausen unter die Herrschaft Ellwangens, sondern auch Bauernhöfe in Gunzenhausen und Umgebung in den Besitz des beschenkten Klosters an der Jagst. Ellwangen wuchs dadurch zu einer bedeutenden Grundherrschaft im süddeutschen Raum heran. Doch man führte in der Schenkungsurkunde nicht alle Schenkungsgegenstände an. Man konnte nicht jeden Ort, jeden Hof, jeden Acker und jede Wiese, jedes Holz erwähnen, die alle unter ellwangische Herrschaft gelangten. Dazu hätte es vieler kostbarer Pergamentbogen bedurft. Man verzichtete in der Urkunde auf die Aufzählung der Vielzahl der Schenkungsgüter und drückte sich in einer formelhaften Art aus: "ein Kloster, so Gunzenhusir genannt wird und an dem Ufer des Altmühlflusses im Sualafeldgau angelegt ist, mit den Klostergebäuden und ihren zugehörigen Sachen, so unter unserer Botmäßigkeit stehen, in den rechtlichen Besitz und die Gewalt eines Klosters, so Elehenwang genannt wird, und dem der ehrwürdige Abt Syndoldus vorgesetzt ist, auf eine feierliche, nach unserer Autorität oder Ansehen unternommenen Weise zu übergeben und zu bestätigen" (2). Mit der Übergabe des Klosters Gunzenhausen an die Reichsabtei Ellwangen wurde diese neuer Herrschaftsträger an der Altmühlfurt und deren Umgebung. Nun legte sich allerdings jahrhunderte langes Schweigen über das ehemalige Kloster Gunzenhausen und seine Besitzungen. Es hat den Anschein, als bewegte sich bei ihnen in dieser Zeit nichts. Dass aber die Güter des Klosters Gunzenhausen noch im Jahre 1241 in Ellwanger Besitz waren, beleuchtet in knapper Weise ein Heberegister aus dem Jahre 1241, in dem Bezüge des Klosters Ellwangen in Wurmbach und Gunzenhausen eingezogen wurden, wobei zwei Gunzenhäuser Bürger mit Namen Schello und Goltmarus erwähnt werden (3). Ausführlicher über den Besitzumfang des alten Klosters Gunzenhausen werden wir erst im 14. Jahrhundert durch die beiden Ellwanger Lehenbücher A und B unterrichtet, von denen das erste 1364, das andere 1385 angelegt wurde. Auszüge aus ihnen, die den Raum Gunzenhausen und Umgebung betreffen, finden wir in Heft 34 von "Alt Gunzenhausen" veröffentlicht. Wer sich der Mühe unterzieht und die Einträge in den Lehenbüchern durchgeht, dem begegnet eine Fülle von Einzelheiten an Namen von Personen bäuerlichen, bürgerlichen und ritterlichen Standes, an Bezeichnungen von Wiesen, Äckern und Hölzern aus dem Raum Gunzenhausen, die in eine Zeit des 14. Jahrhunderts zurückreichen, die bisher in der lokalen Forschung selten oder gar nicht erfasst wurden. Mit der Schenkung des Klosters Gunzenhausen gelangte eine Fülle von Grundstücken, ganzen Bauernhöfen, Huben, Lehen und Hofstätten mit ihrem Zubehör an das Reichskloster Ellwangen, die zum größten Teil aus dem Eigentum des ehemaligen Klosters Gunzenhausen stammten, so dass die Vermutung bestätigt wird: das ehemalige Altmühlkloster war kein Armenhaus, sondern bildete mit der Übernahme durch Ellwangen eine bedeutende Stärkung seiner Macht als Reichsabtei.


 
 
(1) Jubiläumsbüchlein zur Elfhundertjahrfeier Gunzenhausens 823/1924, Gunzenhausen 1924, - Pfarrer Lic. Clauß: Die Jubiläumsurkunde S.13 -19. - Alt-Gunzenhausen Nr.1 Festschrift 1923: Dr. Eidam, Zur Vor- und Frühgeschichte Gunzenhausens S. 25 - 28. - Alt-Gunzenhausen Heft 2/1925 S. 5 - 22; Pfarrer Lic. Clauß: Die mittelalterliche Geschichte der Stadt und Pfarrei Gunzenhausen.
(2)Heimatbuch der Stadt Gunzenhausen 1982 S. 56 -59.
(3)Nürnberger Urkundenbuch Nr. 300.
 
 
 
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