Die Ellwanger Lehen im Raum Gunzenhausen im 14. Jahrhundert 
 
 Die Namen der Gunzenhäuser Lehenträger 
 
 

Geht man die Namen dieser Gruppe von Gunzenhäuser Lehenträgern durch, so fällt vor allem die Familie der Degen auf. Der "Degen zu Gunzenhausen trägt um 1360 eine Beunde von nicht vollen zwei Tagwerk Wiesen bei den Siechen und 6 Morgen Acker, davon gelegen 1 ½ Morgen im Wurmbacher - und die andern im Gunzenhäuser Feld von Ellwangen zu Lehen". Sein Vorname wird nicht genannt. Der Mann wird einfach unter der Bezeichnung "der Degen" erwähnt und war als solcher damals in der Altmühlgegend allgemein bekannt. Mit dem Namen Degen ist ritterliche Tradition verbunden und es ist nicht auszuschließen, dass die beiden Lehenträger Thomas und Stephan Degen zu Gunzenhausen und dazu der Stephan Degen von Oberwurmbach von ritterlichen Familien herkommen, die bei der Stadtgründung Gunzenhausen durch die Edlen und Grafen von Truhendingen womöglich im 13. Jahrhundert angesiedelt wurden. Der Name Degen geht auf das althochdeutsche thegan zurück, das "Knabe, Dienstmann, Krieger" bedeutet. Das Christentum steigerte die Bedeutung "Gefolgsmann zum geistlichen Kampfe und Diener Gottes". Später wurde das Wort Degen durch "Held" verdrängt. Dass der Thomas Degen oft nicht mit seinem vollen Ruf- und Familiennamen genannt wird, sondern nur kurz "der Degen" wie andere Bürger ritterlicher Herkunft (der Walder, der Muhrer, der Geilsheimer) ist ein Hinweis dafür, dass er eine allgemein bekannte Persönlichkeit nicht nur in Gunzenhausen selbst, sondern auch in den umliegenden Orten an der Altmühl war. Es fällt auf, dass in der bürgerlichen Gesellschaft Gunzenhausens um die Mitte des 14. Jahrhunderts Leute auftreten, die Namen führen, die in der ritterlichen Welt der Stauferzeit beliebt waren: Degen, Held, Helmbrech. Das dürfte womöglich ein Hinweis dafür sein, dass in der frühen Gunzenhäuser Gesellschaft sich Leute bäuerlicher und ritterlicher Herkunft trafen, die dann zu einem einheitlichen Bürgertum zusammenwuchsen. Getragen wurde wohl das ritterliche Element durch die frühen Stadtherrn, die Edlen und späteren Grafen von Truhendingen, die einen Lebensstil führten, der durch ihre enge Bindung an das staufische Königshaus beeinflusst war. Ein literarisches Denkmal dieser engen Beziehung zur Ritterdichtung Wolframs von Eschenbach liegt wohl nicht zuletzt in dem Lob der Truhendinger Pfanne mit ihren Krapfen vor, das der Dichter in seinem Parzival aussprach (27). Ein Hauch dieser hohen Zeit der staufischen Klassik könnte auch noch in das 14. Jahrhundert im Raum Gunzenhausen herübergewirkt und in der Namengebung der Bürgerschaft ritterlicher Herkunft ihren Niederschlag gefunden haben. Am Ende des 13. Jahrhunderts jedenfalls wird offenbar, dass die Truhendinger ihrer Stadtgründung Gunzenhausen eine Art Mittelpunktsfunktion zugedacht hatten, weil sie hier Urkunden ausstellen und ihrem Pfarrer und Notar Wernhard - auf welche Art auch immer - die ellwangische Pfarrei Gunzenhausen zukommen ließen. Der Letzte ihres Stammes, Graf Ulrich von Truhendingen (Grabmal in der Heidenheimer Klosterkirche), pflegte umfangreiche Handelsbeziehungen von Gunzenhausen nach Nürnberg. Er hielt sich dort viel auf, pflegte dort Beziehungen zu einer meretrix (Nebenfrau) und zum Handlungshaus der Holzschuher (28).
Eine weitere Beobachtung als Lehenträger von Ellwangen um 1360 verdient die Familie Held. Ein Fritz Helt verkaufte 2 Tagwerk Wiesen im Schyploch an einen Fritz Vögelein (AG 34/174). Der Eintrag ist undatiert, steht aber schon im Lehenbuch B, das um 1385 angelegt wurde. Ein Chuntz Helt hat um diese Zeit 2 Tagwerk Wiesen an der Lankweid und 2 Tagwerk "an der Brucken zu Guntzenhusen und einen Acker "by der Sinterlachen" enpfangen (AG 34/178). Dieser Chuntz Helt war Lehenträger für Fritzlin, Ulin Helts Sohn, 1 ½ Tagwerk uff der Beunde in Zöpfen gelegen und 2 Tagwerk "uff der Wrmach". Und wenn derselb Feitzlin siner lehen begert, so soll sie ihm Cuntz Helt uffgeben. Dobey sint gewesen der Walder und Ulrich Widemanan, der Zwölfer zween zu Guntzenhusen"(AG 34/179). Diese Familie Helt führt ebenfalls einen Namen, der die Erinnerung an ritterliche Tugend bewahrt hat. Das Wort helt bezeichnet einen mutigen, kühnen, starken Kämpfer und wird auch in der höfischen Dichtung oft verwendet. Mit der Möglichkeit, dass auch diese Gunzenhäuser Bürgerfamilie des 14. Jahrhunderts aus ritterlicher Tradition kommt, darf gerechnet werden.


 
 
(27)Gottfried Weber, Wolfram von Eschenbach, Parzival 184/22, S. 155, Darmstadt 1963.
(28)(14) Das Handlungsbuch der Holzschuher in Nürnberg von 1304 -1307, Erlangen 1934, S. 117, Zeile 2145
 
 
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