Die Ellwanger Lehen im Raum Gunzenhausen im 14. Jahrhundert 
 
 Die Lehen Weißenburger Bürger im Raum Gunzenhausen 
 
 

Als Träger Ellwanger Lehen an der Altmühl bei Gunzenhausen werden in den Lehenbüchern auch Weißenburger Bürger genannt. Des Öfteren treten hier Mitglieder der Familie Mittelburger auf. An erster Stelle steht ein Reinhardus Mittelburger von Unterwurmbach. Ihm wurde am 13. März 1361 durch Abt Kuno von Gundelfingen (1332 - 1367) ein umfangreicher Lehenkomplex verliehen. Dazu zählten: ein Hof, auf dem er nun selber saß, 2 Tagwerk Wiesen an der Wurmach (Wurmbacher Bach), genannt die Gutwies, ½ Tagwerk Wiese, der Fürschlag genannt, 1 Tagwerk, die Brennwiese, 2 Tagwerk Wiese in der Beund, 1 Tagwerk, genannt das Egerdlin, ein anderes halbes Tagwerk, die Tümpfelwies, 2 Tagwerk an der Lachen, 2 Tagwerk auf der Pfaffenwies, 4 Tagwerk in dem Ganswerd, 4 Tagwerk, welche der Tätscherin waren, 2 ½ Tagwerk auf der Tungerin. An Äckern gehörten zu diesem Lehenkomplex: 8 Joch Acker in der Ensbach zu Aha, 1 Morgen in der niedern Au, 2 Morgen am Galgen, 2 Morgen an dem gerochten Acker, ½ Morgen in der Raften, 2 Morgen an des Orenburgers (Ornbauers) Acker, ½ Morgen auch in der Rafften, 1 ½ Morgen an der Kurzen, 2 Beete an dem Schellenbach, 3 Morgen liegen dabei, 1 großes Beet auch an der Rafften. Dazu erhielt der Mittelburger 10 Morgen Holz an dem Berg, dazu ein Holz, hat er gemeinsam mit den Oberwurmbachern. In das Lehenstück waren noch Hofstätten eingeschlossen, also Häuser, in denen die armen Leute wohnten: der Vierriegel, der Bücklin, der Wieland, der Schurz, der Jäger, der Bader, der Oettinger, die Enhoverin und eine Hofstatt zu Oberwurmbach, da der Schell Fritzlin wohnte. Dazu kommen noch 7 Morgen Acker zu Gunzenhausen, heißen des Mittelburgers Äcker (AG 34/12). Zählt man alle diese kleinen Besitzstücke zusammen, so kommt man auf einen Lehenkomplex von etwa 16 Tagwerk Wiesen, 26 Morgen Äcker und 10 Morgen Holz und 7 Hofstätten. Das ist, verglichen mit den anderen Einträgen in das Lehenbuch A, ein großer Lehenkomplex, wenn auch aus kleinen Grundstücken bestehend. Man gewinnt fast den Eindruck, der Abt Kuno von Gundelfingen hat hier einem Mann von niederadeliger Herkunft Ellwanger Lehengut an der Altmühl vergeben. Dafür spricht auch der Name des Belehnten: Reinhard Mittelburger. Der Name Mittelburger bedeutet doch wohl: einen Ort, der in der Mitte zwischen zwei Burgen beheimatet ist (24). Den Namen Mittelburger nahmen mehrere Mitglieder der Ritterfamilie von Treuchtlingen an, aber bis heute weiß man nicht, wie es dazu kam (25). Die Mittelburger finden wir in gehobener Stellung in mehreren Urkunden unserer südfränkischen Heimat. Es wäre durchaus denkbar, dass dieser Reinhardus Mittelburger aus der niederadeligen Familie der Mittelburger stammte, kein väterliches Erbe erlangen konnte, auf seine Ritterwürde verzichtete und beim Ellwanger Abt Kuno von Gundelfingen um eine Versorgung nachsuchte, die er dann auf einem Hof in Unterwurmbach erhielt. Sein Sohn Burchard Mittelburger erwarb das Bürgerrecht in Weißenburg und erhielt als Lehen den Hof zu Unterwurmbach, "da sin vater uffe saß". Das Lehenstück blieb seinem Inhalt nach unverändert (AG 34/26). Burchart Mittelburger bewirtschaftete wohl den Hof in Unterwurmbach nicht selbst, sondern gab ihn an einen Bauern aus. Er selbst aber blieb als Bürger von Weißenburg in Unterwurmbach Lehenträger von Ellwangen. Ein anderer Weißenburger Bürger, Heintz Kammermayger (Kammermeier), kam im Jahre 1365 nach Ellwangen. Er hatte eine Wiese in Unterwurmbach, die Schwarzbrunnerin, vom Kloster zu Lehen. Er wollte sie zurückgeben und äußerte dabei die Bitte, man möge sie dem Kunzen Lantmann vom Slumenhof (Schlungenhof) verleihen. "Das taten wir durch seiner bet (Bitte) willen uff denseben Tag" (AG 34/18).
Ein Leonhard Gredinger, burger zu Wyssenburg, hatte um 1395 einen Hof zu Oberasbach von Ellwangen zu Lehen. Nun verkaufte er ihn mit seiner Zugehörung "in ein Hant" an Konrad Dieman von Obenbrunn und Konrad Hanbolt von Unterwurmbach. Um dieses Lehen verkaufen zu können, musste Leonhart Gredinger es zuvor beim Lehensherren, dem Abt von Ellwangen, "aufsenden" (zurückgeben), wie man in der Fachsprache sagte. Der Weißenburger Bürger mit dem Namen Gredinger - seine Vorfahren stammten wohl aus Greding - bewirtschaftete diesen Hof nicht selbst. Zur Zeit des Verkaufs bearbeitete ihn ein gewisser Heintz Mangel und vor ihm ein Cunrat Santmaier. Der Weißenburger Bürger namens Gredinger ist zur Lehenaufsendung nicht persönlich in Ellwangen erschienen, sondern hat ihn (den Hof) "uff gesant an einem brief unter Hansen Walders insigel" (25). In Ellwangen war man damit einverstanden, der Schreiber trug die Angaben über die Größe des Hofes in sein Lehenbuch ein: "Und in den hoff gehörent by 26 iuchart (Joch) ackers und by 5 tagwerk wissen und ein hofrait zu Obernaspach. Und sie solle hie bis zwischen und vasnaht her geschriben schiken alle äcker und wiesen von stück, wo die gelegen sint und was daryn gehört (8. Januar 1395) (AG 34/235). Nun war der Hof zu Oberasbach allerdings an die beiden Käufer Chunrad Die man von Obenbrunn und Chunrad Habolt von Unterwurmbach "in ein Hand" verkauft. Einer allein brachte wohl den Kaufpreis nicht auf, so taten sie sich zusammen. Sie wollten den Hof (das Lehen) in Einzelgrundstücken wieder verkaufen. Es ließen sich dadurch Geschäfte machen. Doch daran wollte auch der Lehensherr, das Kloster Ellwangen, profitieren. Darüber steht im Lehenbuch B: "Es ist zu wissen, dass die obgeschrieben Conrad Dieman und Conrad Habolt gedingt haben, das si den obgeschriben hoff zertrennen mögen, und ieglichen min herr lyhen, wie vil er kauft. Und der selb sol minem herrn geben ie von 16 liber werd ein liber, als vil sich des gebürt, minner oder mer nach antzal des kaufs. Und die selben, die enphahen wöllen, sollen die warheit sagen uff ir ayd, umb wieviel si gekauft haben" (AG 34/236). Oftmals erschienen Leute aus dem Altmühlraum nach strapazenreichem Gang in Ellwangen und trafen dort weder Abt noch Lehenverwalter an. Es darf nicht verwundern, dass auf diese Weise der einst geschlossene Besitz des alten Klosters Gunzenhausen aufgebrochen und in viele kleine Lehenstücke zersplittert wurde. Die Reichsabtei Ellwangen hat selbst dazu beigetragen.


 
 
(24) Wie Anmerkung 25
(25) Erwin Patzelt schreibt darüber in den Treuchtlinger Heimatblättern 6/77 S. 4: "Über den Ursprung des Namens Mittelburg können wir nur Vermutungen anstellen. Der Name kann von der Lage zwischen zwei Burgen, hier etwa Flügelingen und Pappenheim, herrühren. Abzulehnen ist ein neues Geschlecht v. Mittelburg, da die meisten Treuchtlinger Ulriche beide Namen führen".
 
 
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