Die Ellwanger Lehen im Raum Gunzenhausen im 14. Jahrhundert 
 
 Der Inhalt der Lehenstücke 
 
 

Grund und Boden bildeten in der Regel den Hauptbestandteil der in den Lehenbüchern verzeichneten Lehenobjekte. Doch erscheinen bisweilen auch Zehnten und Holzbezüge, die zu Lehen vom Gottshaus Ellwangen gingen. Grund und Boden, nicht etwa in der Form von unbebauten Ödungen oder zur Rodung vorbehaltenen Wäldern, die im 14. Jahrhundert im Raum Gunzenhausen nicht mehr vorhanden waren, sondern längst kultivierte Äcker, Wiesen und Waldstücke, die womöglich schon bei der Übergabe des königlichen Klosters Gunzenhausen an die Reichsabtei Ellwangen im Jahre 823 bewirtschaftet, umgrenzt und mit Namen versehen waren, bildeten den Inhalt der Lehenstücke. Bisweilen bestand das Lehenobjekt überhaupt nur in einem oder mehreren Tagwerk Wiesen z.B. " Item Ulin Schlayrmair hat empfangen anno 1372 1 Tagwerk Wiesen, heißet die Martinswiese, lit (liegt) by dem Schlumenhouen" (Schlungenhof) (AG 34/44). Ein Lehenkomplex konnte auch aus mehreren Tagwerk Wiesen bestehen, die aber an verschiedenen Orten lagen: "Item Fridrich Pranter von Eschenbach hat enpfangen sechs tagwerk wismahtz (Wiesmahd) ze Guntzenhusen, gelegen an dem Nvremberger (Nürnberger) weg und ein tagwerk wismats daselbs, gelegen an der Wassergazzen (Wassergassen) und ein tagwerk gen Wrmach uff dem Pfol (Limes)(31.März 1376 AG 34/ 103). Gelegentlich waren Wiesen, Äcker und Egerden in einem Lehenkomplex noch mit Zehnten und Hölzern verbunden z.B.: "Es ist ze wissen, dass wir Schall Fritzlin von Nydern Wrmach (Unterwurmbach) verlihen haben zway tagwerk wismatz, die gelegen sint ze Wrmach, die genant sint die Muorwis und ein halb tagwerk wismats, genant der Furschlag im Zopfach, und einen iuchart ackers, gelegen uff dem Buhel und ein korenzehendlin (Kornzehntlein), das gat (geht) zu Schusters Sytze (Seitzen) eckern und us Nunenmayrs eckern, die all in der Raften bey Wrmach gelegen sint, und ein holtz in der Lytten (Leiten) ist wol uff zwen morgen holtz, und zwu eggerden in der Hayd. Und daz geschah feria secunda post Bartholomäi anno 1387" (AG 34/107). Neben vielen kleinen und kleinsten Lehenstücken erscheinen in den Auszügen auch größere, die vom Kloster Ellwangen zu Lehen vergeben wurden, die die Größe eines Besitzes erreichten, der einer Hofstatt oder gar eines ganzen Bauernhofes angemessen war, zu Lehen: So hat der Großsitz (Seitz Groß?) von Gunzenhausen zu Lehen gehabt: 14 iuchart (Joch) ackers und 3 tagwerk wismats an Wrmach gelegen und 1 tagwerk wismats an der Altmul gelegen und 1 hofstat Anno 1381 (AG 34/139). Über die Qualität der verliehenen Lehenkomplexe wird in den Lehenbuchauszügen in der Regel nichts vermerkt, obwohl doch sicherlich große Unterschiede in der Ertragfähigkeit der Äcker und Wiesen bestanden. Man kann hier höchstenfalls aus den Flurnamen einige Schlüsse ziehen und über die Güte einer Wiese urteilen, wenn von ihr geschrieben steht: "Item Haintz Flaischman daselbs hat ze lehen 1 tagwerk wiesmahds, haizzet die Gutwies" (AG 34/141). Einmal wird ein Wieslein in Unterwurmbach genannt, das wohl wegen seines geringen Wertes oder seiner bescheidenen Größe sehr oft seinen Besitzer wechselte und von dem man in Ellwangen gar nicht mehr wusste, wie sein Lehenträger hieß. Man nannte es einfach "Aller-lut-Wieslein", das "Wieslein aller Leute" (AG 34/237). Hatte ein Wieslein wegen seiner geringen Größe keinen Namen, so trug man in das Lehenbuch einfach die Bezeichnung "ein Wiesflecklein" ein. In vielen Fällen wird an dem Lehenstück gleich das Rechtsverhältnis angegeben, das auf der Wiese ruhte. Statt den allgemeinen Begriff Wiese zu verwenden, wird oft die Bezeichnung Wiesmahd gebraucht, was bedeutet, dass dieses Grundstück im Frühjahr in der Regel bis Walburgi (1.Mai) der Dorf- oder Stadtherde zur Beweidung zur Verfügung stand, ab diesem Tag dann eingeschlagen (für die Herde geschlossen) und zur privaten Heu- und Grummetnutzung gemäht und erst nach Michaeli (29.September) der Nutzung durch die Herde wieder geöffnet werden musste. Andere Einträge in den Lehenbüchern sprechen von einer Beunde, die verliehen wurde. So z.B.: Item der Degen ze Guntzenhusen haut ze lehen ayn binde, der ist nit volle zway tagwerk und ist gelegen bi den sichen" (AG 34/9). Da ist ferner genannt: des Mittelburgers Beund, die Beunde beim untern Weg, eine Beunde zu Oberasbach, die Beunde in der Raften bei Unterwurmbach, die Beunde unter dem Weiler bei Oberasbach usw. Unter einer Beunde versteht man ein Grundstück, das umzäunt ist, damit es von der allgemeinen Dorfherde nicht beweidet werden kann. Es ist also der privaten Nutzung vorbehalten. Die vielen Wiesen im Altmühlgrund bei Gunzenhausen bedeuteten eine wichtige Grundlage für die Viehhaltung, so dass diese Lehenstücke in der Altmühlaue wohl sehr begehrt waren und jederzeit einen Lehenträger fanden.

 
 
 
Fortsetzung