Die Ellwanger Lehen im Raum Gunzenhausen im 14. Jahrhundert 
 
 Die Güter des ehemaligen Klosters Gunzenhausen als Ellwanger Lehen 
 
 

Die Gütermasse, die mit der Schenkung des Klosters Gunzenhausen an die Reichsabtei Ellwangen im Jahre 823 gelangte, lag für die damalige Zeit zu weit von Ellwangen entfernt. Sie stand in keinem räumlichen Zusammenhang zum Kloster an der Jagst und ließ sich wirtschaftlich schwer verwerten. Ellwangen war kein gewöhnliches Kloster. Es erscheint schon im Jahre 817 in der Reihe der Reichsabteien, die verpflichtet waren, dem König Dienste zu leisten und wenn nötig, ihm auch bewaffnete Mannschaften zu stellen. Das war nur möglich, wenn sie von ihm umfangreichen Besitz erhielten und Ländereien als Lehen an Adelige und Ritter ausgaben und dafür Dienste forderten. Das Wort Lehen steht in einem sinnvollen Zusammenhang mit der Tätigkeit des Leihens. Wir sind mit ihr in unseren Tagen vor allem noch im Geldverkehr vertraut. Wer ein Haus bauen oder ein Unternehmen gründen will, und nicht genügend Barvermögen besitzt, muss sich bei der Bank Geld leihen und dafür Zins zahlen. Diese Art des Geldausleihens war den Menschen des Mittelalters auch schon geläufig. Dass man aber damals auch Grund und Boden, ja ein ganzes Land verleihen musste, dessen waren sich Könige, Fürsten, Bischöfe, Reichsäbte und Grafen wohl bewusst, wenn sie politisch wirksam werden wollten. Aus dieser Tätigkeit des Landverleihens ist das Lehenswesen entstanden. Seine Geburtsstunde fällt in das frühe Mittelalter, in die Karolingerzeit (7. - 8. Jahrhundert). Die karolingischen Könige, deren glänzendster Vertreter Karl der Große (768-814) war, bedurften für ihre Heereszüge berittener Krieger. Da den Herrschern dazumal kein kaserniertes Heer zur Verfügung stand und an eine allgemeine Wehrpflicht wie in unseren Tagen noch lange nicht gedacht werden konnte, waren der König und die Fürsten der damaligen Zeit darauf bedacht, Gefolgsleute um sich zu scharen, ihnen Land zu leihen, in der Fachsprache ausgedrückt: Lehen zu vergeben, auf denen viele Leute arbeiteten, die die Nahrungsmittel produzierten um durch Abgaben in Geld und Naturalien die Ausstattung und adelige Lebensführung der belehnten Edelherrn und Ritter zu sichern. Das klassische Lehenswesen des 12. und 13. Jahrhunderts beruhte auf einem Treueverhältnis zwischen Lehensherrn und Lehensmann, wobei der Lehensmann durch Lehennahme seinen standesgemäßen Rang nicht schmälerte, sondern wieder Grund und Boden aus dem Lehen an andere Leute als Afterlehen vergeben konnte. Freie Leute, die nur wenig eigenen Grund und Boden besaßen und von meist hochadeligen Herren Land zu Lehen nahmen, wurden schon seit alter Zeit Vasallen genannt. Von dieser großen Welt des klassischen Lehenswesens, das im hohen Mittelalter über ganz Europa verbreitet und das bis ins 19. Jahrhundert wirksam war, können die Auszüge aus den Ellwanger Lehenbüchern nur weniges berichten. Wenn wir sie durchgehen, wird uns aber bewusst, wie diese geschichtliche Erscheinung auch in die ritterliche, bürgerliche und bäuerliche Welt des Altmühlraumes um Gunzenhausen im späten Mittelalter hereinwirkte und in der Stadt und ihrem Umland ihren Niederschlag gefunden hat. Die Lehenbuchauszüge sind keine Urkunden, sie sind aber Zeugnisse von Herrschaftsformen, die im mittelalterlichen Europa verbreitet waren und die Gesellschaft formten.

 
 
 
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