Zur frühen Geschichte der Herrschaft Gnotzheim - Spielberg 
 
 Die Ministerialen der Edlen von Spielberg und Gnotzheim 
 
 
Dass die Edlen von Spielberg im 12. und zu Beginn des 13. Jahrhunderts nach dem Vorbild anderer edelfreien Familien den Willen zu politischer Gestaltung ihrer Herrschaft hatten, sie auszuweiten und um ihre Burg zu konzentrieren versuchten, das zeugt auch das Auftreten eigener Ministerialen. Sie waren ja die Träger des territorialen Bewusstseins. Seit dem 13. Jahrhundert wurden die Burgen zu Verwaltungsmittelpunkten. Die ursprünglich rein militärische Dienstleistung der ritterlichen Burgkommandanten verband sich vielfach mit richterlichen - und Verwaltungsaufgaben und entwickelte schließlich das territorialstaatliche Beamtentum. Diese Entwicklung ist in ihren Anfängen auch in der Herrschaft Spielberg zu beobachten. 1193 treten in einer Urkunde Kaiser Heinrichs VI. drei Zeugen auf, die sich nach Spielberg benannten (27). Wir müssen sie sorgfältig trennen und ihre Standeszugehörigkeit beachten. Sie ist leider in der Urkunde nicht erwähnt. Als erster Zeuge wird ein Heinricus de Spiliberc aufgeführt. Da es im mittelalterlichen Urkundenwesen Gepflogenheit war, die Zeugen ihrem Rang nach zu benennen, darf angenommen werden, dass dieser Heinrich ein Angehöriger der edelfreien Familie der Spielberger war. Dafür spricht auch sein Rufname Heinrich, der zu jener Zeit zwar allgemein beliebt, aber in der Familie der Gnotzheimer und Spielberger schon im 12. Jahrhundert mehrmals bezeugt ist. Nach den Zeugen edelfreier Abkunft erscheinen in der Regel die Ministerialen, und da tauchen nun in der gleichen Urkunde wieder zwei Zeugen auf, die sich nach Spielberg benennen: ein Meinward steht allerdings ohne Herkunftsbezeichnung vor einem Reimpoto de Spiliberc. Sie sind sicherlich unfreier Abstammung gewesen und wurden von den freien Herren von Spielberg in ihren Dienst genommen. Über ihre Herkunft und ihre Verwandtschaftsbeziehungen lässt sich nichts Bestimmtes aussagen. 1228 werden in einer Urkunde Friedrichs von Truhendingen wieder zwei Ministerialen genannt: Hermannus und Ramungus de Spiliberc (28). Es lässt sich nicht mit Sicherheit feststellen, ob sie noch als Dienstleute des Edlen Ulrich von Spielberg zu betrachten sind oder ob sie schon von dem Truhendinger Friedrich übernommen worden waren. Eines muss man aber bei der Darstellung der Geschichte der Spielberger festhalten: Die Edlen von Spielberg unterhielten schon eigene Ministerialen, die manchmal mit Angehörigen des freiadeligen Geschlechtes verwechselt werden. Das gleiche gilt für die Freien von Gnotzheim. Sie behielten wohl nach der Abzweigung der Spielberger Linie noch einen wesentlichen Teil der Besitzungen in Gnotzheim bei, die sie durch Ministerialen verwalten ließen, die sich auch nach Gnotzheim nannten. So erscheint 1193 hinter dem Ministerialen Reimpoto de Spilberc ein Conradus de Gnozisheim, der sicherlich einer Ministerialenfamilie angehörte (29). Ebenso wird 1269 ein Heinricus de Gnozheim genannt (30).

 
 
 
  27) Urkunden des Reichsstifts Kaisheim, Augsburg 1972, Nr.15.
28) a.a.O. Nr.57
29) a.a.O. Nr.15
30) Urkunden-Regesten des Klosters Heilsbronn
 
 
 
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