Zur frühen Geschichte der Herrschaft Gnotzheim - Spielberg 
 
 Die Rufnamen der Freien von Gnotzheim im 12. Jahrhundert 
 
 
Gegen Ende des 11. Jahrhunderts lichtete sich das Dunkel der urkundlich nicht beglaubigten Vorzeit des Gnotzheimer Geschlechtes. Nunmehr beginnt sich als Folge eines neuen Herrschaftsbewusstseins eine neue Namenssitte bei vielen Adelsfamilien durchzusetzen. Man benennt sich nach einem Herrschaftsmittelpunkt. Bei der freiadeligen Familie der Gnotzheimer ist dies schon verhältnismäßig früh zu beobachten. 1099 erscheint ein Perhtolt von Gnozzesheim in einer Schenkungsurkunde an den Dom und das Domkapitel zu Augsburg als Zeuge (5). Er steht als erster unter den anwesenden Zeugen aus Schwaben. Die Standesbezeichnung nobilis charakterisiert ihn als Angehörigen einer edelfreien Familie. Perhtold ist der zweite Rufname, den die Gnotzheimer mit der später bezeugten Familie der Spielberger gemeinsam führen. 1130 tritt ebenfalls in einer Augsburger Urkunde ein mit den Spielbergern gemeinsamer Rufname hinzu: Heinrich. Zugleich erscheint der alte, beiden Familien eigene Name Dietpreht wieder, denn die Brüder Heinrich und Dietpreht von Gnozzesheim bezeugen eine Schenkung des Bischofs Hermann von Augsburg in Sulzemoos (Landkreis Dachau) an die Kirche in Habach (Landkreis Weilheim-Schongau) (6). Heinrich und Dietpreht stehen hier in der Reihe derjenigen Zeugen, die mit der Standesbezeichnung miles versehen sind. Dies bedeutet keineswegs, dass beide dem niederen Adel angehörten und der Unfreiheit entstammten. Miles bezeichnet um 1130 in den Urkunden noch den freien Vasallen. Das ergibt sich auch daraus, dass hinter den miles = freien Vasallen noch die Ministerialen aufgeführt werden. Das gleiche geschieht in einer Urkunde vom Jahre 1130, in der Heinrich und dessen Söhne Tietbreht und Perhtolt in der Reihe der miles vor den Ministerialen genannt werden (7). In einer weiteren Urkunde des Bischofs Hermann von Augsburg vom 16. Februar 1130 werden wir mit einem vierten gemeinsamen Rufnamen der Gnotzheimer und Spielberger Adelsfamilie vertraut: Odalrich = Ulrich. Hinter Otto von Hohenreichen, Konrad von Wallerstein und Gotefried von Ronsberg stehen in der Reihe der nobiles Heinrich, Diephart und Odalrich, Brüder von Gnottesheim (Gnotzheim) (8). Unter der Standesbezeichnung miles der Bamberger Kirche wird 1122 ein Pertolt de Gnozzesheim in einer Eichstätter Urkunde genannt. Vor ihm stehen in der Reihe die Brüder Ropreht und Lodewich de Titenheim und andere (9). Hanns Hubert Hofmann möchte in ihnen Bamberger Ministerialen sehen (10). Jedoch auch in dieser Eichstätter Urkunde bezeichnet der Begriff miles noch den freien Vasallen (11).
Wir halten als Ergebnis dieser Zusammenstellung fest:
In der Familie der Edelfreien von Gnotzheim waren im 12. Jahrhundert die Rufnamen Dietbrecht, Berthold, Heinrich und Ulrich besonders beliebt.

 
 
 
  5) Volkert-Zoepfl, Die Regesten der Bischöfe u. des Domkapitels Augsburg, Nr.369.
6) a.a.O. Nr.468.
7) a.a. O. Nr. 469.
8) a.a.O. Nr. 470.
9) Heidingsfelder, Regesten Nr. 311.
10) H.H. Hofmann, Freibauern in Zeitschrift f. bayerische Landesgeschichte 1960, Band 23, S.261
11) Freiherr v. Guttenberg, Die Territorienbildung am Obermain, 79. Bericht des Historischen Vereins Bamberg, S.300 ff.
 
 
 
Fortsetzung