Zur frühen Geschichte der Herrschaft Gnotzheim - Spielberg 
 
 Der Übergang der Burg Spielberg an die Grafen von Oettingen 
 
 
Etwa hundert Jahre blieb die Burg Spielberg in Besitz der Grafen von Truhendingen. Energisch und zielbewussßt hatten die in der Gunst des ihnen verwandten staufischen Königshauses stehenden Truhendinger in den Sternstunden des 12. Jahrhunderts unter König Konrad III. und Barbarossa von ihren alten Stammgütern im Ries ausgehend eine flächengreifende Herrschaft über den Hahnenkamm in Richtung mittleres Altmühltal bei Gunzenhausen aufgebaut, in die die Burg Spielberg als letzte Bastion eingefügt werden konnte. Die Truhendinger hegten wohl die Hoffnung, diese Herrschaft möge sich weiter entwickeln und verdichten und für die Zukunft bestehen. Doch menschliches Planen und Sorgen wurde im Mittelalter noch mehr als heutzutage durch die schicksalhaften Mächte des Todes gestört. Das musste fast jedes Edelgeschlecht und nun auch die Truhendinger erfahren, als Graf Ulrich 131O im Blütenalter von etwa 26 Jahren starb und sein einziges Söhnlein das gleiche Schicksal ereilte. Sein Erbe, das er angetreten hatte, begann allerdings schon unter seinem Vater Graf Friedrich VI. (1274-1290O) abzubröckeln; ein Stein nach dem anderen löste sich durch Schenkung an die Kirche oder durch Verkauf vom alten Truhendinger Haus. Schulden, die schon seine Vorfahren verursacht hatten, mussten bezahlt werden. Graf Ulrich, dem als Zweitgeborenen der alte Stammbesitz im Ries und am Hahnenkamm bei der Erbteilung um 1300 zugefallen war, unternahm keine Anstrengungen, das morsche Truhendinger Gebäude zu sanieren. Im Gegenteil, er lebte wohl auf großem Fuß und machte neue Schulden, wovon sein Sonderkonto im Handlungsbuch der Holzschuher in Nürnberg (1304-1307) ein erschütterndes Zeugnis gibt. Bei seinem Tod im Jahre 1310 hinterließ er zwei Töchter. Sie wuden von ihrer Mutter, der Gräfin Imagina von Truhendingen, erzogen, die sich nun auf ihre Witwensitze Spielberg und Weiltingen zurückzog. Als ihre beiden Töchter in das heiratsfähige Alter kamen, wurden sie zu begehrten Ehepartnern, denn sie brachten ihren Männern immerhin ein noch recht stattliches Erbe ein. Elisabeth, die eine Erbtochter, heiratete den tüchtigen Grafen Berthold, Herrn von Neuffen, Grafen von Marstetten und seit 1326 Grafen von Greisbach (41). Anna, die andere Erbtochter, wurde mit dem Grafen Heinrich von Schauenburg in Oberösterreich verbunden. Ihre Ehe wurde wohl durch ihre Tante Elisabeth von Truhendingen vermittelt, die mit dem Grafen von Hals verheiratet war. Burg Spielberg blieb als Witwengut im Eigentum der Witwe Ulrichs, Imagina. Der übrige Besitz fiel den Erbtöchtern zu. Imagina, die Gemahlin Ulrichs von Truhendingen, war lange Witwe geblieben und widmete sich der Erziehung ihrer beiden Töchtern. Nach deren Heirat erkannten die Grafen von Öttingen sehr bald, wie wichtig das Truhendinger Erbe zum Ausbau ihres Territoriums werden könnte. So suchte Graf Ludwig VIII. on Öttingen, der um 1321/22 mündig geworden war, durch eine Ehe mit der zwar älteren, aber mit einem ansehnlichen Witwengut ausgestatteten Imagina von Truhendingen, geborene Gräfin von Limburg- Isenburg, die Gewähr für eine Besitzvergrößerung zu schaffen. 1336 wird in einer Urkunde Ludwigs VIII. als ihr "Wirt" bezeichnet (42). Doch bei ihrem Tod (nach 1336) fiel Burg Spielberg nicht an ihren zweiten Gemahl, sondern an ihre Tochter Anna, die sich mit dem Grafen Heinrich von Schauenberg verbunden hatte. Um die Anwartschaft auf die Burg Spielberg für das öttingische Haus zu erhalten, wurde der Sohn Ludwig X. 1337 mit einer Tochter aus der Ehe Graf Heinrichs von Schauenburg mit Anna von Truhendingen verlobt. Sie führte den Namen ihrer truhendingischen Großmutter Imagina. 1340 gelobte ihr Vater Graf Heinrich von Schauenburg "die Veste und das Gut zu Spielberg" neben anderen Besitzungen, die ihm als Erbteil zugefallen waren, nimmer zu verkaufen oder zu versetzen. 1363 verkauften die Söhne Graf Heinrichs von Schauenburg die Burg Spielberg an ihren Schwager Graf Ludwig X. Damit gelangte Spielberg endgültig unter die Herrschaft der Grafen von Öttingen - Spielberg, die sie bis heute besitzen.

 
 
 
  41) Über ihn: Hansmartin Decker-Hauff, Berthold von Neuffen, in Schwäbische Lebensbilder Bd. VI, S.28-40, Stuttgart 1957.
42) Dertsch, Die Urkunden der Fürstlichen Archive, Augsburg 1959, Nr.414.
43) 62. Jahresbericht des Hist. Vereins für Mittelfranken, S.117, Nr.242.
 
 
 
Inhalt