Zur frühen Geschichte der Herrschaft Gnotzheim - Spielberg 
 
 Herrschaftsaufbau der Edlen von Spielberg unter Dietbrecht und Berthold. 
 
 
Ansätze zu einer selbständigen Herrschaftsbildung der Edlen von Spielberg lassen sich in der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts in bescheidenen Anfängen erkennen. Träger dieser neuen Bewegung sind die beiden Brüder Dietbreht und Berthold von Spielbeg, die sich 1130 noch nach ihrem angestammten Ort Gnotzheim benannten. Die Umbenennung von einem altüberlieferten Ort Gnotzheim nach einem Flurnamen (Spielberg) ist nicht etwa nur ein Zufall, in ihr kommt ein Programm zum Ausdruck: Heraus aus der alten Umgebung, hinauf auf die Höhe! Abstand nehmen von der Basisgesellschaft, von der alten Überlieferung, Herrschaft gewinnen über das Land! Nach dem Investiturstreit am Ende des 11. Jahrhunderts wurde von diesen Gedanken die gesamte Adelswelt erfasst. Konzentration des zerstreuten Besitzes um einen Herrschaftsmittelpunkt war das Gebot der Stunde. Die Adelsfamilien mussten sich bemühen, um überleben zu können, ihren über mehrere Dörfer und Landschaften verstreuten Grundbesitz flächengreifend zu ordnen und zu verdichten, um aus der bisherigen Herrschaft über Personen zu einer Herrschaft über das Land zu kommen. Das war ein Vorgang, der sich über Jahrhunderte erstreckte, der durch Kauf und Tausch von Grundbesitz, durch Erwerb von Kirchenlehen und Kirchenvogteien, durch Landesausbau und Rodung bewirkt wurde und zum modernen Territorialstaat führte. Der Bau von bewohnbaren Tiefen- und Höhenburgen trug in dieser frühen Epoche noch ungeklärter Machtverhältnisse erheblich zur Stabilisierung von Herrschaftsansprüchen bei. Burgen bildeten die tragenden Stützen im Gefüge der flächengreifenden Verdichtung der Machtpositionen. Viele Adelsfamilien sind in dem Bemühen um territoriale Abrundung und Erweiterung und Verdichtung ihrer Herrschaft in den Anfängen steckengeblieben. Auch der Versuch der ersten Spielberger Edelherren, eine selbständige und dauernde Adelsherrshaft um die Burg Spielberg aufzubauen, ist nicht gelungen, aber die Ansätze dazu lassen sich erkennen.
Da Dietbrecht von Spielberg 1142 im Gefolge des staufischen Königs weilte und dort in Urkunden als Zeuge tätig war (19), darf man annehmen, dass er zu den Anhängern des Königs zählte. Er konnte sich dem auch gar nicht entziehen, denn seine Burg erstand ja oberhalb der Königsstraße von Nördlingen nach Nürnberg, die in einer in Spielberg ausgestellten Urkunde vom Jahr 1282 als via regia = Köngsweg bezeichnet wurde (20). Sie führte aus dem frühstaufischen Kerngebiet im Ries nach dem strategisch wichtigen Wörnitzübergang bei Oettingen über Westheim, Ostheim und Gnotzheim nach dem ebenfalls machtpolitisch bedeutsamen Altmühlübergang bei Gunzenhausen, von da über Schwabach nach Nürnberg. Die Staufer kontrollierten diesen Raum schon längst bevor sie die Königswürde errangen, wohl schon seit der Zeit, da Friedrich I. von Staufen um 1079 mit dem schwäbischen Herzogstitel von Kaiser Heinrich IV. bedacht wurde, den er in schweren Kämpfen mit den Welfen erst durchsetzen musste. Die Verbindung Nördlingen - Nürnberg blieb eine Lebensader für die staufische Königslandpolitik. Es ist unwahrscheinlich, dass Dietbrecht und Berthold von Spielberg, wenige Meter von der Königsstraße Ulm - Nördlingen - Nürnberg entfernt, eine solch landschaftsbeherrende Burg erbauen hätten können ohne das Einverständnis und Wohlwollen der staufischen Herzöge und späteren Könige und Kaiser. So günstig die strategische Lage der Burg am Nordwestrand des Hahnenkamms nun auch erscheinen mochte, so führte sie doch nicht zur Durchsetzung und Festigung einer dauernden Herrschaft der Edlen von Spielberg, denn mächtigere Nachbarn traten als Konkurrenten auf den Plan und die verfügten über viel stärkere Machtmittel und wirtschaftliche Basen: Die Grafen von Oettingen und die Edlen von Truhendingen, die um 1265 den Grafentitel erwarben. Beiden kam zugute, dass sie Blutsverwandte der Staufer waren und mit Fürsprache dieses Königsgeschlechtes mit den Kirchenvogteien über eichstättisches, fuldisches, ellwangisches und heidenheimisches Grundeigentum betraut wurden. In der Vogtei lag der Ansatz zur Erwerbung der gesamten staatlichen Rechte.
Die Edlen von Spielberg waren mit den Staufern nicht blutsverwandt, wenigstens ist bisher davon nichts bekannt. Ihnen blieb die Chance zu einem raschen und großflächigen Ausbau ihrer Herrschaft versagt. An der strategisch wichtigen Altmühlfurt bei Gunzenhausen setzten sich auf ellwangischen Kirchengut -sicherlich mit dem Wohlwollen ihrer staufischen Vettern- die Edlen von Truhendingen fest und sicherten sie durch Burgenbau in Gunzenhausen, Wald und Unterwurmbach. Ebenso erstand im Süden, im Hahnenkamm, eine großräumige Höhenburg in Hohentrüdingen (21), die als mächtiges Herrschaftszentrum über Güter des Klosters Heidenheim und Eichstätter Kirchengut einen eventuellen Drang der Spielberger nach Süden einen breiten Riegel vorlegte. In der Zeit um 1150 zogen auch die truhendingischen Ministerialen von Ostheim auf die Höhe des Rechenberges am Hahnenkamm, erbauten dort eine Burg und nannten sich nun "von Rechenberg". Den Spielberger Edelherrn blieb zur flächenmäßigen Entfaltung ihrer Herrschaft lediglich ihr angestammtes Eigengut in Gnotzheim. Als Lehen mögen sie zerstreut liegende Königsgüter in Obermögersheim, Sammenheim und in den nahe gelegenen Orten getragen haben, doch ist uns darüber nur der Besitz des verschwundenen Königsgutes Brucca bei Büchelberg urkundliche überliefert (22). Was den Edlen von Spielberg zum Ausbau einer fächengreifenden Territorialherrschaft fehlte, war eine mehrere Fronhofverbände umfassende Vogtei über kirchliche Güter und die Möglichkeit zu umfassender Rodung des Waldes. Kirchen- und Klostervogteien wurden stets von den hochfreien Adelsfamilien als grundlegende Aufbauelemente einer Herrschaft über Land und Leute verwendet. Doch da schien es für die Edlen von Spielberg schlecht bestellt gewesen zu sein, denn die Vogtei über die ellwangischen Güter in und um Gunzenhausen, die Vogtei über den Besitz des Klosters Heidenheim im Hahnenkamm und Altmühltal und über die verstreut liegenden eichstättichen Kirchengüter war bereits den mächtigen Edlen von Truhendingen und im oberen Altmühltal (Arberg, Herrieden, Ornbau) den Grafen von Oettingen zugesprochen worden, die beide mit den Staufern blutsverwandt und von König Konrad III. in seine weitgespannten Hausmachtpläne im Grenzgebiet Franken und Schwaben einbezogen waren. Dennoch scheinen die Edlen von Spielberg von der Bevogtung kirchlicher Güter nicht völlig ausgeschlossen worden zu sein. Es liegen darüber keine Urkunden vor, aber das Heidenheimer Salbuch aus der Zeit um 1400 lässt erkennen, dass der Meierhof zu Dittenheim mit zwei Huben und mehreren dazugehörigen Hofstätten, der Meierhof zu Windsfeld, vier Höfe zu Sammenheim, ein Gut zu Edersfeld und der Meierhof und eine Hube zu Obermögersheim von Spielberg aus bevogtet wurden. Es wäre denkbar, dass diese Teilvogtei über die der Burg Spielberg nahegelegenen Güter schon im 12. Jahrhundert anlässlich der Reform des Klosters von Dietbrecht und Berthold von Spielberg erworben wurde. Doch reichte dies alles nicht aus, um den Machtbereich zu erweitern. Die mächtigen Verwandten der Staufer, die Grafen von Oettingen und die Truhendinger, blieben in dem Wettlauf um die Territorialisierung ihrer Adelsherrschaft die Stärkeren.

 
 
 
  19) Nürnberger Urkundenbuch Nr. 41, 43 , u.49.
20) a.a.O. Nr. 665
21) . Alt-Gunzenhausen Nn 39 S. 12 - 68.
22) Heidingsfelder, Regesten Nr. 387.
 
 
 
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