Zur frühen Geschichte der Herrschaft Gnotzheim - Spielberg 
 
 Pertolt de Gnozzesheim als Vasall der Bamberger Kirche 
 
 
Am 19. November 1122 wird von Bischof Udalrich II. von Eichstätt (1112-1125) ein Ministerialentausch mit der Bamberger Kirche vereinbart. Den Vorgang bezeugen Geistliche, Vasallen und Ministeriale beider Kirchen. Unter den Zeugen der Bamberger Kirche befinden sich unter anderen: ein Presbyter (Geistlicher) namens Dietpreht, ferner die Laien Ropreht (Ruprecht) und sein Bruder Lodewich (Ludwig) von Dittenheim und Pertolt de Gnozzesheim (23). Hanns Hubert Hofmann möchte in den Dittenheimer Brüdern Ministeriale der Bamberger Kirche erblicken. Er schreibt: "Die drei Brüder de Tytenheim, die zwischen 1122 und 114O mehrfach bezeugt sind, sind jedoch Bamberger Ministerialen" (24). Hier ist Hofmann wohl bei der Beurteilung der Standesqualität der Dittenheimer und Gnotzheimer in die Irre gegangen, denn Ruprecht und Ludwig von Dittenheim sowie Berthold von Gnotzheim erscheinen in der Urkunde unter der Bezeichnung "ingenuis laicis militibus". Das lateinische Wort ingenuus bedeutet hier "freigeboren", und mit dem Begriff miles (militibus) wurde in den Urkunden des 11. und frühen 12. Jahrhunderts noch die Vorstellung eines freien Vasallen verbunden. Ab 113O setzt sich dafür dann in der Kanzleisprache für diese Gruppe von Adeligen die Bezeichnung nobiles, liberi oder ingenui = Edelfreie durch, während unter miles in der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts der aus der Unfreiheit hervorgegangene, einem Edelherrn oder der Kirche verbundene Ritter verstanden wird. Berthold von Gnotzheim war also ein freigeborener aus dem Geschlecht der Gnotzheimer. Seine Zeugenschaft in der genannten Urkunde ist sicherlich nicht zufällig entstanden. Vielmehr dürfen wir annehmen, dass er, wie die Freien Ruprecht und Ludwig von Dittenheim, auch Lehen der Bamberger Kirche verwaltete. Lehen der Bamberger Kirche im Altmühltal? Ist das nicht eine kühne Vermutung? Wir haben über Bamberger Kirchenbesitz im Gebiet des Altlandkreises Gunzenhausen für diese frühe Zeit keine urkundliche Begründung. Aber wo Urkunden fehlen, sollte man doch einer alten Inschrift Beachtung schenken, die an der St. Michaeliskirche eingemeißelt wurde und die berichtet, dass Bischof Otto von Bamberg (1102 - 1139) mit Zustimmung Bischof Gebhards von Eichstätt (1125-1149) eine Kirche zu Ehren des heiligen Michael in der Zeit zwischen 1125 und 1139 erbauen ließ (25). Die Pfarrkirche von Pfofeld war also in der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts Bamberger Eigenkirche in der Diözese Eichstätt. Bamberg muss im mittleren Altmühltal über Grundbesitze verfügt haben. Dafür spricht auch der heilige Gangolf in Windsfeld, denn dieser Kirchenheilige wird wohl durch das Kloster St. Gangolf in Bamberg dort eingebürgert worden sein. In Bamberg entwickelte sich ein Zentrum seiner Verehrung, vielleicht verursacht durch den Besuch Papst Leos IX. in der Domstadt im Jahr 1052, der von Geburt ein Lothringer war und in Bamberg die Kraft seines Heiligen zu preisen wusste (26). Angehörige der Gnotzheimer Adelsfamilie, die als Domherrn im Bamberg wirkten, mögen den Grund zur Verehrung des heiligen Gangolf in Windsfeld gelegt haben. Man denke an den 1122 anlässlich des Ministerialentausches genannten Presbyter Dietpreht, der womöglich der Gnotzheimer Adelsfamilie entstammte. Nicht auszuschließen ist auch eine Verwandtschaft des 1122 genannten Berthold von Gnotzheim mit dem 1163 erwähnten Pertoldus de Windesuelt. In der Zeit der beginnenden Konzentration des Grundbezitzes um Herrschaftsmittelpunkte muss in Betracht gezogen werden, dass sich ein Adelsgeschlecht bald mit dem einen, bald mit dem anderen Besitzschwerpunkt nannte. Die Herren von Gnotzheim waren ein Geschlecht, das seine Söhne im Kirchendienst in Bamberg und Augsburg, wohl auch in Eichstätt, zur standesgemäßen Versorgung unterbrachte.

 
 
 
  23) Heidingsfelder, Regesten, Nr.311
24) H.H. Hofmann, Freibauern in Zeitschrift f. bayerische Landesgeschichte 1960, Band 23, S.261
25) Die Kunstdenkmäler v. Bayern, Mittelfranken, Bezirksamt Gunzenhausen, S.256.
26) Gerd Zimmermann, Sankt Gangolfs Weg von Lothringen nach Bamberg, Jahrbuch für fränkische Landesforschung, Bd. 22, Seite 443 ff.
 
 
 
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