Zur frühen Geschichte der Herrschaft Gnotzheim - Spielberg 
 
 Der Rufname Dietbrecht 
 
 
Die Freien von Gnotzheim treten schon um 1090 aus dem Dunkel in das Licht urkundlicher Überlieferung, ja dreißig Jahre früher als die Edlen von Truhendingen, und sie scheinen gar nicht so unbedeutend gewesen zu sein, wie man zunächst gemein hin annehmen möchte. Aus dem frühen Nachweis des seltenen Namens Dietbrecht kann der Schluss gezogen werden, dass das Edelgeschlecht der Gnotzheimer schon in der ersten Hälfte des 11. Jahrhunderts am Fuß des Spielbergs ansässig war. Der Name Dietbrecht hat unter dem Adelsgeschlechtern unserer engeren Heimat einen gewissen Seltenheitswert und wird von beiden Edelfamilien, den Gnotzheimern wie den Spielbergern, bevorzugt. Er tritt in verschiedenen Formen auf: Diepertus, Diepreht, Dietbraht, Dietbreht, Dietperht und Tibertus. In den Eichstätter Regesten ist er nur zweimal verzeichnet. Man wird daher nicht in den Verdacht einer unwissenschaftlichen Namenspielerei geraten, wenn man ihn zur Begründung einer Verwandtschaft zwischen den freiadeligen Familien der Gnotzheimer und der Spielberger zu Rate zieht.
Schon anlässlich der Gründung des Klosters St. Walburg in Eichstätt am 24. Juli 1035 durch den Edlen Liutiger wird unter den Zeugen fränkischer Herkunft ein Dietprecht genannt (3). Es kann zwar nicht bewiesen, aber auch nicht völlig ausgeschlossen werden, dass er ein Angehöriger der Gnotzheimer Edelfamilie war, wird doch seine Zugehörigkeit zu einem Adelgeschlecht aus Franken betont (von Eichstätt aus betrachtet). Außerdem lagen die ältesten Ausstattungsgüter dieses Klosters St. Walburg in Langenaltheim, Dietfurt, Rehlingen, Pappenheim und Dettenheim, also in einer Gegend nicht allzuweit vom Einflussbereich der Gnotzheimer Herren entfernt. Bleibt die Zugehörigkeit des 1035 genannten Dietpreht zur Familie der Gnotzheimer noch ungewiss, so wächst sie zu großer Wahrscheinlichkeit an, wenn wir jene, leider im Original verschollene, aber durch die Forschung nach den frühen Staufern zu großem Interesse gelangte Urkunde vom 17. Mai 1053 betrachten, wonach der salische Kaiser Heinrich III.(1039-1056) seinem treuen Diener Bischof Gebhard von Eichstätt (1042-1057) die Forsthoheit über die großen Wälder des heutigen Öttinger Forstes und des westlichen Hahnenkamms verleiht (4). Ihre Bedeutung für die Geschichte der Truhendinger Herrshafttsentwicklung wurde schon wiederholt hervorgehoben. In der Zeugenreihe dieser kaiserlichen Schenkung an den Eichstätter Bischof wird gleich hinter dem Pfalzgrafen und Riesgrafen Friedrich, der als Vorfahre des staufischen Königsgeschlechtes gilt, und hinter einem Grafen Odalrich (Ulrich) ein Dietpreht genannt, den wir wohl der freiadeligen Familie der Gnotzheimer zugesellen dürfen. Seine Interessen wurden durch die Waldschenkung von 1053 berührt, denn nach der Urkunde führte die Grenze des geschenkten Forstgebietes von Magerichesheim (Obermögersheim) und dann die grade Straße fort bis zur Kirche im Dorf Gnozesheim (Gnotzheim), von da geradeaus bis zum Dorf Kirsenloch (Kirschenmühle bei Heidenheim) an die Rohrach. Die Forstgrenze zog also unmittelbar an den Stammsitz jener Adelsfamilie von Gnotzheim vorbei, der wir jenen Dietbrecht der Urkunde von 1053 wohl mit großer Wahrscheinlichkeit zugesellen dürfen. Die Grenzbeschreibung im Raum der Altsiedlung Gnotzheim gibt hier nur zwei Punkte an: die Kirche im Dorf und den Ort Kirsenloh (nordwestlich Heidenheim). Dort ist noch der Name der Kirschenmühle erhalten. Dazwischen erhebt sich heute eindrucksvoll die Burg Spielberg. Sie könnte heutzutage kein Verfasser einer Grenzbeschreibung übergehen. Die Urkunde vom Jahre 1053 schenkt dem Spielberg überhaupt keine Beachtung - "Zufall", könnte man sagen, "Ungenauigkeit mittelalterlicher Schreiber". Doch dass der Spielberg mit seiner Burg keine Erwähnung findet, kann sicher nur deswegen als Zufall erscheinen, weil sich dort auf jener Höhe im 11. Jahrhundert noch keine Wehranlage bedeutenden Umfanges befand. Die Befestigung, die in diesem Raum in frühmittelalterlicher Zeit das Altmühltal beherrschte, war die Gelbe Bürg. Sie liegt aber etwas weiter östlich der Forstgrenze von 1053 und bleibt deswegen ungenannt. Die Burg auf dem Spielberg dagegen erhebt sich heute genau in der geraden Linie von der Kirche in Gnotzheim zur Kirschenmühle bei Heidenheim. Hätte dort um 1053 der Berg eine eindrucksvolle Verteidigungsanlage getragen, so wäre sie doch wohl in der Grenzbeschreibung des Bannforstes erwähnt worden. Aus dieser Erkenntnis ist der Schluss zu ziehen, dass um 1053 auf dem Spielberg noch keine Höhenburg errichtet, das Geschlecht der Edlen von Spielberg dort noch nicht ansässig, sondern in einer anderen Familie verborgen war.

 
 
 
 3) Heidingsfelder, Regesten Nr.166.
4) a.a. O. Nr.196.
 
 
 
Fortsetzung