Der Raum Gunzenhausen im Kräftespiel territorialer Bestrebungen im 12. und 13. Jahrhundert 
 
 Herkunft Ottos von Bamberg 
 
 

Diese Inschrift veranlasste im Jahre 1924 auch unseren Gunzenhäuser Pfarrer und sehr verdienstvollen Historiker Hermann Clauß, was schon viele vor ihm getan hatten, die Frage nach Ottos Herkunft und Heimat zu stellen. Clauß war Mitherausgeber der "Beiträge zur bayerischen Kirchengeschichte" und hat im Jahre 1924 darin einen Aufsatz veröffentlicht: "Ein Kirchenbau Ottos von Bamberg im Altmühlgau". Darin schloss er sich der Vorstellung früherer Forscher an, Otto könne aus Mischelbach bei Pleinfeld stammen, das in seinen alten Schreibformen Mistelbach lautet (38). Er stieß dabei auf Widerspruch von Gustav Bossert, der sich auf die Aussage der Lebensbeschreibungen Ottos aus dem 12. Jahrhundert stützt, die Schwaben als Heimat Ottos erwähnen und eine Kirche im Albuch, einer Landschaftsbezeichnung innerhalb der Schwäbischen Ostalb zwischen Aalen und Heidenheim an der Brenz, als Begräbnisstätte von Ottos Eltern angeben (39). Für Mischelbach bei Pleinfeld als Heimat Ottos könnten deswegen gewichtige Gründe sprechen, weil in seinen Viten (Lebensbeschreibungen) erwähnt wird, dass er im Kloster Wülzburg, dem staufischen Hauskloster, erzogen worden und dort immer wieder eingekehrt sei, wobei in diesen alten Schriften keine Klarheit besteht, ob es sich um das Kloster Wülzburg bei Weißenburg oder um Würzburg, die Stadt am Main, handelt. Nun gibt es aber auch noch ein zweites Mistelbach bei Bayreuth. Dort war Ottos Bruder Friedrich ansässig, wobei wiederum nicht eindeutig geklärt werden kann, ob dieser schon von Anfang an dort zuhause war oder erst durch die Gunst Bischofs Otto dahin kam (40). Neuerdings hat Gerhard Leidel in seiner Dissertation über das Kloster Wülzburg die Vorstellung von Pfarrer Clauß wieder aufgegriffen. Er schreibt: "Ottos Aufenthalt und Ausbildung auf der Wülzburg ließe sich gut mit der von Hermann Clauß vertretenen These vereinbaren, dass Otto aus Mischelbach stamme" (41). Auch ohne die Ungewissheit über seine Herkunft aus Mischelbach ließen sich ein Aufenthalt und eine Ausbildung im Kloster Wülzburg wohl denken, denn die Benediktinerabtei bei Weißenburg war im 12. Jahrhundert staufisches Hauskloster gewesen. Dies leuchtet umso mehr ein, weil nach neueren Forschungen Otto selber ein Angehöriger des staufischen Königshauses (frühe Staufer) war. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die Bemühungen um die Geschichte, vor allem um die Herkunft der frühen Staufer, verstärkt aufgenommen und schon vor der großen Stauferausstellung in Stuttgart 1977 kam man zu der erregenden Erkenntnis, dass die Staufer ihre frühen Machtpositionen im 11. und 12. Jahrhundert im nahen Ries aufgebaut hatten (42). Diese Forschungen erbrachten Klarheit, dass Adelheid, die Mutter des heiligen Otto, eine Schwester des Friedrich von Staufen war, des ersten Herzogs von Schwaben aus dem Geschlecht der Staufer und Schwiegersohn Kaiser Heinrichs IV. Friedrich I., Herzog von Schwaben, baute während des Investiturstreites um 1079 eine mächtige Position um den Hohenstaufen in der Schwäbischen Alb auf und diente mit ihr in Treue seinem Kaiser Heinrich, der ihm seine Tochter Agnes zur Frau gab. Adelheid, die Schwester Friedrichs von Staufen, heiratete nach Decker-Hauff einen Edelfreien unbekannter Herkunft namens Otto, der durch seine Frau auf dem Albuch begütert war (43). Beide Eltern des heiligen Otto sind in einer Kirche auf dem Albuch beerdigt.


 
 
(38)Erich Staßner HOB Land- u. Stadtkreis Weißenburg Nr. 121.
(39)Gustav Bossert, Zum Streit um die Heimat Ottos v. Bamberg in Beiträge zur bayer. Kirchengeschichte, Erlangen 1925 S. 1- 3.
(40)Zu dieser Frage: Gustav Voit, Der Adel am Obermain in "Die Plassenburg", Schriften für Heimatforschung u. Kulturpflege Bd. 28 S. 201.
(41)Gerhard Leidel, Geschichte der Benediktinerabtei Wülzburg, Mittelfränkische Studien Bd. 4 S. 18.
(42)Darüber: Heinz Bühler, Schwäbische Pfalzgrafen, frühe Staufer und ihre Sippengenossen im Jahrb. d. Hist. Vereins Dillingen 77. Jhg. 1975 S. 118 - 156. Derselbe: Zur Gesch. der frühen Staufer in "Hohenstaufen" Göppingen 1977 S. 1- 74; Heinz Bühler, Die frühen Staufer im Ries, im 28. Jahrb. des Hist. Vereins für Nördlingen u. das Ries S. 217- 250. Hansmartin Decker - Hauff, Das Staufische Haus in Bd. III des Katalogs zur Stauferausstellung 1977 S. 139- 374. Über den heiligen Otto S. 346.
(43)Hansmartin Decker - Hauff, Das Staufische Haus Bd. III S. 346.
 
 
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