Die Klostergründung Gunzenhausen 
 
 Einleitung 
 
 

Die schriftlichen Nachrichten über die frühmittelalterliche Geschichte Gunzenhausens fließen spärlich. Lediglich eine Urkunde aus dem Jahre 823 berichtet von einem Kloster und von seiner Unterstellung unter die Reichsabtei Ellwangen. Diese frühe Quelle ist zwar das einzige Zeugnis, das für eine geschichtliche Darstellung dieses Raumes eine gewisse Grundlage bilden kann, doch gibt die Urkunde sicheren Aufschluss darüber, dass in der 2. Hälfte des 8. Jahrhunderts auch der Platz, auf dem die Stadt Gunzenhausent steht, das Interesse der fränkischen Großraumpolitik erweckte. Die Klostergründung in Gunzenhausen erfolgte an einer Stelle, die von Natur besonders begünstigt war. Da der fränkische König in seiner raumgreifenden politischen Zielsetzung nach Ostfranken vor allem bestrebt war, um derartige von der Natur bevorzugte Stützpunkte seine Positionen in Form von kleinteiligen Gebilden mit Königshöfen, Königskirchen und Eigenklöstern zu errichten, um den Raum beherrschen zu können, darf vermutet werden, dass auch die Klostergründung Gunzenhausen in einem politischen Zusammenhang mit der fränkischen Erfassung und Erschließung des Raumes an der Altmühl und des Waldgebietes nördlich und östlich von Gunzenhausen steht. Die natürliche Begünstigung dieses Platzes bestand in dem verhältnismäßig bequemen Übergang über die Altmühlaue. Die von Osten weit an die Altmühl heranziehende Burgsandsteinhöhe (Burgstallwald) ermöglichte eine dem Hochwasser entzogene, durch Knüppeldämme gesicherte Anfahrt an die Talaue und ein rasches Erreichen des überhöhten Schwemmkegels des Wurmbaches in Richtung Unterwurmbach. Die Beherrschung der Altmühlfurt und ihrer Anfahrtswege bei Gunzenhausen war eine der strategischen Aufgaben, die der fränkische König seinem Getreuen als Verpflichtung auferlegt hatte. Dieser knüpfte hier wohl an das römische Vorbild an, denn auch die Römer hatten durch ein Kastell im 2. Jahrhundert n. Chr. diesen günstigen Übergang über die Altmühl gesichert. Die Aufgabe, die in römischer Zeit dem Kastell gestellt war, hatte im 8. Jahrhundert das fränkische Kloster zu erfüllen. Der Gedanke, dass ein Kloster zur Sicherung des Altmühlüberganges errichtet wurde, verträgt sich nun nicht mit den Vorstellungen, die wir heute mit einem Kloster verbinden. Wir erwarten in erster Linie von den Mönchen die Pflege religiöser und geistlicher Werte, an eine Erfüllung des Lebens im Dienste Gottes, an ein Heilsinstitut zur Erlangung der ewigen Seligkeit. Im frühen Mittelalter dagegen war bei der engen Verflechtung von Religion und Politik die Gründung eines Klosters auch eine hochpolitische Angelegenheit. "Die fränkischen Klöster des 8. und 9. Jahrhunderts waren neben und vor den Eigenkirchen Zentren geistiger Kultur und geistlicher Bildung, fränkischer Reichskultur, sie waren Ausgangspunkte der Mission der Frühzeit und Stätten der Seelsorge; sie waren aber auch Hüter und Zentren karolingischer Herrschaftstradition" (Karl Bosl). In jener Zeit der "politischen Religiosität" lag der Schwerpunkt einer Klostergründung neben dem religiösen auch auf dem politischen und wirtschaftlichen Sektor. Wohl muss der Antrieb zu so einem Unternehmen der Klostergründung in kirchlich religiösen Motiven gesucht werden, doch bedurfte es zur Sicherung des Unterhaltes der Klosterinsassen von Anfang an einer wirtschaftlichen Grundlage in Form eines Ausstattungsgutes. Bei der aristokratischen Verfassung des frühen Mittelalters aber verfügte nur ein Adeliger über Grund und Boden und deshalb konnte nur er in jener Zeit als Klostergründer in Betracht kommen. Somit stellt sich nun die Frage:

 
 
 
Fortsetzung