Der Raum Gunzenhausen im Kräftespiel territorialer Bestrebungen im 12. und 13. Jahrhundert 
 
 Streit um das Patronatsrecht in Gunzenhausen 
 
 

Jeder Territorialherr war im Mittelalter bemüht, möglichst viel Eigengut an Grund und Boden, aber auch ein Bündel von Rechten als Herrschaftselemente in seine Hand zu bekommen und alles um eine Burg oder eine Stadt zu konzentrieren. Vom Personenverband zum geschlossenen Flächenstaat lautete der Leitspruch der Territorialisierung. Dazu musste man bestrebt sein, auch viele Rechte verschiedenster Art zu erwerben. Dabei spielte auch die Schutzherrschaft über Kirchengüter und das Patronatsrecht eine bedeutende Rolle. Den Edlen von Truhendingen gelang es bei der Stadtgründung Gunzenhausen nicht sofort, auch die Herrschaft über die Kirche zu gewinnen. Die von Bischof Otto von Eichstätt in den Jahren zwischen 1182 und 1196 geweihte romanische Kirche zu Gunzenhausen war eine ellwangische Eigenkirche. Das Patronatsrecht (Recht auf die Besetzung der Pfarrstelle) lag beim Kloster Ellwangen. Der Besitz dieses Rechtes hätte für die Truhendinger Stadtherrn eine wesentliche Konzentration ihrer Herrschaft bedeutet. Das Kloster Ellwangen war jedoch nicht gewillt, diese ihm verbliebene eigene geistliche Position aufzugeben. So ergriffen die Edlen von Truhendingen die Gelegenheit während der unsicheren Zeit des Interregnums, die Rechtmäßigkeit der Pfarreibesetzung durch den Ellwanger Kleriker Wolfram von Kocesbuhel (Kottspiel bei Ellwangen) anzuzweifeln. Daraufhin kam es zu einem Rechtsstreit, der im Chor der Domkirche in Eichstätt vor einem Schiedsgericht ausgetragen und dahin entschieden wurde, dass die Besetzung der Pfarrei durch den Ellwanger Geistlichen rechtmäßig sei und das Patronatsrecht über die Pfarrkirche in Gunzenhausen dem Abt von Ellwangen zustehe (18). Das geschah im Jahre 1263 wohl kurz nach der Stadtgründung. Pfarrer Clauß, der über den Streit um das Patronatsrecht in Gunzenhausen eine längere Abhandlung verfasst hat, geht von der Vorstellung aus, dass "die im Altmühltal mächtigen Truhendinger" noch nicht die Herrschaft über die Stadt besaßen und mit Hilfe des Patronatsrechts in diese hereinzudrängen suchten. Es wird aber doch wohl so gewesen sein, dass schon vor 1263 von ihnen die Stadt aufgrund der Vogtei eigenmächtig auf dem Boden des Klosters Ellwangen gegründet wurde und dass ihnen nur noch das Patronatsrecht über die Kirche fehlte, um die Herrschaft über die Stadt zu vervollständigen. Zwei Jahrzehnte später um 1280 gelang den Edlen von Truhendingen, auch das Patronatsrecht an sich zu ziehen, ob rechtmäßig oder durch Gewalt, das lässt sich nicht feststellen. Jedenfalls präsentierten um diese Zeit die Truhendinger ihren Pfarrer Wernhard ohne Widerspruch auf die Pfarrei Gunzenhausen (19). Die Mühe, die Ellwangen bei dem Patronatsstreit in Gunzenhausen gegen die Macht der Truhendinger aufzubringen hatte, lässt wohl erahnen, dass auch schon bei der Gründung der Stadt kurz nach 1250 durch Friedrich IV. von Truhendingen (1223-1274) sich von seiten Ellwangens Widerstand regte. Doch darüber schweigen die Quellen.


 
 
(18)Heidingsfelder RBE Nr. 819. Näheres darüber: Hermann Clauß, Zur Geschichte der Pfarrei und Pfarrer zu Gunzenhausen im Mittelalter, in AG Heft 7 S.22.
(19)Wie Anmerkung 18 S. 22.
 
 
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