Der Raum Gunzenhausen im Kräftespiel territorialer Bestrebungen im 12. und 13. Jahrhundert 
 
 Hauptstützpunkt der Hirschberger: Die abgegangene Burg bei Pfofeld 
 
 

Eine Burg zu bauen erforderte im Mittelalter einen enormen Aufwand von Arbeitsleistung und Material. Die hohen Herren errichteten sie nicht der schönen Aussicht oder des Ansehens wegen. Was eine Stadt mit Mauern und Türmen im 13. und 14. Jahrhundert bewirken sollte, nämlich territoriale Interessen eines Mächtigen durchzusetzen, das war schon der Burg im 11. und 12. Jahrhundert als Ziel vorgegeben: Von ihr sollten Machtströme in das umgebende Land ausgehen, um Flächenherrschaft zu dokumentieren. Oft können territorialpolitische Zielsetzungen nicht immer aus Urkunden erkannt werden. Betrachtet man aber die Stelle einer abgegangenen Burg, die meist in dem Flurnamen Burgstall oder Schloßbuck oder "im alten Schloß" weiterlebt, so wird dahinter die Absicht aufleuchten, die einst ihre Adelsherrschaft beim Ausbau ihres Territoriums beseelte. Da finden wir nun nahe an Pfofeld unweit der Straße nach Dornhausen auf der Höhe ein Waldstück mit dem Namen Hag, einem Namen, der auch mit den Höhenburgen Hohentrüdingen und Spielberg verbunden ist. In diesem Wald Hag bei Pfofeld liegen Reste einer verfallenen Burg. Im Volksmund führt diese Gegend die Bezeichnung Schloßbuck, wobei man nicht an einen vornehmen Wohnbau mit Parkanlage aus der Barockzeit, sondern an eine zu Wehrzwecken errichtete einfache Ministerialenburg der frühen Stauferzeit (12. Jahrhundert) denken muss. Der bekannte Ansbacher Vorgeschichtsforscher Dr. h. c. Karl Gumpert schreibt darüber: "Die umfangreiche Wehranlage gliedert sich in einen allerdings stark zerstörten, runden Turmhügel mit breitem Trockengraben und einer am südlichen Hang unmittelbar anschließenden Vorburg mit Graben. Dem Graben ist ringsum ein Wall von 3 bis 5 Meter Breite vorgelagert. Die Ausmaße der sich daraus ergebenden ovalen Gesamtanlage betragen in der Längsachse etwa 130 Meter und in der Querachse etwa 90 bis 100 Meter. Das Turmhügelplateau beträgt heute etwa 6 bis 7 Meter. Es handelt sich also um eine ganz stattliche Wehranlage von beträchtlichen Ausmaßen, die nicht nur einem Turm, sondern einer ganzen Burg genügend Raum bot. Bezeichnend ist für die Wehranlage die Kombination von Turmhügel und Vorburg, die von einem einheitlichen Graben in idealer Weise umschlossen werden. Auffallend ist jedoch, dass sich die Vorburg am steilen Südwesthang befindet, statt nach Nordosten, wo sich das gefährlichere rückwärtige Plateau anschließt. Man hat also mehr mit Angriffen gerechnet, die von Westen oder Süden her kamen. Welchem Geschlecht die Erbauung dieser stattlichen Burg zuzuschreiben ist, ist nicht bekannt, ebensowenig kennt man ihren Verwendungszweck" (29). Diese Situationsbeschreibung Gumperts passt gut für eine Burg der 1. Hälfte des 12. Jahrhunderts. Als einfache Turmhügelburg erscheint die Anlage zu groß, als mächtige Adelsburg des frühen 13. Jahrhunderts zu klein. Wir werden kaum fehlgehen, wenn wir sie einem Rittergeschlecht von Pfofeld zuschreiben, das im Dienste der Grafen von Hirschberg stand. Diesem Geschlecht gehörte wohl auch der 1222 genannte Ritter Bertiger von Pfofeld an, der als Zeuge für Agnes von Dollnstein (Hirschberg) im Streit um die Kapelle in Pflaumfeld aussagte (30). Bertigers Taufpate war der Ritter Heinrich der Ältere von Asbach. Heidingsfelder verlegt seinen Sitz nach Oberasbach. Da er mit Bertiger von Pfofeld verwandt war, gehörte er sicherlich auch zur Hirschberger Ministerialengruppe.


 
 
(29)Karl Gumpert, "Frühmittelalterliche Turmhügel in Franken" in 70. Jahresbericht des Hist. Vereins für Mittelfranken 1950 S. 80- 81.
(30)Heidingsfelder RBE Nr. 597.
 
 
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