Der Raum Gunzenhausen im Kräftespiel territorialer Bestrebungen im 12. und 13. Jahrhundert 
 
 Gunzenhausen in der alttruhendingischen Erbmasse 
 
 

Graf Ulrich von Truhendingen, der als Letzter die alttruhendingischen Güter und Herrschaftsrechte am Hahnenkamm in seiner Hand vereinte - die Besitzungen in Oberfranken verwaltete sein Bruder Friedrich nach vereinbarter Teilung - starb am Tag des Bischofs Lambert (17. September?) 1310. Soviel lässt sich aus der nicht ganz erhaltenen Umschrift auf dem Schrägrand seines Grabmales in der Heidenheimer Klosterkirche erkennen. Er hinterließ aus seiner legitimen Ehe mit Imagina von Limburg-Isenburg ein Söhnlein mit dem truhendingischen Leitnamen Friedrich und zwei Töchter: Elisabeth und Anna. Solange Friedrich, der Sohn des Grafen Ulrich, lebte, bestand Aussicht auf einen Fortbestand der Truhendinger Adelsherrschaft im Hahnenkamm und im Altmühltal. Um 1324 verstarb nun aber auch Friedrich, der letzte männliche Nachkomme der alttruhendingischen Linie (7). Nun traten die beiden Schwestern das Erbe an. Anna, die Erbtochter des Grafen Ulrich von Truhendingen, hatte 1321 den Grafen Heinrich von Schauenberg (Oberösterreich) geheiratet, Elisabeth vor 1324 den Grafen Berthold VI. von Neuffen, Graf von Marstetten und Graisbach, kaiserlicher Generalvikar für Italien (geb. um 1290, gest. am 19.2.1342) (8). Die junge Witwe Imagina, Gemahlin des verstorbenen Grafen Ulrich von Truhendingen, hatte noch Lust zu heiraten und verehelichte sich mit dem benachbarten Grafen Ludwig VIII. von Oettingen (gest. 1378). Nun konnten eigentlich drei Adelsfamilien Anspruch auf das alttruhendinger Erbe erheben: die Grafen von Schauenberg, die Grafen von Graisbach und die Grafen von Oettingen (auf das Witwengut der Imagina). Das Erbteil der Schauenberger ist durch die oben genannte Urkunde vom Jahre 1340 bekannt (9). Das der anderen wird nicht genannt. Das größte Interesse an dem Truhendinger Besitz mussten die benachbarten Herren von Oettingen an den Tag legen, denn dieser hätte eine bedeutende Stärkung ihrer Machtposition bedeutet. In diese nicht näher bezeichnete Truhendinger Erbmasse musste auch die Stadt Gunzenhausen einbezogen gewesen sein. Der Burgstallwald (Forst Gunzenhausen) fiel dem Grafen Heinrich von Schauenberg und seiner Gemahlin Anna als Truhendinger Erbe zu. Über die restliche, nicht näher bezeichnete Erbmasse kamen die beiden anderen Erbpartner Graisbach und Oettingen überein, dass sie "Spielberg, Weiltingen und Gunzenhausen insgemein miteinander sollen haben" (10). Gunzenhausen gehörte also noch kurz bevor es 1349 von Graf von Oettingen an Burkhard von Seckendorff als Ellwanger Lehen verkauft wurde, dem Truhendinger Erbe an. Diese müssen die Stadt gegründet haben. Es ist kaum anzunehmen, dass der Ort in der kurzen Zeit, in der er zur Herrschaft Oettingen gehörte, zur Stadt erhoben wurde. Dass die Edlen von Truhendingen früher als die Grafen von Oettingen in Gunzenhausen anwesend waren, dürfte außer Zweifel stehen. Dafür lassen sich auch urkundliche Zeugnisse anführen. So wird 1309 ein truhendingischer Vogt zu Gunzenhausen erwähnt (11). Der Vogt war der Vertreter des Grafen Ulrich in der Stadt, der im Auftrag seines Herrn die Herrschaft ausübte. Es erscheint kaum wahrscheinlich, dass hier noch ein fremdherrischer Vogt tätig war. Doch die Anwesenheit der Truhendinger Macht in Gunzenhausen reicht nachweislich auch in das 13. Jahrhundert zurück. Das Handlungsbuch der Holzschuher in Nürnberg (1304-1307) erwähnt im Sonderkonto des Grafen Ulrich von Truhendingen darin auch einen Advocatus und einen Zöllner von Gunzenhausen. Und schließlich war schon 1284 Gunzenhausen Ausstellungsort einer Urkunde des Grafen Friedrich von Truhendingen, in der dieser seine Zustimmung dazu gab, dass die ehemalige Vögtin Sophia in Colmberg alle ihre Besitzungen in den Dörfern Spielberg (Kreis Ansbach) und Bernheim (Burgbernheim) mit Zubehör dem Kloster Heilsbronn für ihr Seelenheil geschenkt hat (12).


 
 
(7)Urkundenbuch des Landes ob der Enns Bd. 5 Wien 1868 Nr. 337.
(8)Über ihn: Hansmartin Decker - Hauff in Schwäbische Lebensbilder Bd. IV S. 28-40, Stuttgart 1957.
(9)62. Jahresbericht d. Hist. Vereins f. Mittelfranken 1919 Nr. 242,2.
(10)Elisabeth Grünewald, Das älteste Lehenbuch der Grafschaft Oettingen 1975, Einleitung S. 161 Anmerkung 950.
(11)Sebastian Englert, Geschichte d. Grafen von Truhendingen, Würzburg 1885 S. 64 u. S. 117.
(12)Urkundenregesten des Zisterzienserklosters Heilsbronn, Würzburg 1957 Nr. 171.
 
 
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