Der Raum Gunzenhausen im Kräftespiel territorialer Bestrebungen im 12. und 13. Jahrhundert 
 
 Beziehungen Bischof Ottos zum Gunzenhäuser Raum 
 
 

Wagen wir uns nicht weiter in die hohen Gefilde der neueren Ottoforschung, sondern steigen wir in unsere bescheidene Heimatgeschichte herab. Wir halten Umschau, ob sich außer dieser Bauinschrift an der Pfofelder Kirche auch noch andere Spuren im Gunzenhäuser Raum finden, die zum heiligen Otto oder zumindest zu seiner Bamberger Kirche führen. Auf unserer Suche kommt uns eine Urkunde aus dem Jahre 1122 zu Hilfe. Was geschah in diesem Jahr? Der Eichstätter Bischof Udalrich II. (1112 - 1125) übergab tauschweise durch die Hand seines Vogtes Hartwig von Crehgelingen (Grögling bei Beilngries, ab etwa 1200 v. Hirschberg genannt) an den Altar des heiligen Petrus in Bamberg einen Eigenmann seiner Kirche namens Brunward mit der Bestimmung, dass er fortan zu den Bamberger Ministerialen gehören soll, und empfängt dafür Ramwold, den Sohn Ramwolds von Schweinfurt, durch die Hand desselben Vogtes Hartwig in das Eigenrecht seiner Kirche (44). Es handelt sich hier also um einen Ministerialentausch zwischen der Eichstätter und der Bamberger Kirche zur Zeit des heiligen Otto. Ministerialen konnten zu jener Zeit, da sie ja meist unfreier Herkunft waren, von den hohen freien Herren mitsamt ihrer Burg vertauscht oder verkauft werden. Das wäre nun nichts Außergewöhnliches, aber bemerkenswert und für unsere Heimatgeschichte bedeutsam ist die Zeugenreihe. Eine Menge von Zeugen freien und ministerialischen Standes von Bamberger und Eichstätter Seite bekräftigen diesen Ministerialentausch. Die Zeugenreihe ist dem Rang entsprechend gegliedert. Zuerst werden die hohen geistlichen Herren, die Kanoniker der Bamberger Kirche erwähnt. Dann folgen die Geistlichen des Bischofs Ulrich von Eichstätt. Nach den Geistlichen treten die Namen der Zeugen aus dem Laienstande auf und diese sollen uns besonders interessieren. Aus unserer Heimat werden genannt: Ropreht de Titenheim et frater eius Lodewich - Ernest de Crhegelingen, frater Hartwici advocati - Pertolt de Gnozzesheim. Zu deutsch: Ruprecht von Dittenheim und sein Bruder Ludwig, Ernst von Grögling, der Bruder des Vogtes Hartwig, Berthold von Gnotzheim. Ihre Standeszugehörigkeit wird mit folgenden Worten charakterisiert: "de ingenuis laicis sancte Babenbergensis ecclesie militibus". Was heißt das? Irreführen könnte uns das letzte Wort miles (militibus). Freiherr von Guttenberg schreibt darüber: "Der Ausdruck milites bezeichnet in dieser Zeit (11. und 12. Jahrhundert) grundsätzlich den durch Lehenseid dem Bischof verbundenen Personenkreis, die edelfreien Vasallen des Stifts" (45). Dass die oben angeführten Laienzeugen von Dittenheim, Gröglingen und Gnotzheim dem Stande der Edelfreien angehörten, wird auch durch die Bezeichnung ingenuis laicis angedeutet. Das lateinische Wort ingenuus bedeutet "freigeboren, eines Freigeborenen würdig". Hanns Hubert Hofmann hat die "drei Brüder de Tytenheim, die zwischen 1122 und 1140 mehrfach bezeugt sind" als Bamberger Ministerialen angesprochen (46). Nach der Urkunde von 1122 sind sie aber nicht Ministeriale, sondern gehören dem Stande der Edelfreien an, sind also Bamberger Vasallen, die Lehen von der Bamberger Kirche besitzen. Heidingsfelder betont ausdrücklich: "Zu beachten ist, dass in der Urkunde Ernst von Kreglingen als Vasall der Bamberger Kirche erscheint" (47). Die Urkunde von 1122 über den Ministerialentausch lässt erkennen, dass im Raum südostwärts von Gunzenhausen in Pfofeld, Dittenheim und Gnotzheim edelfreie Herren als Vasallen der Bamberger Kirche ansässig waren. Wenn sie in der Urkunde von 1122 als "freigeborene Vasallen der Bamberger Kirche" genannt werden, mussten sie als Lehen Bamberger Kirchengut empfangen haben.


 
 
(44)Heidingsfelder RBE Nr. 311.
(45) Frhr. v. Guttenberg, Die Territorienbildung am Obermain, in 79. Bericht des Hist. Vereins Bamberg, S. 45.
(46)Hanns Hubert Hofmann: Freibauern, Freidörfer, Schutz u. Schirm im Fürstentum Ansbach in Ztschr. f. bayer. Landesgeschichte 1960 Bd. 23 Heft 2 S. 261
(47)Heidingsfelder RBE Nr. 311.
 
 
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