Der Raum Gunzenhausen im Kräftespiel territorialer Bestrebungen im 12. und 13. Jahrhundert 
 
 Die Stadtgründung 
 
 

Die Städte des Mittelalters haben, was ihre Entstehung anbelangt, höchst verschiedene Wurzeln. Die ältesten Städte Süddeutschlands an Rhein und Donau wie etwa Mainz, Worms, Straßburg oder Regensburg konnten ihr Dasein schon an römische Vorläufer oder Militärlager anschließen. Frühmittelalterliche Stadtgründungen entwickelten sich aus Bischofspfalzen, Klöstern oder Wallfahrtskirchen. Für Gunzenhausen muss man eine so frühe Stadtgründung trotz des einst hier befindlichen Römerkastells und eines Klosters, das 823 der Abtei Ellwangen unterstellt wurde, ausschließen. Gunzenhausen gehört in die große Welle der hoch- und spätmittelalterlichen Stadtgründungen. Diese sind vielfach nicht alle kontinuierlich aus vorangehenden dörflichen Siedlungen im Laufe der Jahrhunderte gewachsen, etwa getragen durch die städtefördernde Kraft des Verkehrs; auch nicht aufgrund eines Beschlusses des Stadtrates, der dazumal in der heutigen unabhängigen Form noch gar nicht existierte. Der Anstoß, mit der Absicht eine Stadt zu errichten, ging in erster Linie von einem Mächtigen aus, der an der Altmühlfurt oberster Herrschaftsträger war. Im frühen Mittelalter (6.- 8. Jahrhundert) herrschte hier ein fränkischer Adeliger, dessen Verwandtschaftsgefüge und Wirkungsbereich wir nicht näher eingrenzen können. Durch die Klostergründung etwa im 8. Jahrhundert wurde das Kloster Grundherr über einen Teil des Grund und Bodens in und um Gunzenhausen. 823 ging dieser durch die Schenkung Ludwigs des Frommen an das Königskloster Ellwangen über. Wohl zu Beginn des 12. Jahrhunderts legte sich über die Ellwanger Grundherrschaft in Gunzenhausen die weltliche Schutzherrschaft (Vogtei) eines Adelsgeschlechts, wohl gefördert durch die weitgreifende Königslandpolitik der frühen staufischen Könige. In das folgende 13. Jahrhundert muss auch die Gründung der Stadt Gunzenhausen fallen. Wer ihre Gründer waren und die Ursachen, die zur Gründung führten, soll im folgenden versucht werden zu klären.

 
 
 
Fortsetzung