Der Raum Gunzenhausen im Kräftespiel territorialer Bestrebungen im 12. und 13. Jahrhundert 
 
 Woher stammte das Bamberger Kirchengut im Raum Pfofeld-Dittenheim? 
 
 

Das Bistum Bamberg wurde von Kaiser Heinrich II., dem Heiligen (1002-1024) gegen den Widerstand der Bischöfe von Würzburg und Eichstätt im Jahre 1007 gegründet und überreich von ihm ausgestattet. Vor allem altes Königsgut floss damals viel in die Bamberger Gründung. So könnte man vermuten, auch das Bamberger Besitztum in Pfofeld und Dittenheim stamme aus königlicher Schenkung, denn Pfofeld liegt dicht am Limes und in diesen Zonen entlang des ehemaligen römischen Reiches ging in der Merowingerzeit (5. - 7. Jahrhundert) viel römisches Staatsgut in Königshand über. An die Möglichkeit, Kaiser Heinrich II. könnte bei der Ausstattung seiner Bistumsgründung in Bamberg auch ehemaliges Königsgut in Pfofeld und Umgebung verwendet haben, auf dem dann Bischof Otto (1102-1139) seine Eigenkirche St. Michael in Pfofeld erstehen ließ, muss gedacht werden. In unmittelbarer Nähe lag ja das Römerkastell Theilenhofen und von dessen Lage her wäre Königsgut in fränkischer Zeit zu erwarten. Königliche Rechte waren in diesem Raum noch im hohen Mittelalter vorhanden. Vielleicht darf man da an die königliche Vogtei über Wülzburger Güter im benachbarten Langlau und Thannhausen denken, die 1248 von König Konrad IV. pfandweise an Hofmarschall Heinrich von Pappenheim gelangten (48). Auch im unweit entfernten Gräfensteinberg übergab Kaiser Barbarossa dem Domkapitel zu Bamberg unbebaute, wenig nutzbringende Plätze (Mönchswald), die dann in die Hände des Klosters Heilsbronn gelangten (49). So wäre es denkbar, dass auch in Pfofeld, Dittenheim und Gnotzheim noch königliche Güter vorhanden waren, die Kaiser Heinrich zu seiner Bistumsgründung verwenden hätte können und die dem heiligen Otto dann bei Errichtung seiner Eigenpfarrei in Pfofeld dienten. Doch wenn dies der Fall gewesen wäre, hätte sich die Zugehörigkeit der Pfofelder Kirche zu Bamberg einmal in Urkunden niedergeschlagen und die Kirche wäre bei Bamberg verblieben. Es ist also kaum zu glauben, dass ehemaliges Königsgut in den betreffenden Orten zur Gründung des Regnitzbistums verwendet wurde.
Dagegen wird schon 1127 von einem Bamberger Kanoniker namens Volkmar durch seinen Legatar (Vermächtnisvollstrecker) Otto von Dorsbrunn (bei St. Veit) ein Gut in Sammenheim an den Georgenchor der Bamberger Kirche gegeben (50). In Pfofeld, Dittenheim und Gnotzheim, wohl auch in Windsfeld und Dornhausen müssen von den dort ansässigen Edelherrn oder ihren Vorfahren vor 1122 Güter an die Bamberger Kirche geschenkt worden sein, sonst könnten die Schenker nicht in der oben angeführten Urkunde über den Ministerialentausch als freigeborene Vasallen der Bamberger Kirche erscheinen. Warum erfährt man aber dann nichts von dem weiteren Schicksal dieser Schenkungen aus den Altmühlorten? Der Grund ist wohl darin zu sehen, dass sich die Schenker die Vogtei über ihre geschenkten Güter vorbehielten und diese dadurch der Bamberger Kirche wieder bald entfremdet wurden.


 
 
(48)Wilhelm Kraft, Das Urbar der Reichsmarschälle v. Pappenheim, München 1929 S. 46.
(49) Urkundenregesten des Zisterzienserklosters Heilsbronn; Würzburg 1957 Nr. 26.
(50)Robert Schuh HOB Gunzenhausen Nr. 230.
 
 
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