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 Frühe Hamdwerker in Heidenheim 
 
 
Der früheste bezeugte Handwerker in Heidenheim war ein Steinmetz, in einer lateinischen Urkunde vom 18. April 1222 wird er Chunrad lapicida genannt (1). Er muss schon lange vor 1222 in Heidenheim ansässig gewesen sein und könnte beim Bau des romanischen Teiles der Klosterkirche, den man etwa um 1200 als abgeschlossen annimmt, noch mitgewirkt haben. Dass er schon vor 1200 im Ort Heidenheim anwesend und mit den kirchenrechtlichen Zuständen dieser Gegend vertraut war, darf man wohl dem Umstand zuschreiben, dass er zusammen mit dem Zöllner Chunrad des Klosters in einem Rechtsstreit um die Zugehörigkeit der Kapelle in Pflaumfeld zur Pfarrkirche in Aha vom Abt des Klosters Heidenheim im Auftrag des Bischofs Hartwig von Eichstätt unter Eid befragt wurde (2). Wäre dieser Steinmetz erst um 1222 nach Heidenheim gekommen und hätte er womöglich einer fremden, wandernden Bauhütte angehört, hätte man ihn sicherlich nicht als Zeuge unter Eid befragt. Er muss also eine angesehene Stellung in dem Ort eingenommen haben, ähnlich wie der Zöllner Chunrad (3). Über seine Tätigkeit am Bau der romanischen Klosterkirche ist weiter nichts bekannt. Dass er wirklich als Steinmetz oder Maurer tätig war und nicht nur den Namen führte, darf man daraus schließen, dass um 1200 die Bezeichnung lapicida = Steinmetz noch kein vererbter Familienname war, sondern eine Berufsbezeichnung. Obwohl der romanische Hauptteil der Klosterkirche nach Heidingsfelder schon unter Bischof Otto von Eichstätt in der Zeit zwischen 1182 und 1196 geweiht und Wunibalds Gebeine in die neue Kirche übertragen wurden, wird man eine Beteiligung unseres Steinmetzen Chunrad (Konrad) in der Endphase der Vollendung des Gotteshauses nicht ganz ausschließen können (4). Das Handwerk der Maurer oder Steinmetze wird in Heidenheim in den folgenden Jahrhunderten nicht ganz verschwunden sein, denn um 1430 wird wieder ein Meister Hanns Steinmetz genannt, der zusammen mit Hans Marstaller von einem Garten 2 ½ Schilling Haller an das Kastenamt am Veitstag (15. Juni) reicht (5). Das Handwerk der Maurer und Steinmetze blieb auch nach der Vollendung der romanischen Klosterkirche in Heidenheim noch gefordert.
Innerhalb und außerhalb des Gotteshauses wurden in spätromanischer und gotischer Zeit Kapellen errichtet. In die Zeit um 1230 schätzt man den Bau der Walburgis-Gedächtniskapelle. In die Spätgotik fallen der Abbruch der fünfteiligen romanischen Staffelchoranlage und der Anbau des hohen gotischen Chores. An ihn schloss sich auf der Südseite die Annakapelle an. Wenn auch viele auswärtige Steinmetze aus Weißenburg, Eichstätt und sogar Nürnberg herangezogen wurden, so lebte doch wohl das Handwerk der Bauarbeiter in Heidenheim selbst weiter. Ob wir bei der Bezeichnung Steinmetz schon an einen qualifizierten Steinbildhauer oder an einen Maurer oder an einen gewöhnlichen Steinschlager denken müssen, bleibt fraglich. Alle drei Berufsbezeichnungen treten in den Heidenheimer Quellen auf. So arbeitete um 1430 ein Maurer Erhart an des Jakob Überreiters Haus im Kloster und als Meister Erhart an dem Bau zu der Lunken (Lunkenburg bei Wolfsbronn). "und soll auch einen Maurer zu ihm haben und all Knecht" (6). Leider wird nicht klar, ob Meister Erhart aus Heidenheim stammte. Es wurden sehr viele Handwerker in den Rechnungen des Klosters erwähnt, aber die Meister kamen fast alle von auswärts. Das Kloster als bedeutende Wirtschafts- und Finanzmacht zog sie alle an und so hatte der Abt eine reiche Auswahl und die fiel oft auf auswärtige Bauhandwerker, deren Geschicklichkeit sich im Lande herumsprach und von der Heidenheimer Bauhandwerker angeregt werden konnten.

Frühe Handwerker im Meierhof?
Neben dem Kloster als Wirtschaftsmacht und Arbeitgeber bestand im Mittelalter ein zweiter wirtschaftlicher Schwerpunkt: der dem Bischof von Eichstätt gehörige Meierhof mit angeschlossenen Hufen, Lehen und vielen Hofstätten, auf denen die "kleinen Leute" saßen, die auf dem Meierhofverband Arbeitsdienste in der Landwirtschaft zu verrichten hatten, in Zeiten, in denen sie nicht gebraucht wurden, jedoch nebenher ein Handwerk betreiben konnten. Wir haben darüber zwar keine direkten Nachrichten, aber im ältesten Eichstätter Salbuch um 1300 werden Leute genannt, die zum eichstättischen Fronhofsverband in Heidenheim gehörten und Namen führten, die auf ein Handwerk hinweisen. So erscheint um 1300 ein Hämmerlin (Hämmerlein?), ein Wagner, ein Pistor (Bäcker oder Müller), ein Faber (Bauhandwerker oder Schmied), ein Bochener (Bogenmacher?), ein Bader, ein Stehelin (Nadler?) (7). Man hat auch bei anderen früh- und hochmittelalterlichen Fronhofsverbänden beobachtet, dass dort für den landwirtschaftlichen Betrieb notwendige Handwerker wie Schmiede und Wagner unentbehrlich waren. Und so wird es auch beim bischöflichen Meierhofverband in Heidenheim der Fall gewesen sein. Die dort im Salbuch erwähnten Handwerkernamen um 1300 sind in erster Linie wohl nicht als vererbte Familiennamen zu werten, sondern als Berufsbezeichnungen (8). Diese unterschiedliche Entwicklung des Handwerks in Heidenheim wird also schon unterschwellig im 13. Jahrhundert erkennbar, wohl begünstigt auch durch den alten Markt, der zehnmal im Jahr abgehalten wurde und schon vor 1200 bestand, da zusammen mit dem Steinmetz Chunrad auch schon ein Zollner Chunrad am Kloster, dem Marktherrn, tätig war. (9).

Berufsnamen in den Salbüchern um 1400
Ab den Jahren um 1400 fließen die Quellen über Heidenheimer Einwohner aus den Salbüchern des Klosters und aus dem Urbar des Burggrafentums Nürnberg reichlicher. (10). Doch ist nun Vorsicht geboten. Die Berufsbezeichnungen sind nun zu erblichen Familiennamen geworden, aber über das Handwerk in Heidenheim können sie doch noch begrenzte Aussagen machen. Nicht jeder, der mit dem Familiennamen Schneider in den alten Schriften um 1400 genannt wird, war auch als Schneider tätig. Doch ist es möglich, dass noch um 1500 vom Schreiber die Berufsbezeichnung vor dem Familiennamen bevorzugt wurde. Wenn 1391 von "des hinkenden Schneiders Haus an dem Fur (Furt) gelegen" die Rede ist, so darf man wohl annehmen, dass hier ein Handwerker Schneider in Heidenheim tätig war (11). Der Besitzer dieses Hauses hatte wohl ein Beinleiden und war zu schwerer körperlicher Arbeit in der Landwirtschaft nicht fähig und erlernte so das Schneiderhandwerk. Noch heute nennt man im Volksmund einen körperlich schwachen Menschen einen Schneider und im manchen Märchen wird vom klugen, tapferen und lustigen Schneiderlein berichtet. Das Schneiderhandwerk war auch um 1400 in Heidenheim zahlreich vertreten, wenn es stimmt, dass 1391 noch des "Ullen Sneiders Haus" oder 1430 ein Heinz Kifferlein von "Fritzen Sneiders Garten" Abgaben leistet. Neben diesem erscheinen um 1430 noch ein Jerg (Georg) Schneider, und ein Hans Schneider. Ein Rötschneider gibt um 1400 von des Zinserlens Hofstatt 14 Denar am Veitstag. Ein Ullen Schneider wohnte um 1400 "underhalben gen der Padstuben". Neben den Schneidern, die vom Zuschneiden des Stoffes ihre Berufsbezeichnung erhielten, war das Handwerk der Hausweber in Heidenheim schon früh vertreten. Der Weber Hans Suffinger gibt um 1400 von des Fritzen Schedels Hofstatt "an dem Furt am Pach" 7 Schilling an St. Veitstag, der Pfotenweber von des Flucken Hofstatt am Götzengraben 9 Schilling. Dem Weber Fritzen Tosler gab der Abt 1429 10 liber und 7 Denar für Gewebtes. Trotzdem das Weberhandwerk in Heidenheim arbeitete, bezog der Abt 1429 noch Gewirktes von den Webern zu Wassertrüdingen.

Schmiede und Wagner im Meierhof und Kloster
Darüber steht im Rechnungsbuch des Abtes um 1430: "Ich hab bestellt Hansen Smid den penteisen und gib ihm 10 liber Währung und 10 metzen Herbays (wohl Aerbeys = Erbsen) und all Suntag 6 Brot. Und wenn er Eisen hinnen (im Kloster) holt, so gib ich ihm Brot, als gewöhnlich ist, und gib ihm 6 Ellen Schürprantz (mhd. Schürbrant = ein Kleiderstoff) zu einem Rock und hat die Schmiedwiesen von mir, die führ ich ihm zu Haus und laß ihm führen 4 Fuder (Fuhren) Holz und 1 Kohlfahrt. Laß ihm säen 2 Achtel Lein (Flachs) und leih ihm den Garten als ihn der Smied vor hot gehabt und was man den andern Amtleut geit (gibt), von Wein und von Bier und zu welchen Zeiten , das gib ich ihm zu gleicher Weis und wenn er den Pferden lit (dient, kastriert), so gibt man ihm 1 Maß Weins" (12). Der Schmied, der "Hansen penteisen", der hier um 1430 für das Kloster arbeitete, dürfte wohl gleichzusetzen oder verwandt sein mit dem im Urbar der Burggrafen genannten Hans Behendeisen, der von seinem Haus, das in den Meierhof gehörte, 1 Fastnachthenne geben musste (13). Er scheint ein geschickter Schmied gewesen zu sein, denn er führte den Beinamen Behendeisen, wohl von dem mittelhochdeutschen Eigenschaftswort behende = "mit Geschick zu brauchen, passend, geschickt, schnell". Wenn man noch nach dem Ersten Weltkrieg (1914-18) die Bauern belauschte, wie sie über ihre Dorfschmiede im Wirtshaus urteilten, wird man diesen Beinamen "Behendeisen" verstehen. Dieser Mann war wohl nicht der einzige Schmied im Markt Heidenheim, denn in den Quellen um 1400 treten Namen auf, die auf das Material hindeuten, mit dem die Schmiede arbeiteten: Eisen. So wird ein Fritz Eisen um 1430 erwähnt, der von des Renners und Grantwerren Hofstatt 1 Herbsthuhn, 1 Schilling zu Weihnachten, 1 Fastnachthuhn, 1 Schilling zu Ostern und 20 Denar Viti (am Veitstag) an die Herrschaft reicht (14). Ob man auch den Oswalt Seltensmid, der um 1430 von einer Hofstatt und von 1 Garten Abgaben reicht, als tätigen Schmied ansehen darf, ist nicht sicher zu entscheiden. War er ein Schmied, der auf einer Selde, einem Kleingut, saß, oder verbirgt sich dahinter vielleicht ein Spottname :einer, der selten schmiedet?
Die Versorgung der Schmiede mit Halbfertigerzeugnissen im Raum Hahnenkamm und Ries scheint im 15. Jahrhundert gesichert gewesen zu sein. Die Schienen und Stangen kamen mit Fuhrwerken aus den Hammerwerken der Oberpfalz, dem "Ruhrgebiet des Mittelalters", zu den Eisenhändlern nach Nürnberg. Dort wurde ein großer Teil von der hoch entwickelten Metallindustrie dieser Stadt selbst verarbeitet. Der andere Teil gelangte von Nürnberg über Gunzenhausen auf die Nördlinger Messe und wurde dort von den Händlern im süddeutschen Raum verkauft. Bei Besuch der Messe konnten sich die Schmiede in Nördlingen mit Eisen eindecken (15). Der Abt des Klosters Heidenheim Wilhelm von Vestenberg (1427 - 1446) stand aber selbst mit dem Nürnberger Eisenhändler Ortwin in Geschäftsverbindungen. Bald schickte der Abt seinen Baumeister Thoma mit Fuhren Getreide nach Nürnberg, bald fuhr er selbst zum Heiltum dahin (16). Doch der Ortwin schickte auch Eisen mit in Nürnberg anwesenden Fuhrwerken nach Heidenheim heraus. Das alles steht im Rechnungsbuch des Abtes geschrieben wie z. B.: "Item Ortwin hat mir geschickt an dem Dunderstag nach St. Laurentzentag (10. August) 6 Deichelschien zu 4 Groschen. Item und 24 Auflagschien zu 13 Denar. Item dornach hot er herausgeschickt 12 Radschien und 15 Werkschien bei dem Hemel. (17). Item Thoman Baumeister hot gerechnet von unser wegen mit dem Ortwin zu Nürnberg um all Sach und Schuld, nichts ausgenommen, und bleiben ihm noch schuldig 19 Gulden und 14 Groschen" (18). Ferner wurden an Fertigwaren von Nürnberg bezogen: für Stahl 48 Denar, Nägel für 33 Denar, ein Plattschloss für die Gartentür, Pflugscharen, Hufeisen, und Schaufeln. Für eine Spezialisierung des Schmiedehandwerks in Heidenheim lassen sich im 15.Jahrhundert keine Nachrichten finden. Ursprünglich wurde die Bearbeitung von Eisen allein von den Schmieden ausgeführt. Mit zunehmender Spezialisierung entwickelten sich Teilgewerbe der Eisenverarbeitung heraus. Noch heute ist in Heidenheim der Hausname Schlosser verbreitet, wohl ein Hinweis dafür, dass einst spezialisierte Metall verarbeitende Handwerker in dem Ort tätig waren. Wie schon der Berufsbezeichnung Schlosser zu entnehmen ist, waren diese Leute vorwiegend mit der Herstellung von Schlössern aller Art beschäftigt, was bisweilen allerhöchste Schmiedekunst bedeutete. Für das 15. Jahrhundert findet sich allerdings noch kein Hinweis auf einen in Heidenheim ansässigen Schlosser. Der Abt bestellte diese spezialisierten Handwerker aus Nördlingen und Oettingen. Auch im Salbuch des Oberamtes Hohentrüdingen aus dem Jahre 1535 findet sich für Heidenheim keine Berufsbezeichnung Schlosser.
1535 wird ein Nadler genannt: "Hans Edelmann gibt (an das Kastenamt) 2 Metzen Habern, Weißenburger Maß, von seinem Haus und Garten zwischen Hansen Himmelseher und Hansen Schneider, Nadler, gelegen" (19). Ob dieser Hansen Schneider selbst Nadeln hergestellt, oder nur mit ihnen gehandelt hat, wird nicht ersichtlich. Eine eigene Nadelfertigung ist nicht auszuschließen, denn das Handwerk der Nadler war schon seit alter Zeit in dem Raum Monheim - Pappenheim, Weißenburg, in Langenaltheim, Rögling, auch in Utzwingen und Utzmemmingen im Ries verbreitet (20). Schon vor dem Dreißigjährigen Krieg (1618 - 1648) scheint das metallverarbeitende Handwerk in Heidenheim geringfügig spezialisiert gewesen zu sein. Aus den Sterberegistern ist zu entnehmen: "Niclas Piner, der Hufschmied, zu solcher Zeit (1632 ) neben anderen ehrlichen Leuten entwichen und doch auf dem Kohlberg vor dem Holz erschossen, auch daselbst begraben worden, weiln die Räuber Tag und Nacht gehauset" (21). 1634 wurde Hans Piner, Messermacher, von den kaiserlichen Plünderern am Kohlberg erschossen.
Zu den Schmieden als frühen Handwerkern gesellten sich auch die Wagner. Ihre bevorzugte Tätigkeit bestand, wie schon der Name sagt, in der Fertigung von vierräderigen Wagen in veränderbarer Gestalt als Mist-, Strohwagen zur Erntezeit und allgemeines Transportfahrzeug. Ihre Herstellung erforderte höchstes Geschick, weshalb sie auch so teuer zu stehen kamen. Ein Seldner (Kleinbauer) konnte sich zu dieser frühen Zeit kaum ein Gespann und einen teuren Wagen leisten. Neben wenigen vierräderigen Wagen als Mehrzweck-Fahrzeuge waren auch zweiräderige im Gebrauch und wurden von den Wagnern gefertigt. Man nannte sie Karren. Die Knechte, die mit solchen Karren fuhrwerken mussten, nannte man dazumal Karrenknecht. Da heißt es z.B. im Rechnungsbuch um 1430: "hab gedingt den Schottenwolf zu einem Karrenknecht, gib ihm zu Lohn 2 Gulden, ein Rock, zwei Schuh, ein Hemd; soll der Pferd warten und führen, was not ist" (2). Die Karren galten gegenüber den vierräderigen Wagen als geringerwertige Fahrzeuge. Das kommt heute noch zum Ausdruck, wenn wir von einem Auto als "alten Karren" sprechen. Die Wagner fertigten im Mittelalter nicht nur Wagen aller Art, sondern auch landwirtschaftliche Geräte aus Holz wie Pflüge, Eggen, Schubkarren, Stiele für Beile, Hacken und Schaufeln aller Art. Schmiede und Wagner waren unentbehrliche Handwerker in der Landwirtschaft. Sie standen Jahrhunderte lang in hohem Ansehen. Ein Mann mit der Berufsbezeichnung Wagner wird schon in Heidenheim um 1300 genannt. Er gehörte zum Meierhof und wird dort für die Wägen zuständig gewesen sein. 1429 finden wir in Heidenheim einen sicher bezeugten Wagner: "Item an Mitwochen nach dem Suntag quasi modo geniti gab ich dem Wagner 8 Groschen, wollt er gen Nurnberg zum Heiltum" (23a). Ein Eintrag aus dem Jahre 1430 lautet: "Item der Wagner ist gedingt und sein Lohn ist: vom ersten gibt man ihm Getreid 10 Metzen lauteres Korns, 4 Metzen Haberns, 4 Metzen Dinkel, 2 Achtel Erbsen, 2 Achtel Kern, 4 Achtel Habermehl, 4 Fuder (Fuhren ) Holtz, 1 Fährtlein Rüben, 1 Fuder Heu, 1 Beet zu kraut und 32 liber Geld, 1 Paar Schuh, das Häuslein und den Garten. Item er soll machen zu vier Menen (Ochsengespannen), was not ist von Wägen und Strohwägen" (23b).

Büttner, Häfner und andere
Zu den Holz verarbeitenden Handwerkern zählten auch die Büttner, in Norddeutschland auch Böttcher genannt. Andere Bezeichnungen waren dafür Fassbinder oder Schäffler. Ein Eintrag in das Urbar des Burggrafentums Nürnberg um 1430 lautet: "Pütner von des Clampen Hofstatt (gibt) 1 Fastnachthenne". Es ist für diese Zeit schwer zu entscheiden, ob der Schreiber des Urbars bei diesem Pütner wirklich einen Büttner meinte, der seinen Beruf ausübte, oder einen Mann, der nur den vererbten Familiennamen Pütner führte. So wie es den Anschein hat, existierte um diese Zeit (1430) kein Büttner als Handwerker in Heidenheim. Der Abt bestellte von dem Büttner von Geilsheim und von Weißenburg: "soll machen ein groß Faß wie die vorigen und soll machen 4 Kufen zu Kraut und 4 Fischfaß, auch all ander Arbeit klein und groß im Kuhhof, Ziegelhütten, Pfister (Bäckerei) und in das Bad, wo es not tut". Der Bedarf an Kübeln, Kufen und Fässern konnte auch an den Heidenheimer Märkten gedeckt werden. Sicher bezeugt wird auch ein Büttner erst um 1535. Und ebenfalls im Jahre 1535 gibt ein Hans mit dem schönen Familiennamen Himmelseher 2 Metzen Hafer, Weißenburger Maß, von seinem Haus und Gut, zwischen Hansen Edelmann und Hansen Franz, pütner (25).
Gefäße aller Art produzierten im Mittelalter vor allem die Hafner. Ob schon in der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts ein Hafner in Heidenheim arbeitete, bleibt fraglich. Es wird zwar um 1430 "Haffners Haus an dem Götzengraben" erwähnt, das 1 Fastnachthenne zu geben hat, aber ob dort auch ein Hafner tätig war, ist nicht sicher. Ebensolche Unsicherheit über das Dasein eines ansässigen Hafners in Heidenheim spricht aus einem Eintrag in das Hohentrüdinger Salbuch 1535, wo im Jahre 1566 ein Paulus Hefener (Hafner) 25 Denar und 1 Fastnachthenne "von seinem Haus und Hofstatt, so neulich erbaut worden anno 1566 im Krechelberger Viertel" berichtet (26). Ein tragisches Schicksal hatte ein Heidenheimer Töpfer im Winter 1645 zu ertragen: "Balthes Weber, ein Ratsbürger und Töpfer-Handwerksmann ging am 3. Dezember früh mit seinem Schlitten nach Berolzheim, um daselbsten etwas Häfen zu holen. Ist auch mit den Häfen ein ziemlich weiten Weg zurückkommen. Doch bei dem Propstlöhlein den Schlitten mit den Häfen hinter einen Busch geführet und er zu matt gewesen und willens gewesen, vollends hereinzugehen. Ist aber von der Nacht übereilt und von der Kält überwältigt worden, gefallen und den dritten Tag unter dem Gericht (am Galgenberg an der Degersheimer Straße) auf des Apothekers Acker tot gefunden und am 2.ten Sonntag Advent begraben worden, war alt 49 Jahr" (27 ). Es bleibt also im Dunkeln, ob das Hafnerhandwerk schon im 15. Jahrhundert durch einen selbständig arbeitenden Meister vertreten war. Der Abt Wilhelm von Vestenberg (1427 - 1446) bezog sein vornehmes Geschirr von 60 zinnernen Tellern und 3 Pfannen und 40 roten Tellern aus Nürnberg (28). Gewöhnliches Gebrauchsgeschirr kaufte er von dem Hafner zu Hohentrüdingen und von dem Hafner zu Wemding (29). Häfen, Schüsseln und Töpfe konnten auch von hausierenden Häfnern auf den Jahrmärkten in Heidenheim bezogen werden. Von einem sicher bezeugten, selbständig arbeitenden Hafner wird erst mit Simon Stahl das Hafnerhandwerk in Heidenheim zu größerer Bedeutung empor geführt. Er kam als Exulant nach dem Dreißigjährigen Krieg nach Heidenheim und begründete hier die Hafnerfamilie Stahl, an die in der Hohentrüdinger Gemarkung, nahe der Grenze zu Heidenheim, noch lange der Flurname Stahlsacker erinnerte (30). Das waren Nachrichten über die erkennbaren und wichtigsten frühen Handwerker in Heidenheim. Überblickt man die Namen der Heidenheimer Bürger, die in den alten Schriften des 15. und 16. Jahrhunderts genannt werden, so stellt man fest, dass darunter sehr viele Berufsnamen erscheinen. Da die Erblichkeit der Familiennamen sich zu dieser Zeit noch nicht überall durchgesetzt hat und die Schreiber mit Vorliebe den Berufsnamen eintrugen, könnte man zu der Überzeugung kommen, dass schon im 15. und 16. Jahrhundert noch andere Handwerker ansässig waren. Von den Schustern und Schneidern, aber auch von einem Gerber darf man das mit Sicherheit annehmen. Ebenso von den Bäckern (Beck) und Metzgern (Fleischmann). Die Weber waren fast in jedem Ort im Hahnenkamm zu Hause. 1535 gibt ein "Matthes Hueber, Schwarzfärber, 25 Denar Dienstgeld am Michaelistag und 1 Fastnachthenne und von des Matthes Pecken Lehen jährlich 15 Denar und 1 Fastnachthenne und einmal gibt er von seinem Farbhäuslein" (31). Wenn das frühe Handwerk in Heidenheim auch nicht so differenziert sein konnte, wie in den nahen Städten Gunzenhausen, Weißenburg, Wemding, Oettingen und Wassertrüdingen oder gar Nördlingen, so darf man doch annehmen, dass es für Heidenheim einen wichtigen Wirtschaftsfaktor bedeutete. Freilich fast jeder hatte zu seinem Handwerk noch ein wenig Landwirtschaft, ein Wieslein zur geringen Viehhaltung, ein Äckerlein zur Sicherung des täglichen Brotes. Die frühen Handwerker in Heidenheim führten ein Leben in Armut und Bescheidenheit, aber sie waren sicherlich zufriedener als wir modernen Menschen einer ständig sich steigernden Erlebnis- und Spielgesellschaft.
 
 
  Anmerkungen:

  1. Heidingsfelder, Regesten der Bischöfe von Eichstätt, Nr. 597.
  2. a.a.O. Nr 597
  3. a.a.O. Nr. 597. Der Zöllner hatte nicht den Straßenzoll, sondern die Standgelder (Marktzölle) einzusammeln und das Marktgeschehen zu überwachen.
  4. Heidingsfelder, Regesten Nr. 501 (43).
  5. Urbar des Burggrafentums Nürnberg aus der 1. Hälfte des 15. Jahrhunderts, F. 37 r.
  6. Staatsarchiv Nürnberg, Rep. 165a Nr.707, S. 69.
  7. St.A. Nürnberg, Ältestes Eichstätter Salbuch 1297 - 1302.
  8. a.a.O. unter Heidenheim.
  9. Heidingsfelder, Nr.597.
  10. Urbar des Burggrafentums, Nürnberg und St.A. Nürnberg, Rep. 122, Nr. 53.
  11. St.A. Nürnberg, 165a Nr. 697 unter Heidenheim.
  12. St.A. Nürnberg, Rep. 165a, Nr. 707
  13. Urbar des Burggrafentums Nürnberg, fol. 37 r.
  14. a.a. O., fol. 36 r.
  15. Rudolf Endres, Die Nürnberg - Nördlinger Wirtschaftsbeziehungen im Mittelalter, Bd. 11, S. 122 ff.
  16. Heiltum nannte man in Nürnberg ein Fest, an dem der Reliquienschatz der Stadt dem Volk gewiesen wurde.
  17. St.A. Nürnberg, Rep. 165a, S. 41.
  18. a.a.O. S.41.
  19. St.A. Nürnberg, Rep. 122, Nr. 59, S. 48.
  20. Wilhelm Kraft, Die Nadelherstellung im Raum Monheim - Pappenheim - Weißenburg in Jahrbuch für fränk. Landesforschung, Bd. 25/1965, S. 209 - 271.
  21. Pfarrarchiv Heidenheim, Sterberegister 1632, Nr.55.
  22. a.a. O. 1634, Nr. 88.
  23. St.A. Nürnberg, Rep. 165a, Nr. 165a, Nr. 707, S. 96.
    23a.) a.a.O., S. 152.
  24. a.a.O.S. 103.
  25. a.a.O., Rep. 122, Nr.59, S. 48.
  26. St.A. Nürnberg, Rep. 122, Nr. 59, S. 48.
  27. a.a.O., Nr. 59, S. 86/87.
  28. Pfarrarchiv Heidenheim, Sterberegister 1645, Nr. 22.
  29. St.A. Nürnberg, Rep. 165a, Nr. 707, S. 51.
  30. a.a.O., S. 28.
  31. Ingolf Bauer, Treuchtlinger Geschirr, Deutscher Kunstverlag 1971, S.56, Anmerkung 110.
 
 
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