Heidenheim von A - Z 
 
 Der Klosterfriedhof 
 
 
Das Kloster Heidenheim verfügte über das Beerdigungsrecht und einen eigenen Friedhof, in dem nur jene Leute bestattet wurden, die zum Kloster gehörten. Die schriftlichen Zeugnisse darüber sind zwar sehr dürftig, aber in einem Verzeichnis der Marktzolleinnahmen aus dem 15. Jahrhundert steht geschrieben, dass die Standgelder für die Verkäufer auf dem Markt nur die Hälfte dessen betrugen von dem, was unter dem Rathaus und auf dem Friedhof gefordert wurde. Z.B.: "Item von einem Karren Brot 1 Denar (auf dem Marktplatz) und unter dem Haus (Rathaus) 2 Denar. Und in dem Kirchhof 2 Denar. Item welche Häfen (Geschirr) oder Schaff (Schäffer) feilhaben, 2 Denar in dem Kirchhof". Hier ist nicht der auf dem Krächelberg bei der ehemaligen Sankt Walpurgis-Pfarrkirche abgelegene Pfarrfriedhof gemeint, sondern der unmittelbar an den Marktplatz anschließende Klosterfriedhof zwischen dem Rathaus und der Klosterkirche. Heute führt dort die verkehrsreiche Straße vorüber; Lindenbäume beschatten die Ruhestätte der Toten längst vergangener Jahrhunderte. Dort muss vor der Reformation der Klosterfriedhof gelegen haben, unmittelbar dem Marktplatz benachbart. Dies geht nicht nur aus den wenigen schriftlichen Zeugnissen hervor, sondern auch aus den vielen Knochenfunden, die anlässlich der Kanalisation in den sechziger Jahren des 20. Jahrhunderts an dieser Stelle zutage traten. Dieser Friedhof lag also an einer wirtschaftlich gesehen günstigen Stelle. Die Marktbesucher, die an den zehn Markttagen im Jahr aus dem Hahnenkamm und aus seinem fruchtbaren Vorland (Altmühlniederung) nach Heidenheim strömten, betrachteten es geradezu als religiöse Pflicht, auch die Gräber der Heiligen Wunibald und Walburgis, zu besuchen. Sie mussten auf ihrem Weg dorthin durch den Klosterfriedhof, um in die Klosterkirche gelangen zu können. Diese Situation nutzte der Abt, um den in dem Friedhof anwesenden Händlern höhere Standgelder abfordern zu können. Wir empfinden es heute als merkwürdig, dass in einem Friedhof unmittelbar an der Ruhestätte der Toten gehandelt und geschachert werden konnte. Doch nach Norbert Ohler; "Sterben und Tod im Mittelalter" war damals der Friedhof ein Mehrzweckraum. Trotz kirchlicher Verbote fanden auf den Friedhöfen Märkte und Ausstellungen statt. Als in der Reformationszeit die Personalpfarrei des Klosters mit der Marktpfarrei St. Walburg auf dem Krächelberg vereinigt wurde, muss der Klosterfriedhof aufgelassen worden sein. Dies geschah wohl spätestens nach 1551, als die Pfarrkirche Sankt Walburgis auf dem Krächelberg abgebrannt war und die leer stehende Klosterkirche nun evangelische Pfarrkirche wurde. Der jetzige alte Friedhof auf dem Krächelberg wurde nun gemeinsamer Friedhof für alle Leute in Heidenheim.
 
 
Fortsetzung