Heidenheim von A - Z 
 
 Straßenverlauf im Kerngebiet von Heidenheim 
 
 
Der Verlauf der Straßen im Kerngebiet von Heidenheim erklärt sich aus den geschichtlichen Grundlagen. Da der Siedlerhof als Urzelle der klösterlichen Niederlassung in Heidenheim ein rechtlich und wirtschaftlich geschlossener Bereich war, erscheint es verständlich, dass in alter Zeit keine öffentlichen Straßen und Wege diesen Raum passieren sollten. Die Fernstraße von Dinkelsbühl über Wassertrüdingen, Geilsheim und Ostheim kommend, biegt daher an der Furt und besonders beim heutigen Gebäude der Sparkasse nach Osten aus, erklimmt die Höhe beim Bergkindergarten und fällt zum Marktplatz hinab, und von dort über den Krächelberg nach Degersheim und nach Treuchtlingen weiterzuziehen. Heute ist das allerdings anders. Nun meidet dieser Verkehrsweg den Steilanstieg bei der Sparkasse und durchschreitet den alten Friedensbezirk des ehemaligen Siedelhofes, biegt an der Klosterkirche zum Marktplatz ein und verlässt ihn an dessen Südostecke über den Krächelberg in Richtung Degersheim. Dieser Zustand konnte erst erreicht werden, als das Kloster aufgehoben und der Wirtschaftshof (Bauernhof) im 17. Jahrhundert verschwunden war. Für diese neue Straßenführung vorbei an dem Gebäude der Verwaltungsgemeinschaft (ehemals Schulhaus), Dekanat und Klosterkirche zum Marktplatz findet sich im Urkataster um 1833 der Name "Neuer Weg". Das ist ein Hinweis dafür, dass diese Verkehrsverbindung erst lange nach der Auflösung des klösterlichen Wirtschaftsbetriebs entstanden sein muss. Heute ist der so genannte "Neue Weg" verkehrsreichster Straßenzug von Heidenheim. Er konnte diesen Rang allerdings erst erreichen, als in den fünfziger Jahren des 20. Jahrhunderts das alte Schulhaus gegenüber dem Dekanat abgebrochen und die dortige scharfe Kurve entschärft wurde. Durch die ehemalige Klosterstille und den Friedensbereich des Siedelhofes dröhnt nun heute der Verkehrslärm der neuen Zeit. Mit der neuen Zeit begann auch im 19. Jahrhundert die dichtere Bebauung des ehemals weiträumigen Siedelhofes. 1682 steht geschrieben: "Simon Schleiger, Wagner, hat ein Hauslehen, liegt im so genannten Siettlhof, deswegen solches dem Klosteramt vogt-, zins-, handdienst- und steuerbar. Sonsten liegen nachfolgende Häuser im Siettelhof, so ohne Mittel ins Kloster gehören auch vom Kloster im baulichen Wesenn erhalten werden müssen als:
Das Rathaus, das Pfarrhaus, wobei ein Stadel, Backhaus, Holzschuppen und Garten, Kaplaneihaus, wobei ein Stadel und Garten. Die Oblei, ein ganz steinern Haus, worin der Übbereiter wohnt".
Auch die Stelzengasse nahm in alter Zeit Rücksicht auf den Friedensbereich des Siedelhofes. Sie zog ziemlich gerade von der ehemaligen Furt bei der Metzgerei Birklein in südlicher Richtung am westlichen Rande des Siedelhofes dahin, eine Linie, die noch heute besteht und die wohl wenig bebaut war. Die südliche Begrenzung des Siedelhofes bildet die Pfarrgasse, die von der Stelzengasse zum Marktplatz führt. Der Name Pfarrgasse freilich ist wohl erst später gebräuchlich geworden, als nach Auflösung des Klosters der Sitz der Pfarrei vom Krächelberg (bei der Walburgiskirche) in die Nähe der ehemaligen Klosterkirche verlegt wurde, die erst nach dem Brand der Walburgiskirche im Jahre 1551 oder 1552 alleinige Pfarrkirche von Heidenheim wurde. Obwohl wir keine Grenzbeschreibung des Siedelhofes besitzen, lässt sich seine Lage und Ausdehnung aufgrund der Straßenführung und der alten Bezeichnung "im Kloster" festlegen.
 
 
Fortsetzung