Heidenheim von A - Z 
 
 Tore und Torwart 
 
 
Darüber stehen im Salbuch des Klosters Heidenheim um 1400 folgende Bemerkungen:
  • "Item des Arbeysmeiers Hofstatt vor dem Tor gelegen auf dem Buck an dem Krächelberg (gibt) 16 Denar Viti (am St. Veitstag) und 1 Schilling Haller zu Weisat und 1 Fastnachthuhn" (1).
  • "Item Peter Mändlen von des Erharts Becken Hofstatt, gelegen inwendig bei dem Tor gen dem Krächelberg gibt 6 Schilling Haller zu Weisat und 1 Fastnachtshuhn" (2).
  • "Item das Gottshaus hat auch die Würdigkeit und Recht, daß es von Anfang und Alter von Päpsten, Kaysern und Kiüngen (Königen) gefreit ist. Also wer mit seinem Leib oder Gut her in des Gottshaus Tor und Ettern fleucht und kummt, daß des selben Leib und Gut sicher und frei soll sein vor allermänniglich" (jedermann) (3).
  • "Auch hat das Gottshaus hie die Recht, wer in den Toren und Ettern des Gottshaus Siedelhof sitzet und wohnt, der selb sitzet frei" (4).
Wer diese Nachrichten über Tore in Heidenheim liest, könnte zunächst zu der Meinung gelangen, Heidenheim oder zumindest der Klosterbereich, sei im Mittelalter mit einer Mauer umgeben gewesen, wie etwa viele kleine Städte in Franken und Schwaben. Das war aber nicht der Fall. Von einer Ummauerung des Ortes und des Klosters zum Zweck der Verteidigung ist in schriftlichen Quellen, auch nicht im archäologischen Befund etwas zu finden. Zwar war der Markt Heidenheim seiner Verfassung nach weitgehend an städtische Verhältnisse angenähert, aber es fehlte die Ummauerung. Dass es nicht zu einer Stadtgründung mit Graben und schützenden Mauern kam, lag wohl daran, dass das Kloster mit seinen 46 freien Hofstätten schon früh gefreit war. Eine Stadtgründung hätte wohl vom Vogtherrn ausgehen und vom König genehmigt werden müssen. Doch dazu kam es nicht. Die weiträumige Anlage der Altsiedlung zu befestigen, hätte zudem einen erheblichen Aufwand an Baukosten und Arbeitsleistung erfordert und einen Eingriff in die Freiheit des Klosters bedeutet. Wenn um 1400 von Toren die Rede ist, so darf man hier nicht an ein Stadttor denken, das den Zugang zu einem ummauerten Raum ermöglicht, sondern mehr an eine Art Gartentor oder Hoftor, wie sie früher vor landwirtschaftlichen Anwesen vorhanden waren. Mit dem Begriff Tor wird hier in Heidenheim ein Eingang bezeichnet, der in einen Rechtsbereich hineinführt, in dem der Abt des Klosters die Hoheit ausübte. Dieser war sicherlich irgendwie markiert. Im Mittelalter waren die meisten Dörfer, um ihren eigenen Rechts- und Friedensbereich zu kennzeichnen, mit einer Hecke umgeben, die man Etter nannte. Die Grundbedeutung von Etter ist zweifellos "Grenzmittel, Grenzzeichen, Gehege". Im speziellen Sinne wird unter Etter ein geflochtener Zaun verstanden und zwar ein Geflecht lebendiger Hecken, das mit Pfählen oder Gerten verstärkt wird. In Heidenheim ist wohl hier an den Siedelhof des Klosters zu denken, an den Raum also zwischen der heutigen Ringstraße und der Stelzengasse, der als Asyl- und Rechtsraum gekennzeichnet war. Ummauert scheint nur, mehr zur Abgrenzung als zur Verteidigung, der engste Bereich um die Kirche gewesen zu sein, wie es alte Leute noch in Erinnerung haben. Um 1527 führten 4 Tore in den umhegten Siedelhof herein. Unter diesen darf man sich wohl nur Schranken vorstellen, bestehend aus zwei waagrechten Stämmen, womöglich auch mit Ettergerten verflochten, die auf einfache Art verschlossen werden konnten. Für das Öffnen und Schließen der Tore sorgte ein Torwart. Über seine Entlohnung steht geschrieben: "Item Anno 1430 hab ich bestellt Lobharten zu einem Torwart und gib ihm 6 liber (Geld) und 7 Ellen Schürbrant (Kleiderstoff) und was man Bier hot, so gib ich ihm über den andern Tag ein Seitlein Biers. In der Fasten (Fastenzeit) alltag ein Seitlein Bier" (5).
 
 
  Anmerkungen:

  1. Staatsarchiv Nürnberg, Rep. 122, Nr. 53 S. 58
  2. a.a.O., S. 58
  3. a.a.O., S. 84
  4. a.a.O., S. 84
  5. StA. Nürnberg, Rep. 165a, Nr. 707, S. 142
 
 
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