Heidenheim von A - Z 
 
 Der Marstaller 
 
 
Das mittelhochdeutsche Wort marstal bedeutet "Pferdestall". Der Marstaller war der Aufseher über den Pferdestall. Pferde wurden im Kloster Heidenheim gebraucht, weniger zur Bestellung des Ackers, auch seltener zu Holz- und Getreidefuhren am Bauhof. Dafür waren die Mehner mit ihren Ochsengespannen zuständig. Die Pferde mit ihrer schnelleren Gangart wurden zu Ritten und Fahrten über größere Entfernungen benötigt. Der Abt und seine Bediensteten waren ja nicht ständig an das Kloster gebunden. Sie mussten des öfteren Reisen in benachbarte Städte und Klöster und in die Meierhöfe zum Bauding unternehmen. Der Baumeister fuhr nach Nürnberg mit Getreide für die Bäcker; der Abt reiste zur Messe nach Nördlingen und zum Heiltum nach Nürnberg und die Bauknechte hinab nach Franken an den Main, an den Neckar und an die Tauber. Dafür eigneten sich die Pferde als Reit- und Zugtiere besser. Ihr Unterhalt erforderte allerdings größeren Aufwand. Sie standen auch viel höher im Preis, weil sie auch nicht wie die Ochsen als Schlachttiere dienen konnten. Agrarhistoriker haben errechnet, dass ein Schlachtross (Kampfpferd) im Mittelalter den Wert von 45 Kühen oder 15 Ackerpferden hatte. Solch teure Pferde wurden im Kloster Heidenheim nicht gebraucht. Pferde wurden hier im Kloster zum Teil selber nachgezüchtet. Darauf deutet der Name Fulknab für den Pferdehirten hin. So wird 1429 des Kuhhirten Wensiedels Sohn benannt. Er hütete die Fohlen, die jungen Pferde. Über seine Entlohnung steht geschrieben: "Item wir haben der Meisterlin Sohn gedingt zu einem Fulknaben anno 1435 und geben ihm zum Lohn 10 liber (Geld), einen Kittel, ein Hemd, 2 liber (Pfund) Schmerbs (Schweinefett), 2 Metzen rauhes Korn, 2 Metzen Hafer und man fährt ihm 3 Fuhren Holz". Außerdem ist in den Rechnungen dieser Jahre erwähnt, dass der Abt 3 Batzen bezahlt hat "von 2 Pferden zu verschneiden (kastrieren)". Doch wurden vom Abt auch Pferde gekauft: "Utz Stark hot mir ein schwarz Pferd geschickt bei dem langen Thomas von Nürnberg. Ist 30 Florentiner (Gulden) und macht sich uff den Herbst 4 Jahr alt". Die Anzahl der Pferde, die insgesamt im Kloster gehalten wurden, wird sieben oder acht nicht überstiegen haben. Zum Bauding auf seine Meierhöfe kam der Abt mit 6 Mitreitern geritten. Dem Marstaller war für die Pferde ein Unterknecht beigegeben. Er musste wohl, wie es früher allgemein üblich war, auch im Stall bei seinen Pferden schlafen. Über die Entlohnung des Marstallers berichtet das Rechnungsbuch um 1429: "Item ich hab den Peter gedingt hinfür auf ein ander Jahr und gib ihm zu Lohn 5 Gulden und einen Rock mit Unterzug, ein Paar Stiefel und ein Wams und 3 Metzen korn. Und was er von mir hot, das laß ich ihm zuhaus führen. Er soll auch tun, was ich heiße (befehle) wie vor, nichts ausgenommen". Er musste wohl den Abt auf seinen Ritten begleiten.
 
 
Fortsetzung