Flurnamen in Hohentrüdingen 
 
 
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  Rabenacker, mundartlich Rappaäcker Pl. Nr. 799 - 810
Der Rappenacker, wie er im Volksmund genannt wird, liegt beim Kreuthof innerhalb der Hohentrüdinger Gemarkung. Der Flurname ist auch in Heidenheim vertreten. Das Kloster besitzt um 1400 Äcker und 9 Joch Egerten "sein gelegen umb den Rappenberg". Der Name erinnert an die Rabenvögel, vor allem wohl an die Saatkrähen, die in früheren Zeiten bisweilen in Scharen zu Hunderten unsere Fluren bevölkerten, oft auch nur als Einzelgänger den Kühen- oder Ochsengespannen mit sichern Abstand hinter dem Pfluge folgten, um in der frischen Furche einen Wurm, einen Engerling, einen Käfer oder sogar eine Maus zu schnappen. Heute sind die Rappen auf unseren Feldern selten geworden. Daß die Raben zur Benennung eines Flurteiles im Volksmund herangezogen wurden, verwundert eigentlich nicht. Sie galten im Volksglauben als Künder der Zukunft, sagten oft durch ihr plötzliches Erscheinen Unglück und Tod voraus. Hexen, Teufel, böse Geister und die Seelen Verstorbener erscheinen in Rabengestalt. Ihr auffallender schreckhafter Schrei und ihr schwarzes Gefieder mochte der Anlass für solche Einschätzung gewesen sein. In Heidenheim befindet sich der Rappenbuck unweit des Galgens am Hochgericht nach Degersheim. Dass die Raben sich oft dort aufhielten und die Vorstellung bestand, die Raben witterten Leichen und gelten als Galgenvögel, mag zur Benennung Rappenberg oder Rappenbuck beigetragen haben. In den alten geschriebenen Büchern findet sich der Name Rappenacker in Hohentrüdingen nicht, wohl aber Rappenberg in Heidenheim schon um 1400.

Reisch, im Reisch Pl. Nr. 996 - 1029
Die ziemliche Geschlossenheit des alten Waldgebietes, auf dem die Veste Hohentrüdingen entstanden ist, wird auch durch die Flurbezeichnung "im Reisch" bezeugt. Der Name erscheint schriftlich erstmals 1324. Zu den Hölzern der Burg gehörten u.a. "Rische, das holtz, das Erlach daran, das zu der Speche (Speck) gehört". 1535 gehörten zum Hof des Bauern Martin Brunner (heute Hofname Bauer) 2 Morgen Holz beim Hundsacker, Anstößer "der Herrschaft Reißholz". Ein späterer Eintrag: "Ist ausgereutet" lässt darauf schließen, daß dieses Holz im Reisch 1535 schon gerodet und in Acker- und Wiesenland verwandelt war. Das Holz Reisch gehörte als Zubehör zur Burg Hohentrüdingen. Seine Grenze wurde 1535 wie folgt beschrieben: "Das Holz Reisch hebt sich an Hohentrüdinger Gemeindeviehweide "in der Kehr" an und geht neben Hansen Weffels Greut hinab bis an den Bach (heute Reischgraben) und vom Bach auf und auf bis an das Holz, das in den Hof zu Hohentrüdingen gehört und von dannen an den Wiesen hinum bis an den Hundsacker und fürter bis wieder an die genannt Viehweid".
Der Flurnamen Reisch ist wohl zurückzuführen auf das mittelhochdeutsche sächliche Hauptwort ris, das "Reis, Zweig, Stange, Baum, Reisig", aber auch "Gebüsch, Gesträuch" bedeutet. Das Reisch war also vor der Rodung einmal ein Wald, freilich kein emporgezüchteter Hochwald, in dem Stamm an Stamm stand und Krone an Krone sich lehnte, sondern Buschwald auf schwerem, wenig durchlüfteten Boden. Zum Hof des Hans Weffel gehörten 1535 4 Tagwerk Wiesen zwiemähdig am Reisch, ist zum Teil Holz, Anstößer der Herrschaft Reischholz.

Rochelein, im Rocheleinsgarten Pl. Nr. 231 - 234
Die Flurbezeichnung "im Rochelein" haftet an einer Wiese und einem daneben gelegenen Waldstück etwa 400 Meter südwestlich vom Hohentrüdinger Kirchturm an einer Hanglage am Bühl. Im Rochelein stand vor Jahrhunderten einmal ein Bauernhof. Das Obereigentum an diesem Hof gehörte der Domdekanei in Eichstätt, wie ja vor der Errichtung der Burg durch die Herren von Truhendingen im 12. Jahrhundert der gesamte Grund und Boden in der Gemarkung Hohentrüdingen der Eichstätter Kirche gehörte. Im Jahre 1281 wurde der Hof im Rochelein Gangolfshofen genannt, das heißt "Hof des Gangolt oder Gangolf". Der Bauer, der den Gangolfshof im Rochelein bewirtschaftete, hatte der Domdekanei in Eichstätt Abgaben zu erbringen. Nun beanspruchte auf einmal ein Diener des Grafen Friedrich von Truhendingen, genannt Ulrich von Wittau, die Einkünfte aus dem Gangolfshof. Es kam zu einem Rechtsstreit, der von den Richtern in Eichstätt friedlich dahin entschieden wurde: Ulrich von Wittau bekommt den Gangolfshof, muss aber innerhalb von zwei Jahren bei Weißenburg, in Dittenheim oder Obermessing ein gleichwertiges Gut nach Wahl des Domdekans zur Verfügung stellen. Das geschah dann auch und nun wurde der Gangolfshof "des Wittauers Hof" genannt. Um 1430 gibt ein Ulrich Lewiser 1 Pfund Haller am Walburgistag "von des Withauers (Wittauers) Garten". 1550 steht in einem Buch der Pfarrei Westheim über einen Zehnten: Wittemers Hof, nunmehr Nittlingers Hof genannt. 1535 besitzt Hans Sauler von Hohentrüdingen 6 Tagwerk zwiemähdige Wiesen "am Hofgarten, stößt der Kindsweiher daran am Wittauer Weg. Wann der Hof aufgegeben wurde, ist nicht zu ermitteln. Und woher stammt der Name Rochelein? Die Form im Rocheleins Garten legt nahe, daß es sich um einen Besitzernamen handeln muss und dass mit dem Besitz im Rochelein ein Gartenrecht verbunden sein musste, was für das Vorhandensein eines Hofes spricht. Rochelein scheint die Verkleinerungsform des Besitzernamens Rauch gewesen zu sein "Zum Hof eines Rauchelein, mundartlich Rochelein", so muss wohl der Hofname gedeutet werden. Dafür spricht auch ein Eintrag in ein altes Buch des Burggrafentums Nürnberg aus der Zeit um 1430: Ullein (Ulrich) Rauch gibt von einer Selden, die Witthauerin und Conraden gewesen ist, 2 Schilling Haller Weisat, 2 Fastnachtshennen, 30 Schilling Haller an Walburgis. Der Name des Bauern Rochelein, der den Hof bewirtschaftete, lag den Hohentrüdinger Bewohnern näher als der des Obereigentümers Wittauer, darum hat er sich bis heute erhalten.

Römergrund, im Remergrund Pl. Nr. 503 - 505
Geht man von der heutigen Schreib- und Sprechform aus, so wird man wohl vermuten müssen, die Flurbezeichnung "im Römergrund" erinnere an die Römer, die vor etwa 2000 Jahren auch das Land um den Hahnenkamm besetzt und zahlreiche Spuren ihrer hochentwickelten Kultur hinterlassen haben. Über viele Römerstraßen und römische Landhäuser südlich des Limes zieht heute der Pflug hinweg und reisst bisweilen Steine von im Boden verborgenen römischen Mauerwerk aus der Tiefe des Ackerbodens. Durch die Hohentrüdinger Gemarkung führte, soweit bisher bekannt, keine Römerstraße, kein römisches Bauwerk ist bisher entdeckt worden. Wohl aber zogen am Fuße des Berges Römerstraßen dahin. Römische Landhäuser wurden in Hüssingen freigelegt. In Westheim und Ostheim, in Hechlingen und Heidenheim, bei der Balsenmühle und Mariabrunn werden sie aufgrund von Flurnamen vermutet. Doch in dem bergigen Gelände von Hohentrüdingen fehlen bisher Hinweise auf eine römische Niederlassung. Auch die Römer scheinen die bewaldeten Hanglagen des westlichen Hahnenkamms unberührt belassen zu haben. In der Mitte des vorigen Jahrhunderts deutete man in der allmählich beginnenden Vorgeschichtsforschung manches Bauwerk aus dem Mittelalter als römisch. So wurde auch damals in Hohentrüdingen der heutige Kirchturm (Bergfried der Burg) für einen Römerturm angesehen. Man brachte daraufhin an der Ostseite eine Tafel an mit der Inschrift: Wartturm eines römischen Kastells aus dem 3. Jahrhundert nach Christi. Die Erinnerung an die Römer ging bei den um 400 n. Chr. beginnenden germanischen Siedlungen verloren. Man bewunderte ihre gewaltigen Straßenbauten und schrieb sie riesenhaften, vorzeitlichen Menschen, den Hünen, zu. Aus den Straßen der Hünen wurden dann im Volksmund für die in die Ferne führenden Verkehrsverbindungen der Römer Hünenstraßen oder Hühnerstraßen oder Hennenweg. An die verfallenen römischen Landhäuser, die im Gegensatz zu den heimischen, in Holz-Lehmbauweise errichteten Behausungen der germanischen Bewohner, in Stein aufgeführt waren, erinnern noch heute die Flurbezeichnungen "am hohen Stein" in Westheim, "auf der Mauer (Meiera)" bei Marienbronn, "auf der Weil" in Gnotzheim und "Weilerwiese" bei der Balsenmühle. Der Völkername Römer fand so gut wie keinen Niederschlag im heimischen Flurnamengut. Auch unser Römergrund bewahrt keine Erinnerung an die Römer. Um das Jahr 1400 ist in Heidenheim ein pergamentenes Salbuch angelegt worden, das den zum Kloster gehörigen Grundbesitz verzeichnet. Darin steht geschrieben: "Item und 1 Jauchart (Joch) Ackerland ist des Klopfullens und des Grandwerren, stoßen all auf den Romengrund". Und eine Zeile weiter heisst es: "Item des Erhart Klopfens 1 Jauchart stößt auch auf den Romengrund". Der angebliche Name Römergrund lautet also um 1400 Romengrund. Was könnte er wohl bedeuten?
Die nüchternste und überzeugendste Deutung erreichen wir wohl, wenn wir von dem mittelhochdeutschen Wort "der Ron" ausgehen, das eigentlich "umgestürzter Baumstamm" aber auch "abgeholzter Wald" bedeuten kann. Der Ronengrund wurde von den Schreibern des Heidenheimer Salbuches als Romengrund eingetragen und später in der Mundart zu Römergrund verdorben. Der Romengrund bedeutet also: "Grund, in dem Baumstämme umgestürzt wurden", sei es nun, dass Menschen sie fällten oder der Wind sie umbrach. Lassen wir auf diese Deutung die Sachprobe folgen, so wird der Sinn dieses Flurnamens offenbar. Als Römergrund werden jene Felder bezeichnet, die am Eingang in das zusammenhängende Waldgebiet zwischen Hohentrüdingen und Hechlingen liegen. Auf der linken Seite des heute für den öffentlichen Verkehr gesperrten Waldweges und dem Weg zum Kreuthof, benachbart dem Kaltenloh, ist der Römergrund eine Ackerfläche, die auf drei Seiten vom Wald eingeschlossen ist und den Eindruck erweckt, als sei sie eine Rodungsfläche, die einmal aus dem noch umfangreicheren Waldstück herausgerodet wurde. Der Boden neigt sich hier leicht nach Süden in einen Talgrund, der durch einen Quellabfluss in der sogenannten Mutzenhöll im Laufe von Jahrtausenden herausmodelliert wurde. Der Westwind rauscht hier schon Jahrhunderte über die goldenen Weizenfelder des Römergrundes, die früher auch mit Erbsen und Linsen bebaut waren. Von den alten Römern aber ist keine Spur zu finden. Nur der Volksmund hat aus dem nicht ohne weiteres verständlichen Namen Ronengrund einen Römergrund gemacht

Roter Berg
1329: gehörten zur Burg Hohentrüdingen u.a. "daz holtz zem Rotenberg".
1535: das Holz, der Rote Berg genannt
Der Rote Berg, ein Waldstück zwischen Hohentrüdingen und Hechlingen, gehörte im frühen Mittelalter zu einem größeren Waldgebiet, das zwar in dem altbesiedelten Gebiet des Hahnenkamms nicht mehr unberührt blieb, auf das aber der König noch einen Anspruch erheben konnte. Mit der Forstschenkung von 1053 durch den salischen König Heinrich III. (1039 - 1056) an Bischof Gebhard von Eichstätt gelangten die westlichen Hahnenkammwälder bis zur Rohrach hin an den Bischof von Eichstätt, der sie an seine Vasallen verlehnte. Die Edlen von Truhendingen wurden vom Bischof um 1100 mit der Vogtei über zusammenhängende Waldstücke zwischen dem heutigen Hohentrüdingen und Hechlingen beauftragt. Den geologischen Untergrund dieses Waldes bildeten vorwiegend die rötlichen und gelblichen Verwitterungssande des Eisensandsteins. Sie waren für die frühmittelalterliche Siedlung und Landwirtschaft nur von geringem Interesse, deshalb blieben sie bis in die heutige Zeit vom Wald bedeckt. Gerodet wurde in diesem Raum nur in Hohentrüdingen. Es fehlte auf dem Eisensandstein auch an Wasser. Daher darf man auch annehmen, daß der Rote Berg nicht nach einer Rodung des Waldes, sondern nach der roten Farbe seiner Gesteinsschichten benannt ist. Für die nahegelegene Altsiedlung Hechlingen mögen die Waldungen am Roten Berg im frühen Mittelalter einmal ein Weidegebiet bedeutet haben. Davon zeugt heute noch die Flurbezeichnung "in der Hard", die sich an den Roten Berg anschließt. Im 12. Jahrhundert wurde der Rote Berg Vogteibezirk der Edlen von Truhendingen als Lehen von Eichstätt. Am Rande dieses Waldes errichteten sie ihre Burg. 1535 wird er wie folgt umschrieben: "Das Holz, der Rote Berg genannt fängt am Geren (Waldstück) an und geht am Hechlinger Weg hinab und scheidet derselbig Weg des Meiers von Enhofen (Ortsteil von Hechlingen) Holz und den Roten Berg bis auf den Platz am Weg, der den Roten Berg und Hechlinger Gemeindeholz scheidet. Von dannen denselben Weg hinab und ab bis zu dem Brunnen am Weg (heute Sonnenbuckquelle), der den Roten Berg und des Meierhof Schnürlein von Hechlingen Holz scheidet und ein Weg auf der Seiten dieses Meiers Holz für und für bis Hagenbuch. Do hebt sich dasselbig Holz das zu Kunzen Steinleins zu Hechlingen Hof gehört hinumb bis an die Wiesen, die Sauerwies genannt. Von derselben Wiesen hinab bis an den Weiher. Fürbaß vom selben Weiher an den Wiesen auf und auf bis an die Hüssinger Gemeindenutzung (Hüssinger Gemeindeholz) am Weg und am selben Weg auf und auf bis zum Markstein, der die Hüssinger Nutzung und das Hagenbuch scheidet. Von diesem Stein an stracks hinab bis an das Bächlein, der Arlas genannt, do sich das Holz, die Stockach, in sich halb Baches anfängt und an der Arlas auf und auf bis an den Wiesmahd Klashausen genannt, do die Arlas den Namen verliert und den Namen "im Bach zu Klashausen " überkommt. Und am selben Bach auf und auf bis an die Wiesen, die Stockwiesen genannt. Do verliert das Hagenbuch den Namen und wird der Rotenberg genannt. Und geht an jetzt gemeldeten Bach auf und auf bis an den Romengrund an das Holz, das zum Greuthof gehört an den Markstein, der gegen den Weg, der von Hohentrüdingen geht, steht und fürter an der Propstei zu Mariabrunn Holz hinfür bis wieder an den Geren, do man angefangen hat. 200 Morgen hat dieses Holz".

Ruffinger, mundartlich Rufflinger Pl. Nr. 933-939
1535: Michael Deschner, früher Melchior Ungleich hat 1 1/2 Viertel Ruten im Ruffinger.
Der Name ist nicht klar zu deuten. Er findet sich in keinem der gängigen Flurnamenbücher. Am sinnvollsten erscheint wohl die Verbindung mit einem Personennamen Ruffinger. In Heidenheim wohnte 1400 ein Weber Hans Suffinger an der Furt am Bach. Ob hier eine Verschreibung von Ruffinger zu Suffinger vorliegt? In der Mundart wird der Name Rufflinger gesprochen.

 
 
 
Fortsetzung