Hohentrüdingen - aus der Geschichte eines Dorfes  
 
 Ein Hohentrüdinger Grenzumgang aus dem Jahre 1790 
 
 
 Actum Hohentrüdingen, Freitag den 14. Mai Anno 1790

Ist der Gemeind zu Hohentrüdingen auf gehorsames Bitten und Ansuchen der dasigen beiden Gerichten von Sr. des Herrn Rat- und Amtskastners Luzens Hochwohlgeborn, als von unserer vorgesetzten Hochfürstlich, wohllöblichen Dorfsherrschaft gütigst erlaubt worden, um die Grenz zu gehen. Dabei wir zugleich eine kleine, jedoch aber accurate Beschreibung von unserem Grenzgang verfertiget und nach unseren alten Dokumenten auf das Gehorsamste aufgesetzt, damit keiner angrenzenden Gemeinde dadurch nichts genommen und auch mit unserem Wissen von unseren alten Rechten nichts gelassen und vergeben worden ist.
Wir gingen demnach mit der Gemeinde und der dasigen Jugend aus unter dem Geleite Gottes morgens um 7 Uhr und gingen vom Dorf aus den Sandweg hinab durch die Herrschaftliche Waldung, das Eichich genannt, über den Lettenbuck und besuchten nach verflossener Zeit in 20 Minuten vom Dorf unser gleich unten an vorberegten (vorbesagten?) Lettenbuck liegendes Gemeindhölzlein, welches auf der linken Seiten vom Dorf aus an die Herrschaftliche Waldung und auf der rechten Seiten an Georg Michael Statzens zu Westheim Holz stößt, und geht auf die Hecken bei Johann Georg Huters zu Hohentrüdingen Acker hinaus.
Ungefähr 20 oder 25 Schritt hinum ist unser erster Hut- und Grenzstein zwischen der Hohentrüdinger, Roßmeiersdorfer und Westheimer Gemeinde in diesem Feldlein, das Hemetfeldlein genannt, die Hut und Weidung ihres Viehes miteinander haben. Aber über den Weg darf Roßmeiersdorf und Westheim nicht herüber.
Vierhundert und sechzig Schritt hinunter zu dem Arlaßgraben ist der zweite Hut- und Grenzstein, allwo die Hüssinger Grenz ohne weitere Bedeutung auch herabstößt. Bei diesem Stein hat die Roßmeiersdorfer- und Westheimer Grenz und Hutung hinaufwärts ein Ende.
Neunhundert dreißig Schritt von obigem Stein hinunter an den Arlaßgraben, bei dem alten Weiher hinum, welcher nicht mit eingegangen wird, weil er Gartenrecht haben solle, befindet sich wieder der dritte Hut- und Grenzstein, allwo Hohentrüdingen, Roßmeiersdorf und Westheim in dem Mittelfeldlein zur rechten Hand die Hut und Weide miteinander genießen.
Dreihundert und siebensechzig Schritt hinauf über das Feld oben am Weg ist der vierte Hut- und Grenzstein und hat gleich fünfundsechzig Schritt über den Weg hinüber den fünften Hut- und Grenzstein seinen Kameraden, über welche Steine wir weiters gegen den Weiher keine Markung noch Hut mehr zu suchen haben, aber von da aus einen Trieb mit unserer Herde ohne Weidung zu dem Weilemer Weiher wir berechtigt sein, allda unser Vieh zu tränken und 2 Stund zu stellen das Recht haben, aber nach verflossener Zeit wir mit unseren Herden wieder ohne Weidung in unsere Grenz zurückfahren müssen und allda sich nach obigen Steinen die Hohentrüdinger und Roßmeiersdorfer Gemeinden voneinander scheiden.
Zweihundert und neunzig Schritt, am Eck des Feldes bei der Bühlheck oder Gassen ist der sechste Hut- und Grenzstein, in welcher Gassen die beiden Gemeinden Hohentrüdingen und Westheim nicht nur allen den Obstgenuß, sondern auch das Holz und Weide miteinander haben.
Dreihundert fünf und zwanzig Schritt herauf auf den Bühlbuck ist der siebende Hut- und Grenzstein, allda hat Westheim ohngefähr 2 Tagwerk groß die Beihut auf unsern Bühl, das Bühlfeldlein aber so oben darauf herstößt, haben beide Gemeinden miteinander zu genießen.
Pro Nota! Nur etliche Schritt herunter, links über den Fahrweg darüben am Westheimer Feld stehet ein Stein, welchen die Westheimer Steiner vor (für) einen Grenzstein sprechen wollen, welches aber auf eine Erhebung ankommen sollte.
Dreihundert neun und fünfzig Schritt von obigen ist der achte Hut- und Grenzstein, am Hohentrüdinger Heiligen- oder Weiberacker zu finden, welcher Hohentrüdingen und Westheim mit Hut und Grenz völlig voneinander teilet.
Hundertsechs und siebenzig Schritt hinüber auf dem Bühl ist der neunte Hut- und Grenzstein von gleicher Bedeutung zu finden.
Zweihundert neunzig Schritt hinüber am Weg, wo man von Hohentrüdingen nach Westheim gehet, ist der zehnte Hut- und Grenzstein.
Hundert fünf und achtzig Schritt, noch besser hinüber über die Langen Wiesen, ohnweit des Gäßleins, ist der elfte Hut- und Grenzstein, hernach gehet es die vorderen Greuter hinum zu des Philipp Lägeleins 3 Beet-Acker, über welchen wir den Trieb mit unseren Herden haben.
Achthundert und achtzig Schritt von vorigem ist der zwölfte Hut- und Grenzstein, unten am Eck auf des Wolfs Scheins zu Westheim Geruht, allwo die Hohentrüdinger, Westheimer und Ostheimer Gemeinden zusammengrenzen, allda aber die Westheimer Gemeinde von der Hohentrüdinger abgehet und dagegen die Ostheimer Gemeinde eintritt.
Von da an gehen wir des Scheins und Statzens Geruht herauf bis zu dem ersten Herrschaftlichen Markstein des Hags, allwo wir den Trieb mit unseren Herden in die Greuter haben. Von hieran gehet unser Gang und Trieb an denen Herrschaftlichen Steinen um das Hag herum bis zur Ecken der Sebaldin-Wiesen, allwo unser Trieb hereingehet. Allda haben wir bei des Kirchenbauern zu Ostheim Holz den 14. Mai Anno 1790 bei unserem Grenzbesuch einen Anstand gehabt mit denen Ostheimer Steinern und Meier, welche uns gerne auf eine ganz subtile Art mit unserem Trieb in die Herrschaftliche Waldung so halb und halb haben verweisen wollen. Weil aber unser 119jähriger Lucken-, Trieb- und Hutbrief klar und deutlich unsern Trieb um das Hag zeiget, so sind wir auch nicht davon abgegangen, sondern unsern Trieb an denen Herrschaftlichen Markstein in des Kirchenbauern Holz fortgeschritten bis zur Ecken der Sebaldin ,welche mehr ersagte Sebaldinwiese wir, wegen unserer darauf habenden Beihut ohne Protestation der Ostheimer mit eingegangen. Der Trieb aber gehet auf dieser Wiesen von der Ecken schrägs hinauf auf des Schmiedmeister Auringers zu Hohentrüdingen Hagwieslein zu und hindurch, allwo sich ganz in der Hecken unser bei dem Hechstock (Heckstock?) stehende dreizehnte Hut- und Grenzstein befindet.
Von da bis Sine Titulo Herrn Wildmeisters Werner Hagwiesen zweiundneunzig Schritt herüber zu unsern vierzehnten Hut- und Grenzstein, bei der ehehin gestandenen großen Grenzzeichen, welche die Hohentrüdinger und Ostheimer Gemeinde gemeinschaftlich abgeholzt, wo allda unser Trieb aus- uns eingehet.
Vierzig Schritt von vorigem Stein haben wir den fünfzehnten Hut- und Grenzstein zwischen Hohentrüdingen und Ostheim gegen den Graben hinum.
Sechzig Schritt von vorigem Stein haben wir den sechzehnten Hut- und Grenzstein, welche uns beide Gemeinden wieder mit Hut und Grenz scheidet.
Sieben und vierzig Schritt weiter haben wir den siebzehnten Hut- und Grenzstein von gleicher Bedeutung.
Vierzig Schritt gegen den Graben ist wieder ein Hut- und Grenzstein. Hundert acht und Zwanzig Schritt ist der neunzehnte Hut- und Grenzstein, ein großer weißer Stein am Graben.
Von da an gehen wir vierhundert und zweiundsiebzig Schritte an dem Graben hinauf, welcher unsere Grenz bis zu dem zwanzigsten Hut- und Grenzstein scheidet und oben im Graben liegt. Von dem Stein gehen die Ostheimer die Deicht hinauf, ohne einen Grund zu haben.
Dreihundert siebenundfünfzig Schritt von diesem hohen Trieb-Stein hinum durch die Rauhgassen ist ein Stein, welcher aber nur den Markt Heidenheimer und Ostheimer Trieb bedeuten muß, da die Markt Heidenheimer, wenn sie mit ihrer Herde von ihrem Gemeindholz bei des Abel Künleins zu Hohentrüdinger Holz, jetzo das Bauernholz genannt, herausfahren auf den Bürkachespan Umschlag uns Stelle ohne Weidung vom Graben an bis an die Straße, die von der Rauhwiesen herfür gehet, haben sodann von dar an einen Trieb in der Rauhgassen neben dem Buchersbühl hinum und über den Graben, der von dem Rechenberger Feld, nur ein oder zwei Schritt unter unserem an der Neuwies (Rauhwies?) stehenden Hut- und Grenzstein, heraus uns herüber gehet, haben sie den Trieb ohne Weidung, neben dem Rechenberger Feld hinauf bis auf ihre Hut. Welche nach unserem alten Rezessbrief so 1688 durch Sine Titulo Herrn Caspar Ezel, Hochfürstlicher Ansbachischer Rat in Beisein des Ober- und all anderer Hochfürstlicher Beamten zu Heidenheim gemachte Vergleich, es besser beweiset, dass der Markt zu Heidenheim weder an der Weide noch Holz unter unserem Hut- und Grenzstein nicht das mindeste zu suchen haben. Auch haben sie nur den Trieb von ihrem Gemeindholz herunter, keineswegs aber sonsten woher. Nach diesem ist von dem Markt Heidenheim, wie auch von der Gemeinde zu Hohentrüdingen, der Ostheimer Gemeinde von der Steinglatzen herunter und die Raugassen rechts hinum auf ihren Gemeindwasen, der Breschlingberg genannt, ein Trieb ohne Weide nur aus gutem Willen nachbarlich und nichts aus Recht vergönnt und zugelassen, daher die dortige Simmerei (Siebnerei) nach der Heidenheimer und Hohentrüdinger Grenzbeschreibung und alten Dokumenten keinen Grund zu behaupten und aufbringen zu können, das Recht zu haben mit den erstbenannten beiden Gemeinden Hohentrüdingen und Heidenheim zu dem an der Neuwies stehenden einundzwanzigsten Hut- und Grenzstein zu treten.
Von diesem einundzwanzigsten Hut- und Grenzstein schreiten wir weiter fort und hart an der Herrschaftlichen Waldung, der Buchersbühl ganannt, hinum, ohne einen Grenzstein zu haben, bis an den Weg, so von Hohentrüdingen nach Heidenheim gehet. Die Herren Heidenheimer hingegen gehen vom vorberegten Hut- und Grenzstein grad hinüber an die Rauhwiesenheck, allwo sich ihr Triebstein befindet. Von da an gehen sie grad herunter an der Rauhwiesenheck und Zäune bis zu dem Stein, so unten bei dem Weg von Hohentrüdingen nach Heidenheim steht, wodurch sie weiter kein Recht als ihren Trieb, Stelle und Umschlag bei diesem Gang behaupten können. Von da an gehen sie grad herauf zu uns und gehen bei dem Hohentrüdinger Bauernholz den Heidenheimer Weg mit uns hinauf bis Ende des vorberegten Bauernholzes, dann gehen wir beide Parteien rechts zwischen diesem Bauernholz und der Meier von Heidenheim ihrem Holz hindurch bis zum Ende oft ersagten Hohentrüdinger Bauernholzes. Hernach gehen wir Hohentrüdinger grad fort und gehen das zum Hohentrüdinger Kastenamt gehörige Herrschaftliche Zeckenholz mit ein, so dass wir auf dem linken Eck des Burglöhleins hinauskommen. Die Heidenheimer aber Gehen bei dem schon öfters beregten Bauernholz rechts hinein und hinunter und kommen auf das rechte Eck des Burglöhleins hinaus, welches Burglöhlein die Herrn Heidenheimer als Beihut mit eingehen.
Pro Nota! Dass wir das zum Kastenamt gehörige Herrschaftliche Zeckenholz mit eingehen, darwider protestieren die Herren Steiner von Heidenheim. Lassen es daher auf einen amtlichen Ausspruch ankommen.
Von obiger Stelle gehen wir fort und kommen unten am Eck des Burglöhleins am Graben wieder zusammen und gehen an dem Graben, welcher unsere Grenz scheidet, unseren Faulen Wasen hinab bis zu dem gescheibelten Espan oder sogenannten Freiwasen, allwo wir zwischen unserem zweiundzwanzigsten Hut- und Grenzstein gelangen. Allda teilt sich die Gemeinde Hohentrüdingen und geht ein Teil den Freiwasen als unsere Beihut und die Kreutgassen, weil wir den Trieb hinauf haben, mit ein, der andere Teil aber gehet mit denen Herrn Heidenheimern den Graben zwischen dem Faulen Wasen und Freiwasen grad hinauf und in die Schafwiesen hinein und an dem Graben hinauf, allwo wir neunhundert Schritt von vorigem den dreiundzwanzigsten Hut- und Grenzstein bei dem Lindlein am Steinischen Weiher haben. Von da an ist wieder ein Teil von der Hohentrüdinger Gemeinde zweihundert und fünfzig Schritt eben über das Feld hinauf zu unsern in der Kreutgaßen stehenden vierundzwanzigsten Hut- und Grenzstein, um unsere Beihut einzugehen.
Dreihundert und achtzig Schritt von da hinauf zu des Dürrwangers Acker bei dem Brünnlein und Speckweiher ist der fünfundzwanzigste Hut- und Grenzstein, allda sich die Markung links auf die Kreutgassen hinausziehet.
Achtzig Schritt über das Feld hinüber ist der sechsundzwanzigste Hut- und Grenzstein.
Dreihundertdreiundvierzig Schritte hinüber in die Kreutgassen allda ist der siebenundzwanzigste Hut- und Grenzstein, dabei sich die Hohentrüdinger Gemeinde wieder geteilet und ist ein Teil bei dem Saffersbrunnen hinein, unsere Beihut einzugehen, der andere Teil aber ist wieder mit den Herrn Heidenheimer auf der Grenze fortgeschritten.
Dreihundert und achtzehn Schritt ist der achtundzwanzigste Hut- und Grenzstein auf dem Kaltenloch bei Albrecht Hubers Acker.
Vierhundert und sechzig Schritt hinauf am Eck bei des Wirt Siebentritts zu Hohentrüdingen Steinfeldlein ist der neunundzwanzigste Hut- und Grenzstein.
Hundertfünfzig Schritt hinum am Weg bei des Kreutbauern und des Beckmeisters Stöpplers Acker ist der dreißigste Hut- und Grenzstein.
Achtzig Schritt über diese Gewand hinunter zu dem Holz ist der einunddreißigste Hut- und Grenzstein. Sechzig Schritt neben dem Holz rechts hinum bei Leonhard Länglers Acker ist der zweiunddreißigste Hut- und Grenzstein. Dreihundertfünfzig Schritte an dem Holz hinunter ist der dreiunddreißigste Hut- und Grenzstein.
Achtundvierzig Schritte noch weiter hinunter am Holz ist der vierunddreißigste Hut- und Grenzstein. Und endlich dreiundsechzig Schritt ganz im Tal ist der fünfunddreißigste und letzte Hut- und Grenzstein zwischen Hohentrüdingen und Heidenheim zu finden bei der großen Eichen, worinnen ein Kreuz gehauen sein soll, allda sich die Herrn Heidenheimer von der Hohentrüdinger Gemeinde scheiden. Was übrigens unser Kleinhausen anbetrifft, haben wir nicht nötig zu umgehen, dieweil es sich um und um mit der Herrschaftlichen Waldung geschlossen ist.

 
 
 
 
 

Fortsetzung