Zur Geschichte Hohentrüdingens  
 
 Altentrüdingen, die namengebende Wiege der Truhendinger Adelsherrschaft 
 
 
 

Die Gründung von Hohentrüdingen bedeutet nur einen von mehreren Meilensteinen auf dem Wege zur Höhe der Truhendinger Adelsherrschaft. Voraus liegt schon einer drunten in der Wörnitzniederung, der zur Namengebung des Geschlechtes der Truhendinger führte. Wo haben wir die Anfänge dieser Entwicklung zu suchen? Da die Edlen von Truhendingen sich erstmals nach einem Ort Truhendingen nennen, muß der Ursprung ihrer Adelsherrschaft auch dort gesucht werden. Es kommen dafür nur zwei Orte in Betracht:

  1. Altentrüdingen, ehemals selbständige Gemeinde, heute Ortsteil der Stadt Wassertrüdingen. Es ist dies der einzige Ort, der den Namen Truhendingen ohne Bestimmungswort vor 1100 führte.
  2. Wassertrüdingen, heute Stadt im Landkreis Ansbach, unmittelbar an der Wörnitz gelegen.

Als wirtschaftlich bedeutendster Platz der drei Truhendingen-Orte hat sich im lauf der Jahrhunderte die Stadt Wassertrüdingen entwickelt, die schließlich im Volksmund den Kurznamen Trüding an sich zog. Wenn jemand sagt: Ich geh nach Trüding, so weiß jeder, daß damit Wassertrüdingen gemeint ist. Das bedeutet aber nun nicht, daß dort in Wassertrüdingen der Ursprung der Herrschaftsbildung der Edlen von Truhendingen zu suchen sei. Die Stadtentwicklung Wassertrüdingen ist erst eine Sache des 13. Jahrhunderts und erfolgte durch die Grafen von Oettingen, nicht der Edlen von Truhendingen. Wie schon das Bestimmungswort Alten(-trüdingen) andeutet, ist dieser Ort der Älteste unter den drei Trüdingen. Wassertrüdingen und Hohentrüdingen müssen demnach später entstanden sein. Altentrüdingen darf als ein echter alter -ingen Ort der Landnahmezeit bezeichnet werden. Den Anlaß für die frühe Gründung Altentrüdingens gab wohl das alte Kulturland um das nahe Römerkastell Unterschwaningen. Hier waren alle notwendigen Bedingungen für die Anlage einer bäuerlichen Siedlung gegeben: die Wasserversorgung für Mensch und Vieh war durch den Mühlbach gewährleistet, der aus dem nördlichen Vorland des Hesselberges kommend aus den Gemarkungen Ehingen, Dambach, Lentersheim und Unterschwaningen vor allem bei starken Regengüssen enorme Wassermassen durch Altentrüdingen zur Wörnitzniederung bei Wassertrüdingen heranführt.
Der Bach teilt heute mit seiner bisweilen überschwemmten Flußaue der Ort Altentrüdingen in einen älteren, östlich gelegenen und einen jüngeren, westlichen Ortsteil, der sich um den Kirchenbuck gruppiert. Der Nahrungsraum des frühmittelalterlichen Ortskerns von Altentrüdingen lag ostwärts des Dorfbaches, wo die fruchtbaren Schwarzjuraböden sanft ansteigend sich in Richtung Obermögersheim hinziehen. Der alte Hauptteil der Siedlung liegt etwas abgesetzt auf der Ostseite des Flusses in einer flachen Mulde, die nach Osten und Norden hin durch sanftwellige Nischen erweitert wird und ungestört durch das Hochwasser des Baches jederzeit erreicht werden kann. Insgesamt gesehen treten im östlichen Teil der Altentrüdinger Gemarkung keine großen Reliefunterschiede auf, so daß hier für die Pflugarbeit günstige Voraussetzungen gegeben waren. Mit dem beladenen Erntewagen konnte infolge der Muldenlage des alten Ortes bergab gefahren werden, ein Vorteil, der bei der damaligen schwierigen und langsam vor sich gehenden Transportweise der Viehgespanne nicht außer acht gelassen werden darf. Hier im Osten der späteren Altentrüdinger Gemarkung auf den tiefgründigen Schwarzjuraböden braucht wohl beim Eintreffen der ersten germanischen Siedler nicht mehr viel gerodet werden, da diese schwere Arbeit bereits von der vorrömischen Bevölkerung vorgenommen wurde, mögen auch nach dem Einbruch der Alemannen Teile des alten Freilandes wieder der Verwaldung anheim gefallen sein. Das östliche und nördliche Umland von Altentrüdingen, bestehend aus tiefgründigen, ausdauernden Schwarzjuraböden war also gut geeignet für die Errichtung einer alemannischen Niederlassung ostwärts des sogenannten Mühlbaches, die zuerst allein den Namen Truhendingen führte. Unter den drei Truhendingen-Orten darf man also, was die Qualität des Bodens und die geringe Gefährdung durch Hochwasser anbelangt, der Siedlung Altentrüdingen die besten Voraussetzungen für eine frühe Besiedlung zuerkennen. Hohentrüdingen und Wassertrüdingen müssen in dieser Beziehung hinter Altentrüdingen zurückstehen.
Eine andere geschichtliche Welt begegnet uns freilich im westlichen Ortsteil der Altsiedlung Altentrüdingen. Doch auch hier gab es Möglichkeiten für gestaltende Elemente in der Entwicklung dieses Ortes. Hier westlich des Mühlbaches fanden die ersten germanischen Siedler Altentrüdingens kein kultiviertes Freiland vor, hier bedeckte noch der Wald die nicht so sanftwellig verlaufenden Hänge und Hügel. Sollte von hier die ortsgeschichtliche Entwicklung des Ortes beeinflußt werden, so mußte erst der Wald gerodet werden. Und das geschah denn auch, freilich nicht schon in der Landnahmezeit im 4. Und 5. Jahrhundert, sondern erst im 11. und Jahrhundert. Davon zeugen noch heute Flurnamen wie Hard (Baudenhard), Stockau, Reutäcker. Die Rodung ging aber sicherlich nicht vom alten fuldischen Ortskern Truhtmuntinga (Truhendingen) westlich des Mühlbaches aus, sondern von einem Herrschaftsträger, der um den jetzigen Kirchenbuck eine Machtposition aufbauen wollte.

 
 
 
 
 

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