Zur Geschichte Hohentrüdingens  
 
 Welches Truhendingen meint Wolfram mit der "Trühendinger Pfanne"? 
 
 
 

Diese Trühendinger Pfanne wurde in der Literaturgeschichte sehr oft mit der Stadt Wassertrüdingen an der Wörnitz (heute Landkreis Ansbach) in Verbindung gebracht. Wenn Wolfram nur an eine Pfanne gedacht hätte, die nach einem Herstellungsort Trühendingen benannt wurde, so könnte man womöglich diese Anknüpfung an die Stadt Wassertrüdingen akzeptieren. Wolfram spricht ja auch von "Regenspurger zindal" und meint damit ein Stück des in Regensburg hergestellten feinen Gewebes. Ebenso nennt er in seinem Roman "Willehalm" die "Bernhartshuser" Hüte, von den einen Forschern als Filzhüte, von den anderen als Helme angesprochen, die doch wohl nach ihrem Herstellungsort Beratzhausen an der Laaber benannt wurden. Daß zur Zeit unseres großen höfischen Epikers Wolfram von Eschenbach in Wassertrüdingen Pfannen gefertigt wurden, die weit und breit im Land bekannt waren, und deshalb nach ihrem vermeintlichen Herstellungsort "Trühendinger Pfannen" benannt wurden, scheint wenig glaubhaft, denn der Ort Wassertrüdingen muß trotz seiner alten Namensform auf -ingen als eine verhältnismäßig junge Gegengründung der Grafen von Oettingen gegen das ältere, den Edlen von Truhendingen gehörende Altentrüdingen angesehen werden. Die Oettinger versuchten im 12. Jahrhundert durch Anlage einer Tiefenburg in der Wörnitzaue und im 13. Jahrhundert durch eine daran angeschlossene Stadtgründung Wassertrüdingen ein Vordringen der Truhendinger gegen den Oettinger Forst und das Hesselbergland abzublocken. Die truhendingische Herrschaft in Altentrüdingen entstand im 12. Jahrhundert auf Grund und Boden des Klosters Fulda, die oettingische in Wassertrüdingen im 13. Jahrhundert auf dem Boden der Eichstätter Kirche. Zur Zeit, da Wolfram an seinem Parzival zu arbeiten begann (um 1200), existierte noch keine Stadt Wassertrüdingen mit einem spezialisierten Gewerbe von Pfannenschmieden, deren Erzeugnisse weit im Land, ähnlich wie das Regensburger Zindal, bekannt gewesen sein konnten. Weder in Wassertrüdingen noch in Altentrüdingen waren die Voraussetzungen dafür gegeben, und es liegen auch keine Hinweise über die Herstellung von Pfannen in diesen Orten vor. Nein, Wolfram denkt auch nicht bei der Trühendinger Pfanne im vierten Buch seines "Parzival" an einen Herstellungsort. Die Pfanne ist ihm wie Walther von der Vogelweide Sinnbild der Gastfreundschaft, Unterpfand einer gesicherten Ernährung, Beispiel einer vorzüglichen Bewirtung. Diese fand er nicht in dem damals noch gar nicht vorhandenen Wassertrüdingen noch in Altentrüdingen auf der turmhügelartigen Burg auf dem Kirchenbuck, sondern auf der weiträumigen, auch zu repräsentativen Empfängen einer vornehmen höfischen Gesellschaft geeigneten klassischen Adelsburg von Hohentrüdingen mit zwei Steinhäusern.
Wer heutzutage zur Maienzeit durch den Wald oder durch blühende Obstgärten nach Hohentrüdingen hinaufwandert, der ahnt wohl kaum, daß hier einmal etwas vom "Duft der großen weiten Welt" zu verspüren war. Steht er aber dann vor dem massigen Kirchturm mit seinen mächtigen Buckelquadern, dem einstigen Bergfried der Burg, dann wird ihm bewußt: hier mußte einmal ein Hauch vom geistigen und politischen Reichtum der Stauferzeit hereingeweht haben in die Stille der Hahnenkammwälder. Die große Welt von Hohentrüdingen, sie war in der Zeit der Edlen von Truhendingen lebendig, die in der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts auf einer vorspringenden Höhe die Wälder roden und eine Burg erbauen ließen. Ihr Blick ging in die Weite des staufischen Reiches. Da sie wohl mit den Staufern verwandt und ihre Güter im Ries hineingestreut waren in den Besitzbereich dieses berühmten Königs- und Kaisergeschlechtes, nahmen sie auch teil am politischen Geschehen ihrer Zeit. Sie begleiteten wie die Oettinger, Abenberger und Wertheimer des öfteren die staufischen Könige und Kaiser auf dem Zug durch die Lande. Ihre Söhne saßen zeitweise auf den Bischofsstühlen von Würzburg und Bamberg, ihre Brüder waren dort Domherrn wie auch in Augsburg und Regensburg. Sie lernten das höfische Leben an den Königspfalzen in Wimpfen und Nürnberg kennen; ihre Töchter heirateten in vornehme Familien und kleideten sich mit köstlichen Stoffen und flandrischen Tuchen. In Mainz und Würzburg, in Bamberg und Nürnberg waren sie ebenso zu Gast wie in Augsburg und Landshut, in Ingolstadt und Donauwörth. Von ihren Pferden wurden sie auf schlechten Straßen und Wegen an alle Brennpunkte des damaligen politischen Geschehens getragen. Sie nahmen mit ihren Frauen am geistigen Reichtum jener Zeit teil; sie pflegten das feine Bildungsgut des höfischen Rittertums, sie ließen sich berauschen vom Funkeln der Edelsteine, vom Glanz der Seidenstoffe und vom bunten Spiel der Farben. Das geistige und gesellschaftliche Leben in den Bischofstätten Würzburg und Bamberg blieb ihnen nicht unbekannt, denn unmittelbar neben dem Bamberger Dom stand einst der Truhendinger Hof als ihre Herberge. Unter dem Schutz der Edlen von Truhendingen entstand von 1160 bis 1180 in Heidenheim im Hahnenkamm auf dem geheiligten Boden der angelsächsischen Mission, über den Gräbern Wunibald und Walburgis, die schöne Klosterkirche, ein Werk edler Einfalt und stiller Größe. Ja, diese Herren von Truhendingen waren aristokratische Menschen nicht nur von Geburt, auch in ihrer Lebensführung und in ihrer Gebundenheit und Verpflichtung gegenüber dem staufischen Königshaus. Es kann zwar nicht mit letzter Sicherheit bewiesen, aber es darf angenommen werden, daß Wolfram von Eschenbach zum Vortrag seiner Dichtungen auf der Burg zu Hohentrüdingen zu Gast war, denn zum Repräsentieren und zur Selbstdarstellung dieser Adelsfamilie gehörten auch die schöngeistige Unterhaltung und die gebundene literarische Darbietung einer Traumwelt höfisch-ritterlicher Leitbilder. Unter den drei Truhendingen - Orten, die für eine Lokalisierung der Trühendinger Pfanne Wolframs in Frage kommen, kann wohl nur die Burg zu Hohentrüdingen gemeint sein.

 
 
 
 
 

Fortsetzung