Zur Geschichte Hohentrüdingens  
 
 Vom Königsforst in den Besitz der Eichstätter Kirche 
 
 
 

In Hohentrüdingen ging noch nach dem Zweiten Weltkrieg die Sage um, die Gemeinde hätte einmal einer Gräfin von Truhendingen das Hag, jenes etwa 100 Morgen große Holz unterhalb des Ortes "ins Kindbett" geschenkt. Eine Urkunde darüber oder ein Schriftstück gibt es freilich nicht und wurde auch nicht ausgestellt. Vor dem 13. Jahrhundert gab es noch gar keine Gemeinde Hohentrüdingen und sollte sie ja schon existiert haben, wäre sie so arm gewesen, daß sie keine 100 Morgen Holz verschenken konnte. Doch einmal vor etwa 950 Jahren wurde in unserer Heimat ein Forst verschenkt, allerdings nicht von einer Gemeinde, sondern vom deutschen König Heinrich III. aus dem Geschlecht der Salier, das den berühmten Dom zu Speyer als seine Grablege und Zeugnis seiner Macht erbauen ließ. Die Geschichtsforscher rühmen König Heinrich III., der von 1039 bis 1056 die Würde eines deutschen Königs und römischen Kaisers bekleidete, als einen frommen Herrscher und Friedenswahrer, der zur Verchristlichung der Welt viel beigetragen habe. Ein deutscher König konnte dazumal seine Herrschaft auf keine feste Residenz stützen. Es gab keinen Staat im modernen Sinn, keinen Regierungsbezirk, kein Landratsamt, keine Gemeinde, auch keine modernen Nachrichtenmittel wie heutzutage. Der König mußte, überspitzt ausgedrückt, "vom Sattel seiner Pferde im Umherziehen" regieren, von Königsburg (Pfalz genannt) zu Königsburg, von Bischofssitz zu Bischofssitz. Die Bischöfe waren seine treuesten Stützen. Dabei lernte der König aber gut Land und führende Leute kennen und persönliche Beziehungen zu den Herrschenden in der jeweiligen Gegend knüpfen. Einer der treuesten Diener König Heinrich III. war der Eichstätter Bischof Gebhard I. (1042 - 1057). Dieser Mann leistete dem salischen König Heinrich III. so wertvolle politische Dienste, daß dieser ihn sogar auf sein Einwirken hin zum Papst wählen ließ. Als Papst Viktor II. Erscheint er 1055 - 57 in der langen Reihe der Kirchenfürsten, die auf dem Stuhl der heiligen Petrus in Rom die Leitung der Kirche in Händen hielten. Diese beiden bedeutenden Gestalten der Geschichte, der deutsche König Heinrich III. und Papst Viktor II, zugleich Bischof von Eichstätt, erscheinen in einer Schenkungsurkunde aus dem Jahre 1053, die für unsere Heimatgeschichte von besonderer Bedeutung ist. Als Schenker erweist sich der deutsche König, als Beschenkter der Eichstätter Bischof, der spätere Papst Viktor II. Geschenkt wird nicht ein Schmuckstück aus Silber oder Gold, auch keine Edelsteine irgendwelcher Art, sondern ein großer Forstbezirk. Nun stellen wir uns heute unter einem Forst einen großen Wald vor, besetzt mit lauter hohen Bäumen, dicht gedrängt beieinander Krone an Krone, die den Boden beschatten, hochgezüchtet von Menschen, um einen ergiebigen Holzbetrag zu erzielen.
Im Mittelalter verstand man unter einem Forst zwar auch einen Wald, der vielleicht einmal zusammenhängenden Urwaldcharakter gehabt hatte, der aber um 1053 schon weitgehend aufgelichtet und mit Siedlungen durchsetzt war. Neben den durch Rodung gewonnenen Acker- und Wiesenflächen dehnten sich aber im Forst noch herrenlose Waldstücke, auf die der König seinen Anspruch geltend machen konnte, weil er über das Bodenregal (Königsrecht auf unbenutzten Grund und Boden) verfügte. Der in der Urkunde von 1053 erwähnte, vom deutschen König an den Eichstätter Bischof geschenkte Forst bestand also nicht mehr allein aus Wald, sondern auch aus gerodetem Land mit Siedlungen im Privatbesitz von Adelsherrschaften, auf die der König keinen Einfluß nehmen konnte. Der Raum, der in der Schenkung des Königs an den Bischof von Eichstätt eingeforstet wurde, hatte folgende Grenzen: Vom Dorf Wechingen die Wörnitz aufwärts bis zum Einfluß des Mulibaches und dann den Mühlbach aufwärts bis zum Dorf Belzheim, von da aufwärts bis zum Dorf Hausen und weiter bis zum Dorf Segloh, von da vom Bach weg bis zu Dorf Frankenhofen und weiter bis zum Dorf Irsingen, von da bis zum wunibaldsbrunnen und dann wieder an die Wörnitz zur Furt Rindgasse, weiter bis zu dem Bach, welcher die beiden Provinzen Schwaben und Franken scheidet. Von da zum Dorf Röckingen und dann bis zum Dorf Lentersheim, weiter zwischen Schwaningen und Altentrüdingen hindurch über den Arrabach zum Dorfe Obermögersheim und dann die gerade Straße fort bis zur Kirche im Dorfe Gnotzheim, von da geradeaus bis zum Dorfe Kirschenloh (Kirschenmühle) an die Rohrach und dann diesen Fluß abwärts bis an seine Einmündung in die Wörnitz. Weit weg von hier in der Königspfalz Goslar am Harz, wo sich der König Heinrich III. gern aufhielt, wurde diese Schenkung bekundet. Darin wird eigens betont, daß dieser Bezirk zum einen Teil im Riesgau in der Grafschaft des Grafen Friedrich und im Sualafeldgau in der Grafschaft des Grafen Chono liegt. Da in diesem Raum (siehe Karte) schon viele adelige Leute mit Grund und Boden eingewurzelt waren oder hier private Interessen hatten, mußte um deren Zustimmung gebeten werden. Sie wurden alle namentlich genannt. Der größte Teil des geschenkten Bezirkes war um die Mitte des 11. Jahrhunderts längst in Ackerland verwandelt, das sich in Privatbesitz befand und über das der König nicht mehr verfügen konnte. Die großen Waldstücke, die damals in der Jagdhoheit des Königs lagen, waren vor allem der östliche Teil des heutigen Oettinger Forstes mit dem Reichenbacher und dem Truhendinger Forst, die Wälder um den Wachtler zwischen Geilsheim und Ostheim und auch die Bergwälder des westlichen Hahnenkamms von Spielberg über den Rechenberg und die Hohentrüdinger Höhe bis Hüssingen. Sie kamen nun 1053 aus der Hoheit des Königs in die des Eichstätter Bischofs. Aus den Königswäldern wurde bischöflich-eichstättischer Waldbesitz.

 
 
 
 
 

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