Zur Geschichte Hohentrüdingens  
 
 Eigengüter der Edlen von Truhendingen im Ries 
 
 
 

Um das Jahr 1280 sind die Grafen von Truhendingen - so nannten sie sich ab 1265 - in Schulden geraten. Sie waren gezwungen, Eigengüter im Ries zu verkaufen. Schon am 6. Oktober 1278 verschenkten Graf Friedrich von Truhendingen, sein Vetter Ludwig und sein Bruder Friedrich, Chorherr in Regensburg, aus Sorge um ihr Seelenheil dem Deutschordenshaus zu Oettingen zehn Huben (Bauernhöfe) zu Pfäfflingen. Ein Jahr darauf, ebenfalls an einem 6. Oktober 1279 verkauften Graf Friedrich von Truhendingen - mit Rat seiner Freunde und Leute - wegen schwerer Schuldenlast, unter Zustimmung seines anwesenden leiblichen Bruders Friedrich dem Jüngeren, Domherrn zu Regensburg und Augsburg, dem Zisterzienserkloster Heiligkreuz in Cymbern (Kloster Zimmern im Ries) um 832 Pfund 13 Schilling Haller seine Güter in Pfäfflingen, nämlich: Herrschaft und Hertschaft, 15 Huben oder Mansen daselbst, 12 Hofstätten, genannt selhuser, mit allen Rechten und Zugehörden. Zu diesem Besitz gehörte der Kirchensatz der dortigen Pfarrkirche. Es wird eigens betont, daß alles von den Vorfahren ererbt und von seinem Bruder Ludwig ihm geschenkt wurde. Das waren nun schon enorme Verluste für die Herrschaft von Truhendingen, aus denen sie sich nicht mehr recht erholte. Es erhebt sich hier die Frage: Waren diese verschenkten und verkauften Liegenschaften Eigengut? Die Bemerkung, daß alles von den Ahnen ererbt wurde, läßt vermuten, daß in Pfäfflingen Eigenbesitz und Erbgut vorhanden war, die bisher nicht verändert wurden, sondern konstant aus alter Zeit im Besitz der Truhendinger waren und daher erst in den Urkunden von 1278 und 1279 erscheinen. Nach mittelalterlicher Rechtsauffassung war die Verfügungsgewalt über den Eigenbesitz des Mannes eingeschränkt. Seine Veränderung bedurfte der Zustimmung der Familienmitglieder. Daher geben hier mehrere Angehörige der Truhendinger zum Verkauf des Familienerbes ihre Zustimmung. Eine Menge von hochrangigen Zeugen bekräftigte die Güterveränderung. Daher wird man annehmen dürfen, daß der Ursprung des Truhendinger Geschlechtes nicht in Altentrüdingen , sondern in Pfäfflingen im Ries zu suchen ist. Dort unweit des ehemals königlichen und ab 760 dem Kloster Fulda gehörigen Großhofes Deiningen scheint ihre Heimat zu suchen sein. In der Urkunde von 1279 ist auch von der Herrschaft und Hertschaft die Rede. Mit der Hertschaft ist die Hirtschaft und damit das Recht gemeint, den Dorfhirten einzusetzen. Die Herrschaft über die Dorfherde und den Hirten war ein wesentliches Stück der Dorf- und Gemeindeherrschaft, mit der die niedere Gerichtsbarkeit verbunden war, das heißt auch die Flurfrevel abzustrafen. Dann ist auch noch die Rede von 12 Hofstätten, genannt "Selhuser". Darunter darf man nicht Seelhäuser verstehen, die in den Städten für arme Frauen eingerichtet wurden, die für Kranke und Sterbende beteten. Der Begriff Selhuser erinnert vielmehr an das mittelhochdeutsche Wort selehof, das Salhof bedeutet. Der Salhof war der Herrenhof, dem dienende Huben angeschlossen waren. Die 12 selhuser, die in der Urkunde von 1279 erwähnt werden, sind wohl Hofstätten gewesen, entstanden aus dem aufgeteilten Sallandes Herrenhofes. Die Angaben über die Struktur des verkauften Besitzes in Pfäfflingen erwecken den Eindruck, daß hier einst Eigengüter der Edlen von Truhendingen bestanden haben, die eine Art Familienzentrum dieses Geschlechtes bedeuteten. Nach Pfäfflingen verweisen wohl die Anfänge des Edelgeschlechtes der Truhendinger. Von hier aus ließ sich allerdings in dem altbesiedelten von zahlreichem Herrschaftsgefüge durchdrungenen Raum im Ries keine moderne Flächenherrschaft aufbauen. Dazu mußten die Truhendinger in das nördliche Vorland des Rieses ausweichen, wo noch Aussicht auf die Erwerbung größerer Waldstücke bestand, die gerodet werden konnten. Die Richtung des Weges der Entwicklung der Herrschaft der Truhendinger ging also von den Eigengütern im Ries weg in den südfränkischen Raum nach Altentrüdingen, wo noch Aussicht auf den Ausbau einer geschlossenen Herrschaft bestand.

 
 
 
 
 

Fortsetzung