Zur Geschichte Hohentrüdingens  
 
 Lage 
 
 
 

Hohentrüdingen, so heißt ein kleines Dorf auf dem Hahnenkamm, dem südwestlichen Eckpfeiler der Fränkischen Alb um Heidenheim in Mittelfranken. Der Ort weist einige Besonderheiten auf, die ihn von seinen Nachbarn unterscheiden. Er liegt nicht in der Mitte seiner Gemarkung, nicht in einem schützenden Tal mit einem ständig wasserführenden Bach wie etwa Heidenheim und Hechlingen. Er liegt auch nicht in einer Mulde wie die beiden Dörfer Ostheim und Westheim auf dem Hahnenkammvorland, wo man einst den Vorteil nützen konnte, daß mit dem beladenen Erntewagen bergabwärts gefahren werden konnte. Nein, die Lage des Ortes Hohentrüdingen fällt aus der Rolle und dies spricht für seine gesonderte Geschichte. Das Dorf schmiegt sich an den Stufenrand des westlichen Hahnenkamms, wo steile Berghänge in schluchtenartige Tiefen hinunterziehen, auf denen kein Ackerbau betrieben werden kann, wo der Erdboden den Buchenwald oder den Obstbäumen überlassen werden mußte. Wer nicht landwirtschaftlich gebunden ist, wer nur als Fremder oder Wanderer auf den Berg heraufsteigt, um vom alten Kirchturm aus einen schönen Blick auf eine Landschaft zu werfen, in der sich Schwabenland und Frankenland berühren, der wird die Lage Hohentrüdingens eindrucksvoll, ja fast als ein wenig romantisch empfinden. Der Wald rauscht hier den Menschen aus seinem grünen Sommerherzen fast zu den Fenstern herein, ein frisches Lüftchen zieht auch bei großer Hitze über die Höhen und Bienen summen in den Obstgärten, die freilich nicht mehr so gepflegt werden, wie in vergangenen Zeiten, als die Äpfel und Nüsse noch in den Nachbarorten oder auf dem Markt in Oettingen verkauft werden konnten. Wer die Stille liebt und mit der winterlichen Einsamkeit fertig wird, der mag den Ort noch als heile Welt empfinden. Wer aber hier oben vor fünfzig und mehr Jahren allein von der Landwirtschaft oder von der Arbeit im Staatswald leben mußte, der wird die Berglage Hohentrüdingens mehr als Last denn als Segen gewertet haben. Die alten Leute im Dorf können noch ein Liedchen davon singen, welche Mühe und Plage der Berg seinen Bewohnern abverlangte, wenn im Sommersonnenbrand an den Hängen die Sichel oder die Getreidesense geschwungen werden mußte, wenn die Knechte oft auf steinigen Äckern hinter dem Pfluge herzulaufen oder mit dem beladenen Erntewagen die Kühe bergaufwärts zu treiben und zu schinden hatten. Reich werden konnte wohl keiner auf dieser Höhe. Die Gemarkung, der Nahrungsraum für die Bewohner, ließ sich fast nur nach Osten und Süden entfalten, wo das Gelände sanft abwärts gleitet. Nach Westen und Norden hin verhindert der steile Stufenrand des Hahnenkamms den Feldbau. Mischwald umzieht in weitem Bogen die Ackerflur. Fast von allen Seiten mußten sich früher die schwerbeladenen Erntewagen mit den gemächlich dahinziehenden Küh- und Ochsenwagengespannen bergaufwärts bemühen. Manch in der Schwüle des Tages unter viel Schweiß hoffnungsvoll aufgeladene Heufuhre wurde von einem plötzlich heranziehenden Gewitter auf dem lange dauernden Heimweg wieder durchnäßt und mußte im Hof neu getrocknet werden.
Diese dem Feldbau nicht gerade günstige Lage auf dem Berg und am Rande einer sich entwickelnden Feldflur war natürlich auch den ersten Siedlern bewußt, die hier oben vor etwa 800 Jahren ihre kleinen Häuser aus Holz und Lehm errichteten. Hätten sie die Wahl gehabt, drunten auf den tiefgründigen, fruchtbaren Böden des Hahnenkammvorlandes zu hausen, sie wären sicherlich nicht auf diese unwirtliche Höhe gezogen. Doch sie mußten dem Willen ihres Herrn folgen, der über ihre Arbeitskraft und den Grund und Boden verfügte. Sie gehörten alle dem Stand der unfrei Geborenen an und waren Leibeigene, die selber über keinen Grund verfügen konnten. Sie wurden also bei der Gründung des Ortes nicht gefragt, ob sie hier herziehen wollten. Man hat sie auf die Höhe befohlen und so hatten sie den Anordnungen ihres Herrn zu folgen, der sie zur Rodung des Landes und zum Burgenbau dringend benötigte. So ist Hohentrüdingen nicht aus wilder Wurzel nach dem Wunsch freier Siedler entstanden, sondern nach dem Plan und Willen eines Adelsgeschlechtes, der Edlen von Truhendingen, die dem Stand der Freien angehörten und aufgrund ihrer freien Geburt und ihrer adeligen Herkunft Herrschaft über Land und Leute ausüben durften. Denn diese Edelherren von Truhendingen waren es, die im 12. Jahrhundert sich gezwungen sahen, auf einem vorspringenden Bergsporn des westlichen Hahnenkamms eine mächtige Adelsburg zu erbauen, von der heute vor allem noch der massige Kirchturm, der ehemalige Bergfried. Ein eindrucksvolles Zeugnis ablegt. Die Anfänge Hohentrüdingens gehen also nicht von bäuerlichen Siedlern aus, sondern von der Errichtung einer mittelalterlichen Adelsherrschaft.

 
 
 
 
 
 
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