Zur Geschichte Hohentrüdingens  
 
 Wassertrüdingen und die Edlen von Truhendingen 
 
 
 

Von den drei Orten, die den Namen Trüdingen führen, ist Wassertrüdingen im 13. Jahrhundert Stadt geworden. Von diesem Vorgang her könnte man erwarten, daß sie von den Edlen von Truhendingen gegründet wurde und daß sie womöglich gar den Ausgangspunkt der Herrschaft Truhendingen bildete. Wenn wir nun vermuten, Die Stadt Wassertrüdingen habe mit der Edelfamilie der Truhendinger lediglich den Namen gemeinsam, sonst aber weder bei ihrer Gründung noch in späterer Zeit überhaupt nichts zu tun, so wird diese These kaum Beifall finden. Es fällt schwer, sich von der Vorstellung zu trennen, Wassertrüdingen sei irgendwann einmal aus der Herrschaft der Edlen von Truhendingen in den Besitz der Grafen von Oettingen übergegangen. Auch der Verfasser der Geschichte der Stadt Wassertrüdingen, der langjährige Leiter der früheren Präparandenschule Friedrich Loehrl, der sehr fleißig viel Stoff zusammengetragen hat, hing der Meinung an, Wassertrüdingen sei zu erst truhendigisch gewesen und dann oettingisch geworden. Er stützte sich dabei auf die "Historischen Schriften" des Nördlinger Rektors der Lateinschule Johann Friedrich Schöpperlin (gest. 1772), der schreibt: "Man weiß weder wann, noch auf was Art diese Stadt (Wassertrüdingen) an die oettingischen Herren Grafen gekommen ist", vermutet aber dann "daß Ludwig V., Graf zu Oettingen, eine Adelheid zur Ehe gehabt habe, die eine Tochter Graf Alberts II. von Truhendingen gewesen ist. Daher wird mir wahrscheinlich, daß Wassertrüdingen der Gräfin Adelheid zur Aussteuer mitgegeben sein mag". Es wird zutreffen, daß die Grafen von Oettingen mit den Edlen von Truhendingen einmal entfernt verwandt waren, aber daß Wassertrüdingen als Heiratsgut an die Oettinger Grafen gelangte, darüber fehlen jegliche urkundlichen Belege.
Die ersten Urkunden, die sich auf Wassertrüdingen beziehen, lassen erkennen, daß Graf Ludwig III. von Oettingen 1242, 1243 und 1252 Urkunden ausstellen läßt und daß dies in einer Burg Wassertrüdingen geschah. Von der Stadt ist noch nicht die Rede, sie muß aber kurz danach an die Burg angeschlossen worden sein. Wenn der Oettinger Graf dort mehrmals urkundete, dann darf angenommen werden, daß diese Burg schon längere Zeit in Wassertrüdingen bestand. Im Jahre 1283 ist dann von einem Kastellan und von Bürgern von Wassertrüdingen in einer Urkunde die Rede. Das bedeutet doch wohl, daß schon vor dieser Zeit an die oettingische Burg von den Grafen eine Stadt angeschlossen wurde, wie das noch heute im Stadtplan von Wassertrüdingen erkennbar ist. Nach der Urkunde von 1283 wird zwischen dem Kloster Rebdorf (bei Eichstätt) einerseits und dem Kastellan und den Bürgern von Wassertrüdingen andererseits ein Streit um das Weiderecht in den Wörnitzwiesen geschlichtet. Da zeigt sich nun ganz klar, in welcher verengten Lage damals Burg und Stadt Wassertrüdingen angelegt wurden. Die Weidegründe des Klosters Rebdorf in Geilsheim reichten bis an die Wassertrüdinger Burg heran, eine ständige Verlockung also für die Bürger, ihr Vieh zum Schaden der Bauern des Klosters Rebdorf auf deren Wiesen zu treiben. In der Urkunde wird ausdrücklich hervorgehoben, daß diese Schädigung der Rebdorfer Bauern aus Geilsheim schon viele Jahre zurückreicht. Solange die Burg allein an die Rebdorfer Wiesen angrenzte, mag dieser Zustand hingenommen worden sein. Als aber die Burg der Grafen von Oettingen durch die Stadtgründung verstärkt wurde, wuchs der Bedarf an Weideland und dadurch der Schaden bei den Rebdorfer Hintersassen in Geilsheim. Die Urkunde wirft auch ein Licht auf die Gründe des Burgenbaues der Oettinger Grafen: Diese errichteten in den Wörnitzauen ihre Tiefenburg hart an der Grenze zum Rebdorfer Besitztum in Geilsheim. Sie bauten die zum Schutz ihrer territorialen Interessen . Wie im Süden der ihnen zur Bevogtung anvertraute Ehinger Forst durch die Burg und später durch die Stadtgründung Oettingen vor den Zugriffen benachbarter Adelsgeschlechter abgesichert wurde, so waren sie auch im Norden dieses großen Waldgebietes (heute Oettinger Forst) bedacht, eventuelle Angriffe der Edlen von Truhendingen oder der Edlen von Auhausen auf ihre Vogteigebiete abzuwehren. Dazu ließen sie wohl schon im 12.Jahrhundert ziemlich gleichzeitig mit der Burg Oettingen im Süden, auch die Burg Wassertrüdingen im Norden des Waldgebietes entstehen. Etwa 100 Jahre später verstärkten die Grafen diese Position, indem sie an die Burgen ihre Städtegründungen Oettingen und Wassertrüdingen anschlossen. Da die Errichtung einer Höhenburg in dem ziemlich flachen Gelände der Wörnitzaue nicht möglich war, nutzte man beidemale die Überschwemmungen der Wörnitz und speiste die Wassergräben der Niederungsburgen. Die Stadt Wassertrüdingen wurde damit nach dem Willen der Oettinger Stadtgründer in ein Feuchtgebiet hereingebaut, das freiwillig dazumal kein Bauer besiedelt hätte. Noch heute kommt die Altstadt von Wassertrüdingen in Bedrängnis, wenn außergewöhnliche Gußregen niedergehen und die Keller überflutet werden. Die frühen Siedlungen wie Geilsheim, Ostheim, Westheim, Obermögersheim, Altentrüdingen, Unterschwaningen Lentersheim Röckingen, Gerolfingen und Aufkirchen liegen alle etwas erhöht auf dem fruchtbaren Schwarzjuraland, kaum dem Hochwasser ausgesetzt. Wäre Wassertrüdingen schon als bäuerliche Siedlung schon im frühen Mittelalter gegründet worden, ohne besonderen Wehr- und Schutzauftrag, so hätten die ersten Siedler sie wohl auf den leicht ansteigenden Hängen errichtet, auf denen sich heute die Neustadt befindet. So aber mußten die ersten Wassertrüdinger im 13. Jahrhundert dem Machtstreben ihres Oettinger Herren folgen und in die in der Wörnitzniederung im Anschluß an die ältere Burg errichtete Stadt folgen. Wassertrüdingen ist keine alte Gründung der sogenannten Landnahmezeit, sondern ein Produkt oettingischer Territotialpolitik.

 
 
 
 
 

Fortsetzung