Zur Geschichte Hohentrüdingens  
 
 Der Ortsname Hohentrüdingene 
 
 
 

Es wäre schön und würde unser Wissen um die Gründung des Ortes Hohentrüdingen sehr bereichern, läge darüber ein schriftlicher Bericht vor. Doch darauf warten wir vergebens. Wie bei fast allen Ortschaften unserer Heimat können wir über den Gründungsvorgang nur allgemeine Erkenntnisse verwerten, die die Sielungsforschung in langem Bemühen erarbeitet hat. Es gibt keine Berichte über die Entstehung unserer Ortschaften, die in allen Einzelheiten den Gründungsvorgang darlegen. Die Kunst des Schreibens war vor 800 und mehr Jahren nur wenigen Geistlichen geläufig, das Papier noch nicht in Gebrauch und das Pergament sehr teuer. Außerdem war man sich der späteren Wirkung des Gründungsvorganges nicht bewußt. Selbst die des Schreibens sehr kundige Nonne Hugeburg vom Kloster Heidenheim, die um 780 zwei bedeutende Schriften über das Leben der heiligen Wunibald und des heiligen Willibald verfasst hat, berichtet nichts über die Entstehung unserer Ortschaften, sondern widmet ihre ganze Aufmerksamkeit der Entwicklung der beiden Heiligen von der Wiege bis zum Grabe. Land und Leute im Hahnenkamm zur damaligen Zeit interessieren sie wenig. Es gibt allerdings eine Möglichkeit, einen ungefähren Zeitpunkt der Entstehung eines Dorfes festzulegen, zwar nicht auf den Tag, auch nicht auf das Jahr genau, höchstenfalls auf das Jahrhundert hin und selbst da besteht nicht Sicherheit. Dieses zwar nicht absolut genaue, so doch einigermaßen sichere Dokument über die Zeit der Entstehung einer Siedlung liegt im Ortsnamen vor. Er wurde kurze Zeit nach der Gründung eines Ortes gegeben oder hat sich im mündlichen Sprachgebrauch von selbst eingebürgert. Eimal vorhanden, wurde er von Generation zu Generation weitergereicht, erfuhr bisweilen eine bis zur Unkenntlichkeit gehende sprachliche Veränderung und erhielt irgendwann einmal seine schriftliche Form. Ortsnamenforscher haben herausgefunden, daß die Ortsnamengebung so einer Art Mode unterlag und daß in einer Landschaft ältere Namenschichten von jüngeren überlagert wurden oder nebeneinander existierten. Zu den ältesten Ortsnamen unserer Heimat zählen solche die auf -ingen enden, z.B. Hüssingen, Hechlingen, Polsingen, Döckingen usw. Sie sind vor etwa 1500 Jahren entstanden, als germanische Volksstämme wie die Alemannen oder die Thüringer den Limes, die Grenze zu Römerreich, überschritten und allmählich die von den Römern und früheren Völkerschaften kultivierten, fruchtbaren Böden der Altsiedellandschaften im Ries, um den Hahnenkamm und um den Hesselberg besiedelten. Die sogenannte Landnahme war kein einmaliger, kurzzeitiger Akt, sondern zog sich Jahrhunderte hin. In dieser Zeit war es Mode, die entstehenden Orte mit der Endung -ingen zu benennen, wobei wir bedenken müssen, daß diese Mode in den nachfolgenden Jahrzehnten nicht völlig zu erliegen brauchte, sondern Nachzügler noch verwendet wurden, als längst die Namengebung auf -heim- Endungen "umgeschaltet" hatte (Ostheim, Westheim, Heidenheim, Degersheim, usw.) Die -ingen und -heim Namen sind vor allem auf den altbesiedelten, flachen oder leicht bewegten Beckenlandschaften verbreitet, wo alte Kulturen übereinander lagern und das Land längst vom Wald befreit war.
Ein paar Jahrhunderte weiter war dann die namenbildende Kraft der -ingen und -heim Endungen verbraucht und Ortsnamen auf -hofen, -dorf, -bach gerieten in Mode wie Sausenhofen, Roßmeiersdorf, Wurmbach usw. Wieder ein paar Jahrhunderte später, als die für Ackerbau und Siedlung günstigen, fruchtbaren Beckenlandschaften mit Siedlungen ausgefüllt waren, drangen die Landhungrigen in die alten Waldlandschaften vor und benannten ihre Orte auf -holz, -hard, -reut, -loh und andere z.B. Holzkirchen, Schlittenhard, Kreuthof, Geißloh u.a. Andere Zeiten andere Sitten, diese Feststellung könnte man auch für die Benennung unserer Ortschaften gelten lassen.
Liest man nun den Ortsnamen Hohentrüdingen auf der Landkarte oder in einem Buch und geht von seiner Endung -ingen aus, so könnte man geneigt sein, den Ort als eine Alemannensiedlung zu betrachten und seine Gründung in die sogenannte Landnahmezeit (3. - 5. Jahrhundert) zu verlegen, zumal in seiner Nachbarschaft lauter alte Ortsnamen auf -ingen und -heim erscheinen: Hechlingen, Hüssingen, Heidenheim, Degersheim Ostheim Westheim.
Doch diese -ingen und -heim Namen passen zwar in die wasserführenden, fruchtbaren und siedlungsgünstigen Tallagen des Hahnenkammvorlandes und des Rohrachtales, nicht aber auf die bergigen, schluchtenreichen und verhältnismäßig wasserarmen Höhen von Hohentrüdingen. Wenn sich trotzdem ein -ingen Ortsname in diese etwas unwirtliche , waldreiche Gegend des heutigen Hohentrüdingen, also auf den Stufenrand des Hahnenkamms verirrt hat, so muß das seinen besonderen Grund haben. Ein vornehmes Geschlecht, die Edlen von Truhendingen, muß seinen Adelsnamen "von Truhendingen" im Zuge einer Burgengründung in die bewaldete Berglandschaft des westlichen Hahnenkamms verpflanzt haben. Schon das vorangestellte Bestimmungswort Hohen(trüdingen) läßt den Schluß zu, daß hier ein älteres Truhendingen aus der Landnahmezeit "Pate gestanden" haben muß bei der Namengebung von Hohentrüdingen im 12. Jahrhundert. Der Ortsname Truhendingen bezeichnet ursprünglich eine alte Ortsgründung der Landnahmezeit im Tal, nach der sich die Edlen von Truhendingen benannten. Dieser Name wurde mitgebracht aus der Niederung auf die Höhe des Hahnenkamms. Die Edlen von Truhendingen haben sich nicht beim Burgenbau auf der Höhe nach einem Flurnamen benannt, sondern ihren alten Adelsnamen behalten, der für ihren Aufstieg und für ihr Familienbewußtsein etwas bedeutet haben muß.

 
 
 
 
 

Fortsetzung