Zur Geschichte Hohentrüdingens  
 
 Warum erwähnt Wolfram gerade die Truhendinger Pfanne? 
 
 
 

Dass gerade Wolfram bei der Schilderung der Hungersnot auf Burg Pelrapeire sich nun gerade die Trühendinger Pfanne ausgesucht hat, bleibt eine Frage, über die es sich lohnt, nachzudenken. Sehen wir einmal von einer Verwandtschaft der Truhendinger mit den Staufern, mit den Grafen von Abenberg und mit den engen Beziehungen zu den Grafen von Wertheim ab, so darf diese auffallende Tatsache doch wohl dahingehend gedeutet werden, dass bei Wolfram unter den vielen Pfannen, aus denen er mit Gebäck bewirtet wurde, die Trühendinger Pfanne und die Trühendinger Krapfen sich bei ihm eines besonderen Vorzugs erfreuen durften. Ein derart schmackhaftes Fettgebäck konnte ihm wohl nicht in Abenberg, vielleicht auch nicht in Wertheim oder auf Burg Wildenberg im Odenwald geboten werden. Es erübrigt sich, Überlegungen anzustellen, wie die Truhendinger Krapfen ausgesehen haben und wie sie gebacken wurden. Das würde wohl backfreudige Damen interessieren, aber darüber liegen keine Nachrichten vor und wenn jemand danach forschen wollte, müsste er sich doch wohl sehr stark auf dem Feld der Phantasie bewegen. Die besondere Güte der Trühendinger Krapfen, wie sie Wolfram empfand, muss aber doch ihren Grund gehabt haben. Und da sollte vielleicht bedacht werden, daß Wolfram in seiner Jugend ein Kind des Sandes war. So nannte man im Mittelalter die Gegend zwischen Gunzenhausen, Weißenburg und Nürnberg. Auf den Keuperböden von Eschenbach bis Abenberg und Nürnberg wurde im Mittelalter allem Anschein nach vorwiegend Roggen (Korn) und Hafer angebaut. Den Roggen brauchte man für das tägliche Brot, den Hafer für den täglichen Brei (Hafermus) und zur Fütterung der Pferde. Man kann sich die Ernährung der mittelalterlichen Menschen, gemessen an dem verwirrenden Angebot unserer Tage, nicht kärglich und einseitig genug vorstellen. Auch in wohlhabenden Kreisen, selbst wenn sie jagdberechtigt waren, wurde nicht jeden Tag Fleisch verzehrt. Die armen Leute mussten sich mit Schwarzbrot und dem täglichen Hafermus zufrieden geben. Der besondere Vorzug der Trühendinger Krapfen schien darin bestanden zu haben, daß sie aus Dinkelmehl gebacken wurden. Dieses muss auf dem Sand um Abenberg zu Wolframs Zeiten eine Seltenheit gewesen sein, zumindest nicht von der Güte wie auf den kalkreichen Juraböden im Hahnenkamm. Dagegen muß der Anbau von Dinkel, auch Spelz oder Vesen genannt, südlich des Limes auf dem Albvorland und im Ries sehr weit verbreitet gewesen sein. Flurnamen wie Dinkelbreitung in Hüssingen und Sausenhofen, Dinkelfeld, Dinkelacker sind in der Gegend um Hohentrüdingen keine Seltenheit. Sehr häufig erscheint Dinkel (enthülst Kern genannt) als grundherrliche und vogteiliche Abgabe in den alten Salbüchern. Der Dinkel war nach Robert Gradmann einst die meistgebaute Winterfrucht in Schwaben und seinen Randgebieten. Im Bereich der Herrschaft Truhendingen war er zwar nicht die Hauptfrucht, doch wurde er auch hier angebaut. Dinkelmehl erscheint damals Weizenmehl ersetzt zu haben und wurde vorwiegend zu Festgebäck verwendet. Die von Wolfram erwähnten gerühmten Krapfen der Trühendinger Pfanne scheinen aus Dinkelmehl gebacken worden zu sein. So blieb die Trühendinger Pfanne für Wolfram ein genussreiches Erlebnis besonderer Art, zumal auf der Burg zu Hohentrüdingen auch das Fett (Schmalz) in ausreichendem Maße vorhanden war, da in den ausgedehnten Laubwäldern im Herbst die Schweine in das Geäckerich (Eicheln und Bucheckern) zur Mast getrieben werden konnten. Gewiss, das mögen alles kühne Gedanken um die Trühendinger Pfanne sein, aber es steckt hinter ihr doch eine kleine Welt von Beobachtungen und Erlebnissen. Wolfram lebte nicht nur in der erhabenen Traumwelt der Artus- und Gralsgeschichten, er war auch ein scharfer Beobachter seiner heimatlichen Umwelt. Die Erwähnung der Trühendinger Pfanne mit ihren Krapfen könnte dafür Zeugnis geben.

 
 
 
 
 

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