Zur Geschichte Hohentrüdingens  
 
 Wassertrüdingen, eine oettingische Konkurrenzgründung zu Altentrüdingen? 
 
 
 

Die Edlen von Truhendingen erscheinen erstmals in den Urkunden im Jahre 1129. Etwa zehn Jahre später werden die Oettinger Edelherren, ab 1147 mit dem Grafentitel erwähnt. Diese nennen sich, ähnlich wie die Edlen von Truhendingen, nach einem zunächst unbedeutenden Dorf Oettingen, in dem auch das Kloster Fulda begütert war. Wie die Truhendinger mit der weltlichen Schutzherrschaft über Teile der fuldischen Propstei Solnhofen, so wurden auch die Oettinger Adeligen mit der Vogtei über den fuldischen Zentralhof in Deiningen im Ries beauftragt. Als namengebender Sitz wurde der strategisch wichtige Wörnitzübergang bei Oettingen bestimmt. Die Anfänge der Herrschaftsentwicklung beider Adelsgeschlechter zeigen große Ähnlichkeit und man hat mit Recht vermutet, daß hinter dem fast gleichzeitigen überraschenden Auftreten der beiden Edelfamilien in den Urkunden die ordnende Hand des ersten staufischen Königs Konrad III. (1138 - 1152) zu erkennen ist, der auch mit Hilfe seiner Verwandten und schon mit Billigung seines salischen Onkels Kaiser Heinrich V. (1106 - 1125) so eine Art "Königslandpolitik" in Süddeutschland betrieb. Dabei spielte auch die vom staufischen Kernland im Ries und Remstalgebiet zum Königslandzentrum um Nürnberg über Nördlingen - Oettingen - Altentrüdingen - Gunzenhausen - Nürnberg führende Straße eine bedeutende Rolle. Im Zusammenhang mit diesen vom Königtum ausgehenden planmäßigen Maßnahmen in der Berührungszone zwischen Schwaben und Franken muß man auch den Wirkungsbereich der beiden Edelfamilien Oettingen und Truhendingen am Nordrand der Rieslandschaft beurteilen. Vom ersten Stauferkönig Konrad III. wurden die Oettinger mit dem Grafentitel bedacht und von der Eichstätter Kirche erhielten sie die weltliche Schutzherrschaft, die Vogtei, über den nahegelegenen Ehinger- und Reichenbacher Forst, der als geschlossenes Waldgebiet bis in den Raum des heutigen Wassertrüdingen reichte. In der neueren Forschung wird nicht mehr ernsthaft bezweifelt, daß die Grafen von Oettingen nahe Verwandte der Staufer waren, deren älteste Machtpositionen auch im Ries lagen. Innerhalb der von dem staufischen Königtum vorgegebenen planmäßigen Königslandpolitik entfalteten nun beide Edelfamilien, die Oettinger wie die Truhendinger, eine eigene aktive Erwerbspolitik, um von verschiedenen Rechts- und Besitzpositionen aus eine möglichst geschlossene Herrschaft aufzubauen. Von ihren frühen Schwerpunkten am nördlichen Riesrand in Oettingen und Ehingen aus richteten die Grafen von Oettingen ihr Augenmerk in Richtung auf das heutige Wassertrüdingen, auf das Hesselbergumland und die obere Altmühl, wo die Eichstätter Kirche noch aus der Zeit des Königsklosters Herrieden umfangreichen Besitz empfangen hatte. Die Edlen von Truhendingen gewannen vor allem östlich der Wörnitz durch die Vogtei über eichstättische, Kloster Heidenheimische und solnhofische Güter Stützpunkte, die sie mit Hilfe der Vogtei zu bündeln versuchten, eine Grundlage für eine noch zu erstrebende, geschlossene Herrschaft. Beide Familien verfügten sowohl östlich wie westlich der Wörnitz über Rechte und Güter; die Truhendinger in Lochenbach, in Gerolfingen und Ruffenhofen, die Oettinger in Hechlingen, Ursheim, in Theilenhofen und anderwärts.
So mußte es schon in der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts zur Verstrickung der gegenseitigen Interessen kommen. Dieses Kräftespiel der beiden Adelsgeschlechter führte vor allem in der Wörnitzniederung zwischen Oettingen und Wassertrüdingen zu bedeutenden Wandlungen. Die Edlen von Auhausen, schon seit dem 10. Jahrhundert in der alten Königsmark Westheim - Ostheim, vorwiegend in ihrem südlichen Teil stark begütert, kamen zwischen die beiden Mächtegruppierungen der Grafen von Oettingen westlich der Wörnitz und der Edlen von Truhendingen östlich davon wie zwischen zwei Mühlsteine. Sie geben ihre Machtposition an der Wörnitz zwar nicht völlig auf, verwandelten aber schon vor 1136 ihren Besitz in ein Kloster und behielten sich die Vogtei darüber vor. Ihre Herrschaft verlegten sie zur Lobendenburg im fernen Thüringen, wo sie einen Neubeginn wagten. Daß es schon um die Mitte des 12. Jahrhunderts zu Spannungen um die neuen Machtpositionen in unserer engeren Heimat kam, hat erst jüngst der bekannte Historiker Professor Dr. Stefan Weinfurter in einem interessanten Aufsatz "Friedrich Barbarossa und Eichstätt" im Jahrbuch für Fränkische Landesforschung BD. 52, S. 73 - 85 dargelegt. Darin nimmt der Verfasser auch Stellung zur Reform des Klosters Heidenheim . Nach seiner Meinung bestand in der Mitte des 12. Jahrhunderts eine gegensätzliche Machtgruppierung in dem Bemühen um das Kloster. Auf der einen Seite versuchten die Grafen von Oettingen im Bunde mit ihren Verwandten, den Grafen von Grögling (später von Hirschberg) die Reform des Klosters zu verhindern; auf der anderen Seite war der Bischof Gebhard II: von Eichstätt (1125 - 1149) bestrebt, das seit 790 bestehende Stift Heidenheim wieder in ein Benediktinerkloster nach Hirsauer Reformvorstellungen zu verwandeln. Er wollte dadurch seine schon seit dem 8. Jahrhundert im Hahnenkamm bestehende Besitzpositionen der Eichstätter Kirche stärken. Die beiden erstmals bei der Gründung des Klosters Plankstetten im Jahre 1129 als Spitzenzeugen genannten Brüder Friedrich und Adelbert von Truhendingen scheinen in der Angelegenheit der Heidenheimer Reform keine gemeinsame Haltung eingenommen zu haben. Jedenfalls schlug sich Adelbert von Truhendingen eindeutig auf die Seite Bischof Gebhards von Eichstätt. Die Edlen von Truhendingen, die sich nach Altentrüdingen, dem damaligen Truhendingen, benannten, weil sie dort die Vogtei über Güter des Reichsklosters Fulda innehatten, besaßen wohl seit etwa 1100 auch die Vogtei über die eichstättischen Waldungen auf dem westlichen Hahnenkamm beim heutigen Hohentrüdingen. Wäre das Kloster Heidenheim nicht reformiert worden, so hätte die Gefahr bestanden, daß die eichstättische Machtstellung vor der Haustüre der dynamisch sich entfaltenden Oettinger Herrschaft, vor allem die Güter des Klosters Heidenheim in Hüssingen, Hechlingen und Geilsheim in die Hände der Grafen gelangten. Damit wären auch die von der Eichstätter Kirche empfangenen Lehen der Edlen von Truhendingen auf dem westlichen Hahnenkamm gefährdet gewesen. Der Streit um die Reform des Klosters Heidenheim zog sich viele Jahre hin und bewegte weite Kreise. Der deutsche König Barbarossa und Papst Eugen III. wurden von diesen Auseinandersetzungen um die Reform des Klosters Heidenheim berührt. In Eichstätt kam es förmlich zur Bildung einer antistaufischen Parteinahme. Erst als Barbarossa im Einvernehmen mit dem päpstlichen Legaten den Reformgegner Bischof Burchard von Eichstätt absetzen ließ und seinen ihm treu ergebenen treuen Diener Bischof Konrad (1153 - 1171) mit der Leitung des Bistums beauftragte, konnte die Reform des Klosters endgültig vollzogen werden. Diese Vorgänge um die Mitte des 12. Jahrhunderts wirkten sich auch auf die Gestaltung der politischen Verhältnisse in der Landschaft zwischen Hahnenkamm und Oettinger Forst in besonderem Maße aus.
Infolge des nahen Beisammenliegens von Altentrüdingen und Wassertrüdingen und die Ähnlichkeit der Benennung ist man geneigt, eine Gemeinsamkeit bei der Entstehung der beiden Orte anzunehmen und das verbindende Element in der Herrschaft der Edlen von Truhendingen zu suchen. Wassertrüdingen sei dann irgendeinmal aus der truhendingischen Herrschaft gelöst und den Grafen von Oettingen unterstellt worden, sei es durch Kauf, Tausch oder Erbe. Die Urkunden jedoch lassen ein anderes Bild erkennen. Nicht Gemeinsamkeit der Herkunft unter der Führung der Edlen von Truhendingen, sondern Konkurrenzdenken war am Werke. Wassertrüdingen ist nicht aus der Urmark Altentrüdingen entstanden, sondern als Gegengründung der Grafen von Oettingen. Die Kernsiedlung von Altentrüdingen östlich des Mühlbaches ist durch die Schenkung der Dietlind von Alemannien im 8. Jahrhundert an das ferne Kloster Fulda gelangt. Der Grund und Boden in Altentrüdingen wurde dadurch Eigentum der Reichskirche in Gestalt des Klosters Fulda. Die Edlen von Truhendingen gelangten schon vor 1129 in Besitz der Vogtei über Altentrüdingen und wählten es zu ihrem namengebenden Ort. Die junge grundherrliche Gründung Wassertrüdingen westlich des Mühlbaches ist nicht auf fuldischen, sondern auf eichstättischen Grund und Boden entstanden. Aufgrund der Forstschenkung König Heinrich III. im Jahre 1053 fiel das noch nicht besiedelte Waldland um Wassertrüdingen der Eichstätter Kirche zu, die mit der Vogtei darüber die Grafen von Oettingen belehnte. Umstritten blieb der zwischen Altentrüdingen, Lentersheim und bei dem später entstandenen Wassertrüdingen liegende Wald Baudenhard, der dazumal viel größer war als heute und bis an die Wörnitz reichte. Die Truhendinger stießen in diesen eichstättischen Forst mit ihrem Burgenbau auf dem Kirchenbuck westlich des Mühlbaches vor, ohne allerdings eine Rechtsgrundlage dazu aufweisen zu können. Dieses widerrechtliche Vorgehen der Truhendinger rief den Wider stand der Grafen von Oettingen hervor. Sie fühlten sich als Vögte über den eichstättischen Wald. Die Grafen sahen durch dieses Hinübergreifen der Truhendinger über den Mühlbach auf eichstättischen Besitz eine Gefährdung ihrer auf eichstättischen Grund und Boden bestehenden Vogtei über den Reichenbacher Forst und schritten zu Gegenmaßnahmen. Sie setzten zum Schutze ihrer vogteilichen Interessen über den Reichenbacher Forst in die Wörnitzniederung auf eichstättischen Grund und Boden ihre Tiefenburg und nannten sie als Gegengründung zu Altentrüdingen nun Wassertrüdingen. Der territorial orientierte Gegensatz zwischen den aggressiv vorgehenden Oettingern und den ihre Position in Altentrüdingen verteidigenden Edlen von Truhendingen wurde durch die Klosterreform in Heidenheim beendet. Kaiser Barbarossa bestellte für das Bistum Eichstätt den energischen Bischof Konrad I. (1153 - 1171), der die Klosterreform in Heidenheim durchführte und damit die eichstättische Position am Hahnenkamm stärkte. Die Bestrebungen der Grafen von Oettingen in Richtung Kloster Heidenheim vorzudringen, wurden abgeblockt, aber die Truhendinger mußten ihre Burg westlich des Mühlbaches auf dem Kirchenbuck bei Altentrüdingen aufgeben. Bischof Konrad gründete in der Nähe von Eichstätt das Augustinerchorherrnstift Rebdorf und stattete es mit Besitzungen der Eichstätter Bischofskirche aus. Auch im nahen Geilsheim erhielt das Kloster umfangreichen Besitz. Die Vogtei darüber fiel der Herrschaft Truhendingen zu, so daß auch in diesem Ort ein truhendingischer Machtfaktor gegenüber der starken oettingischen Stellung westlich der Wörnitz gegeben war.

 
 
 
 
 

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