Zur Geschichte Hohentrüdingens  
 
 Vor der Ortsgründung: königlicher Forst 
 
 
 

Wer die Gelände- und Flurform, vor allem aber das Flurnamenbild von Hohentrüdingen in Betracht zieht, der gelangt zu der Vermutung, der Grund und Boden, auf dem der Ort und seine Gemarkung entstanden, sei noch bis in das 12. Jahrhundert bewaldet gewesen. An ein großes zusammenhängendes Waldgebiet ähnlich den großen Mittelbegirgswäldern wie etwa im Bayerischen Wald, im Odenwald oder Schwarzwald u.a. darf man freilich im Hahnenkamm nicht denken, erst recht nicht mehr im 12. Jahrhundert. Der Hahnenkamm war, wie die gesamte Schwäbische und Fränkische Alb, zu der er geologisch gehört (heute meist Jura genannt), eine der Altsiedellandschaften Süddeutschlands. Davon zeugen nicht nur die vielen Ortsnamen auf -ingen (Hüssingen, Döckingen, Polsingen) und -heim Orte wie Heidenheim, Degersheim, Auernheim, Ursheim, Ostheim, Westheim usw., sondern auch die Bodenfunde, die Grabhügel und Reihengräberfriedhöfe, wie einer erst jüngst im nahen Westheim ausgegraben und dokumentiert wurde. Wohl aber könnten sich in dem bergigen Gelände zwischen Spielberg und Hüssingen bis zur westlichen Rohrach hin noch große Waldstücke erhalten haben, die erst im 12. Jahrhundert durch Rodung erschlossen und von der Burgensiedlung der Herren von Spielberg, von Rechenberg und vor allem von der der Edlen von Truhendingen erfaßt wurden. Als unberührtes Urwaldgebiet kann man diese Wälder auf dem westlichen Hahnenkammsteilrand im 12. Jahrhundert nicht mehr bezeichnen. Die Bauern in der Königsmark Westheim - Ostheim, womöglich auch das 752 gegründete Kloster Heidenheim, hatten in diesem Bergwald wohl schon Nutzungsrechte in Form von Trieb- und Weideplätzen für ihre Rinder und Schafe und Mastgelegenheiten für ihre Schweine im Herbst. Der Bergwald von Hohentrüdingen schien einst Zubehör zu den Königshöfen Westheim und Ostheim gewesen zu sein. Das Eigentum an Grund und Boden in diesem Raum behielt sich aber der König vor, der dieses noch nicht durch die Siedlung erschlossene Waldstück vor dem Zugriff anderer begehrlicher adeliger Herren versperren oder bannen konnte, wie man in der Fachsprache zu sagen pflegt. Dieser königliche Bannwald zwischen dem Rechenberg und der Hüssinger Gemeindenutzung am Arlesgraben sollte die Wiege der Burg und des Ortes Hohentrüdingen werden. Nur der König konnte diesen Wald zur Rodung und Besiedlung freigeben. Dies geschah im 11. Jahrhundert. Darüber gibt eine Urkunde vom Jahr 1053 einen Hinweis.

 
 
 
 
 

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