Zur Geschichte Hohentrüdingens  
 
 Der Bauhof der Burg zu Hohentrüdingen 
 
 
 

Wenn heutzutage von einem Bauhof die Rede ist, so denkt man in erster Linie an ein Gebäude, in dem moderne technische Fahrzeuge und Geräte untergebracht sind und gewartet werden, die zur Betreuung der gemeindlichen Einrichtungen notwendig sind, die zur Instandhaltung der öffentlichen Straßen und Wege, der Bauten, der Pflege von Anlagen usw. gebraucht werden. Mit der Landwirtschaft hat der Bauhof heute keine Beziehung mehr.
Wenn im Mittelalter man von einem Bauhof hörte, so dachte man nicht etwa an das Bauwesen, das heute im Haus- und Wohnungsbau so eine enorme technische Entwicklung genommen hat, sondern an das Bebauen des Feldes. Das Ringen um das tägliche Brot bildete die Hauptsorge des mittelalterlichen Menschen, der Reichen wie der Armen. Auf ein komfortables Haus konnte er verzichten, fehlte aber das Brot, so war er dem Hungertod ausgeliefert. Ein Bauhof im Mittelalter brauchte ein Haus, eine Scheune und Ställe für Pferde, Ochsen, Kühe, Schweine, Ziegen, Schafe und viele Kleintiere wie Hennen und Gänse. Der Bedarf an Arbeitsgeräten wie Wagen, Pflüge, Egge hielt sich der Kosten wegen in Grenzen. Heu- und Strohvorräte sicherten das Überwintern der kleinen Viehbestände. Der Bauhof früherer Zeiten glich also in seinem Aussehen und in seiner Funktion nur einem gewöhnlichen Bauernhof, dem im Auftrag seines Herrn ein Oberknecht vorstand, der die Bezeichnung Baumeister führte, wobei wieder nicht an einen Maurermeister gedacht werden darf, sondern an einen etwas erfahrenen Bauernknecht.
Wie an den meisten mittelalterlichen Adelsburgen war auch in Hohentrüdingen ein Wirtschaftshof, ein Bauhof also, an die Burg angeschlossen, der für die Versorgung der adeligen Familie mit Nahrungsmitteln zuständig war, von dessen Erträge aber auch die unbehausten Knechte und Mägde, sowie die behausten Tagwerker und Taglöhner mit dem täglichen Brot versorgt werden mussten, wenn sie am Bauhof arbeiteten. Von dem Bauhof der Gründungszeit erfahren wir ebenso wenig wie über die Errichtung der Burg selbst. Die Quellen schweigen sich darüber aus. Erst zu Beginn des 15. Jahrhunderts eröffnen uns einige Nachrichten ein wenig den Blick auf das Wirtschaftsgut. Soviel aufgrund der späteren Nachrichten festgestellt werden kann, ist das Dorf Hohentrüdingen aus der Burg und dem Bauhof entstanden und nicht umgekehrt die Burg an einen bereits besiedelten Ort angebaut worden.
Die genaue Lage der ehemaligen Wirtschaftsgebäude des Bauhofes kann nicht mit letzter Sicherheit mehr angegeben werden. Sie waren ja nur im Gegensatz zur Burg in Holz und Lehm ausgeführt und mit Stroh gedeckt, mit Baustoffen also, die schnell der Verwitterung anheimfallen. Mauerwerk wurde beim Haus, den Städeln und Ställen sicherlich nicht verwendet, man ist auf solches bei späteren Bauarbeiten im Dorf auch nicht gestoßen. Für die Lage des Bauhofes würde sehr der Raum der oberen Vorburg sprechen (heute Anwesen Schröder, Schmidt August, Schwab, Ebert, Stumm). Dieser Raum war befestigt und an der Nord- und Südseite durch Steilhänge gesichert. Nach Westen schützte die obere Vorburg ein doppelter Halsgraben zur Kernburg hin. Nach Osten sicherte sie auch ein Graben, dessen Abfüllung anlässlich der Kanalisationsarbeiten deutlich erkennbar war. Was allerdings gegen diesen Standort des Bauhofes in der oberen Burg spricht, ist der Wassermangel. Die obere Burg lag schon im Bereich des Eisensandsteins, der infolge seiner wasserdurchlässigen Struktur als Brunnen nur mit Lehm ausgeschlagene "Dachbrunnen" zuläßt, sogenannten Zisternen, die in trockenen Jahren Mensch und Vieh nicht mehr mit dem lebensnotwendigen Wasser versorgen konnten. Mit mehr Sicherheit läßt sich der Standort des ehemaligen Bauhofes innerhalb des sogenannten Burgus annehmen, dort, wo heute die Anwesen Rühl (Bauer) und Habermeier etwas überhöht stehen. Der Bauhof lag also der oberen Burg benachbart und war zwar nicht so gut geschützt wie die Kernburg (um den heutigen Kirchturm) und die obere Burg, befand sich aber noch innerhalb des umwallten Burgus, der für eine gewisse handwerkliche oder gar städtische Entwicklung Hohentrüdingens wohl vorgesehen war, aber infolge der nicht gerade günstigen Verkehrslage des Ortes und des alten Marktes des Klosters Heidenheim nicht zur Entfaltung kommen konnte. Für diesen Standort des Bauhofes im oberen Bereich der "Feste Hohentrüdingen" spricht vor allem die Versorgung mit Wasser für Mensch und Vieh und die ziemlich ebene Lage für einen landwirtschaftlich ausgerichteten Hof. Es erscheint merkwürdig, daß ein Bauhof nicht unterhalb der Burg nach Westheim zu liegt, sondern auf der Höhe über der Burg auf der höchsten Erhebung. Doch die natürlichen Verhältnisse begünstigten diese Anlage. Die Hohentrüdinger Höhe läuft nach Osten und Süden hin in einer Verebnung aus, über die wasserführende tonig-lehmige Schichten ausgebreitet liegen. Die Ursache dafür, daß man den Bauhof auf der Höhe des Berges errichtete, liegt in der unterschiedlichen Durchlässigkeit der verschiedenen Gesteinsschichten. Auf der Gipfelebene der Hohentrüdinger Höhe vom Dorf ausgehend in östlicher Richtung über den Vorderloh, Krautgarten bis zur hohen Egerten (Hoichert) ruhen lehmig-tonige Schichten, die kein Wasser in die Tiefe des darunter befindlichen Eisensandsteins durchsickern lassen. Es treten auf diesen Lehmschichten zwar keine Quellen zutage, aber dort angelegte Brunnen erhalten, wenn sie mit Mauersteinen ohne Mörtel ausgelegt oder mit Eichenbohlen ausgeschlagen waren, schon in geringer Tiefe soviel Sickerwasser, daß diese Brunnen auch in trockensten Jahren nicht versiegten. Die Trauffläche, das Einzugsgebiet der Oberbergbrunnen ist so groß, daß dort alle Anwesen, die auf den Tonschichten ruhen, aus solchen Brunnen versorgt werden konnten und die Wasserqualität war nicht die schlechteste in dieser Gegend, da dazumal wenig gedüngt wurde. Aus dem gleichen Traufgebiet im Oberberg wurde mittels einer hölzernen Wasserleitung auch die tiefer gelegene Kernburg versorgt, worüber gesondert berichtet werden soll.

 
 
 
 
 

Fortsetzung