Zur Geschichte Hohentrüdingens  
 
 Warum brachten die Edlen von Truhendingen ihren Adelsnamen nach Hohentrüdingen mit? 
 
 
 

Da ein Ortsnamen auf -ingen nicht in die bergige Waldgegend von Hohentrüdingen paßt, muß angenommen werden, dass die Edlen von Truhendingen ihren Adelsnamen "mitgebracht" haben, als sie in der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts die große Vogteiburg auf dem westlichen Hahnenkamm erbauten. Die Adelsbezeichnung "von Truhendingen" hatte für ihr Familienbewußtsein wohl eine besondere Bedeutung gehabt. Altentrüdingen, vor 1200 der einzige Truhendingen-Ort und ohne Bestimmungswort "Alten"- einfach Truhendingen geheißen, nach dem sie sich benannten, galt dem Adelsgeschlecht als ein denkwürdiger Meilenstein auf dem Weg zum Aufstieg ihrer Herrschaftsbildung. Altentrüdingen gehörte dem bedeutenden Reichskloster Fulda durch die Schenkung der Dietlind von Alemannien im 8. Jahrhundert an, war also Grund und Boden der Reichskirche. Wenn nun die Edlen von Truhendingen schon im 11. Jahrhundert mit der Vogtei über Güter der Reichskirche in Gestalt der fuldischen Propstei Solnhofen, zu der Altentrüdingen im 11. Jahrhundert gehörte, beauftragt waren, so bedeutete das für sie nicht nur höheres Ansehen, sondern auch Ausgangspunkt und Ansatz für ein territoriales Programm, das es auszubauen und zu verwirklichen galt. Teilhabe an der Vogtei über Reichskirchengut, das bedeutete für die Familie Ansehen und Machtwillen. Hinter dem Adelsnamen "von Truhendingen" steckt also mehr als nur eine Ortsbezeichnung, an ihm haftete ein bewußter Beginn für eine neue Herrschaftsbildung. Daß die Truhendinger gerade Altentrüdingen als namengebenden Ort ihrer Herrschaft und nicht Solnhofen oder Kurzenaltheim oder einen anderen fuldischen Ort in diesem Raum, den sie bevogteten, ausgewählt haben, hat wohl seinen Grund darin, daß Altentrüdingen an einer wichtigen Straße lag (Furt über den Mühlbach) und nicht allzuweit entfernt von ihrem weiteren Vogteibezirk über Güter des Klosters Ellwangen in Unterwurmbach und im Raum Gunzenhausen. Zudem lagen die Eichstätter Lehen über die Wälder des westlichen Hahnenkamms in der Nähe. Diese nahe beieinander liegenden Herrschaftsbezirke in Form der Vogtei mit ihrer Gerichts- und Schutzfunktion in dem altbesiedelten Raum vor dem Hahnenkamm konnten gebündelt werden und boten in der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts die Aussicht auf einen geschlossenen Herrschaftsbereich für die Zukunft, zumal die Vogtei in der Familie erblich blieb. Der Ort Truhendingen, später Altentrüdingen genannt, bedeutete den Anfang dieser Entwicklung und Programm für den Aufstieg für die Herrschaft der Edlen von Truhendingen. Deshalb hingen sie an dem Ort, nannten sich nach ihm und drückten damit die Tradition ihres Familienbewußtsein aus. Als sie dann, wie wir noch sehen werden, dem Druck des ebenfalls durch die Gunst des Königs Konrads III. (1138 - 1152) mächtig emporstrebenden Grafengeschlechtes der Oettinger auf der westlichen Seite des Mühlba-ches bei Altentrüdingen weichen und ihre dortige Vogteiburg aufgeben mußten, erbauten sie sich in der Nähe des von ihnen bevogteten Klosters Heidenheim auf dem Hahnenkamm eine feste Höhenburg und verbanden mit ihr den alten Traditionsnamen Truhendingen und versahen ihn mit dem schmückenden Beiwort Hohen (trüdingen). Der Schwerpunkt ihrer Macht wurde verlagert, das ursprüngliche Programm, das an den Namen Truhendingen geknüpft war, nicht aufgegeben. Die Namenübertragung wurde also bewußt vollzogen.

 
 
 
 
 

Fortsetzung