Zur Geschichte Hohentrüdingens  
 
 Wirtschaftsweise im Bauhof: Eigenbau 
 
 
 

Für die weitere geschichtliche Entwicklung des Dorfes Hohentrüdingen ist die Wirtschaftsweise auf dem Bauhof nicht ganz ohne Bedeutung. Die Grundherren im frühen und hohen Mittelalter im Hahnenkamm folgten nach den Vorbildern in anderen Landschaften für die Bewirtschaftung ihres oft weit zerstreuten Besitzes zweien Wirtschaftsformen. Das Kloster Heidenheim z.B. als geistlicher Grundherr hatte in Heidenheim um seine Klostergebäude einen Großhof eingerichtet von etwa 500 Joch Ackerland und 150 Tagwerk Wiesen, der im Eigenbau bewirtschaftet wurde. Man darf sich durch den erst von der Fachsprache eingeführten Begriff Eigenbau nicht irreführen lassen. Er bedeutet nicht, daß die Mönche nun selbst Hand an den Pflug legten und den Hof bewirtschafteten. Das Kloster hielt sich für die Arbeit auf dem Großhof eine Anzahl von ständigen und nichtständigen Arbeitskräften, Knechte, Mägde und Taglöhner, die auf dem Bauhof arbeiteten und dafür mit materiellen Gütern, später auch in Geld entlohnt wurden. Alles, was sie erwirtschafteten, floss in das Eigentum der Mönche, in den Bauhof, daher wird Eigenbau diese Art der Bewirtschaftung genannt. Der Bauhof des Klosters wurde also in Form einer kleinen Gutswirtschaft betrieben.
Für seinen auswärtigen Grundbesitz in Hüssingen, Hechlingen, Geilsheim und anderwärts musste das Kloster einen anderen Weg der Bewirtschaftung beschreiten: es gab seinen gesamten Grund und Boden in den entfernten Orten zur Bearbeitung an selbständig wirtschaftende Bauernfamilien aus und verlangte dafür Abgaben in Naturalien (Getreide, Käse, Eier, Erbsen und Schweine) und Geld. Zur besseren Kontrolle unterstellte das Kloster einem großen Meierhof von etwa 90 - 120 Tagwerk mehrere kleine Bauernhöfe, die von der Grundherrschaft so groß bemessen wurden, daß sie von einer bäuerlichen Familie bewirtschaftet werden konnten. Man nannte diese Höfe Hufen oder Huben. Zur Sicherung der Ertragsfähigkeit dieser Höfe und ihrer alljährlich festgelegten Abgaben, die durch die Jahrhunderte gleichblieben, waren den größeren Höfen Arbeitskräfte zugeteilt - meist musste sich der Bauer selbst darum kümmern - die als Knechte und Mägde "unbehaust" auf den Höfen lebten oder als "behauste" Tagwerker in ihrem Häuslein lebten, zur Arbeit auf die Höfe gingen, wenn sie in Zeiten erhöhten Arbeitsanfalles (Ernte) benötigt wurden, sonst aber nebenbei ein Äckerlein oder eine eigene Wiese oder ein Holz bewirtschafteten. Diese Art der Bewirtschaftung des grundherrlichen Eigentums des Klosters würde man in der Fachsprache als Fronhofsverband bezeichnen, von dem mittelhochdeutschen Wort vro = Herr. Im Fronhofsverband, auch Villikation genannt, sind also Meierhof, Huben, Lehen, Selden und Hofstätten zusammengeschlossen. Sie bilden eine Wirtschaftsgemeinschaft. Alle müssen sich bemühen, die Abgaben an den Herrn (an das Kloster Heidenheim) herauszuwirtschaften und somit ihr eigenes und vor allem das Leben ihres Herrn zu sichern.
Wie stand es nun in der Anfangszeit mit der Bewirtschaftung der Felder, Wiesen und Wälder der Adelsburg Hohentrüdingen? Wir haben darüber keine Angaben, können aber aus den Nachrichten um 1329 und aus Flurnamen, sowie aus den Erkenntnissen, die die Agrargeschichte in anderen Landschaften erarbeitet hat, über die Frage der Bewirtschaftung des Burggutes zu einer Lösung kommen. Demnach gab es zur Zeit der Entstehung der Burg und des Ortes Hohentrüdingen im 12. Jahrhundert keinen einzigen selbständig wirtschaftenden Bauern, nur lauter "kleine Leute", die kümmerlich in selbstgezimmerten, strohgedeckten, aus Holz und Lehm errichteten Häusern hausten und als Tagwerker zeitweise an dem Bauhof arbeiteten. Solche Leute kann man nicht als Bauern bezeichnen. Das gesamte in der Frühzeit erschlossene Feld in Hohentrüdingen gehörte in den Bauhof. Es wird sich vorwiegend in den bequem zu erreichenden Fluren befunden haben, die heute den Namen Breitung und Hoffeld führen. Es mögen etwa so 100 bis 120 Joch Ackerland gewesen sein. Gegenüber dem Bauhof des Klosters Heidenheim, wie er um 1400 in den Quellen erscheint, war der Bauhof von Hohentrüdingen wohl wesentlich kleiner gehalten. Es arbeiteten hier auch zur Anfangszeit keine 46 Familien, wie sie 1535 erwähnt werden. Das älteste Wiesenland müssen wir uns wohl nicht oben auf der Höhe der Breitung vorstellen, sondern da, wo es sich auch heute befindet: auf den ausdauernden Böden des wasserundurchlässigen Opalinustones, also in der Buchwiese und in der Grummetswiese. Eine reiche Ausstattung mit Arbeitsgeräten darf man in der Anfangszeit des Bauhofes nicht erwarten. Ein Wagen, ein Pflug, eine Egge, hölzerne Gabeln, Schaufeln und Rechen, recht viel mehr wird nicht vorhanden gewesen sein.

 
 
 
 
 

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