Hohentrüdingen - aus der Geschichte eines Dorfes  
 
 Aus vergangenen Tagen in Hohentrüdingen 
 
 
  1722

Donnerstag den 4. Juni 1722, während eben das Kapitel zu Wassertrüdingen war, wurde in Beisein Herrn Oberamtmanns von Wackerbarth von Hans Kasper Leibenzeder, Maurermeister in Hüssingen, der erste Grundstein zu dem Pfarrhaus geleget. Gott fördere dieses gute Werk durch bequeme Witterung und bewahre alle, die daran arbeiten, vor Unfällen.

1723

Mittwochs den 13. Januar 1723 ist das neuerbaute Pfarrhaus allhier von mir, Pfarrer Holfeldern, bezogen und das bis anhero bewohnte Kaplaneihaus Westheim dargegen Hans Kaspar Meyer ,als Käufern, dessen, eingeordnet worden. Gott segne den Eingang in dasselbe, auch jedesmalen den Ausgang. Anno 1723 hat die hiesige Pfarrgemein auf mein an sie beschehenes Ansinnen zu wirklicher Einweisung der ihrem Seelsorger schuldigen Liebe und Erleichterung, des an sich nicht nur sehr weiten, sondern auch höchst untauglichen Kirchenweges, den neuen und sogenannten Pfarrweg angelegt und zustand gebracht.

1725

Zur merklichen Erleichterung der Ökonomie und Überwindung aller besorglichen Feuersgefahr ist, besagter Pfarrakten, auf mein, den 4. 1725 beschehenes Supplicieren ( flehentliches Bitten ) der vor dem Pfarrhof befindliche und von dem Vordernlohe als unter einer Distanz ( Entfernung ) von 480 Schritten hereingeleitete Springbrunnen, dessen Unkosten inklusive ( einschließlich ) des Teuchelholzes auf 149 Gulden 6 Kreuzer beloffen, mit der Maß gnädigst bewilliget worden, dass die Gemein gegen das offerierte onus conservande ( angetragene Unterhaltungspflicht ) mit Aufgraben, Zudecken und Belohnen des Brunnenmeisters den Anstich oder Abfall davon haben soll.

1762

Im Jahre 1762 am 15. Juni hat ein heftiges Wetter in unseren hiesigen Turm geschlagen und hat nicht nur alles Holzwerk verbrannt, sondern auch die Glocken hinabgeworfen, wovon die zwei kleinen gänzlich verderbet, die große aber noch ganz geblieben, doch ist sie nebst den zwei kleinen zu Crailsheim durch Herrn Glockengießer Löch eingeschmolzen und drei andere Glocken nach proportionierten Guß unterfertigt worden als eine von1, eine von 7, eine von 4 Zentnern gegossen worden.

1763

Den 7. September ist der Turm aufgerichtet und ein Spruch von dem Zimmergesellen Neidlein getan worden. Um 8 Uhr ist mein Knecht, der Wirth Fischer und Thomas Hausler abgefahren, die neugegossenen Glocken zu Crailsheim abzuholen und am 10. September sind sie abends um 5 Uhr glücklich zurückgekommen. Anno ( im Jahre ) 1763 Mittwoch, den 14. September sind die Glocken von dem Glockengießer Lösch auf den Turm gehänget und hierauf wieder ordentlich geläutet worden. Gott wöll künftig Kirch und Turm vor allem Unglück gnädig bewahren. Am 16. September hat man das erstemal mit den Glocken 11 und 12 Uhr geläutet.

1770

Im vorigen Herbst, Winter, Frühjahr und Sommer hatte man beständig Regenwetter. Auch fiel um Ostern noch ein grausamer Schnee, der 14 Tage liegen blieb. Die Vögel sind dabei dem Tausend nach umgekommen, sonderlich die Lerchen, welche man mit der Hand auf dem Feld fangen konnte. Die beständig nasse Witterung, sonderlich der letzte Schnee tat denen Früchten so weh, dass wir ein großes Mißjahr bekamen. Ganze Morgen standen da mit Roggen, Dinkel, Gersten, darauf man kaum eine Garbe bekam. An Roggen war vornehmlich Mangel. Die Teuerung wurde sehr groß und welches das wunderbarlichste ist, so fing sie um die Erntezeit an und wuchs beständig. Das Brot wurde zum Erbarmen klein. Zu Ende dieses Jahres kostete der Simra Roggen, nämlich 10 Oettinger Viertel 36 - 38 Gulden, der Kern ( enthülster Dinkel ) und Weizen ebensoviel, das Simra Gersten 42 - 45 Gulden, Haber 16 1/2 Gulden, ein mittelmäßige Welschruben 2 Kreuzer. Kraut ist wenig gewachsen.

1771

Den 5. Mai Sonntag Rogate, abends zwischen 4 und 5 Uhr, hatten wir hier ein erstaunliches Hagelwetter. Der Hagel war wie die Schusser, aber in großen Mengen. Das beste war, dass der Same noch ziemlich klein war. Die Blütknospen, die eben beim Ausbruch waren, wurden meistens von den Bäumen geschlagen.

1785

In eben diesem Jahr ist von Herrn Oberamtmann der Gemeindacker neben dem oberen Krautfeld auch abgeteilet worden und einem jeden Haus ein Teil gegeben worden wie auch dem Pfarrer Nummer 42. Solches Feld soll künftig zu Kraut- und Rübenbau angewandt werden. Durch dieses und obige 2 Erdbirnfeld leidet ganz natürlich der kleine Pfarrzehnt.

1781

Den 2. August in der Nacht um 11 Uhr kam ein starkes Kieselwetter mit entsetzlichen Wassergüssen, welches manchen Schaden getan am Sommerbau, doch nicht so sehr, als man vermutet hatte. An andern Orten z.B. Döcking, Ursheim und Hechling war es stärker. Besonders hatte der Haber gelitten. Im Monat November wurde Johann Leonhard Schwarz von seiner Frau geschieden. In diesem Herbst ist der hiesige Schäfer inhaftiert worden, welcher mit anderen Schäfern Hämmel und Schafe gestohlen und dies Jahr besonders viel. Allhier hat er 2 Stück gestohlen, so dem Wirth gehöret.

1783

Den 7. Mai schlug das Wetter in die hiesige Kirche, zerschmetterte das mittlere Kirchenfenster in den Schloßhof hinein. Weil die Kirchentür offen stund, so fand der Blitz seinen Ausgang. Doch hier und da fand man Spuren, besonders an den beiden Ecken des Altars.

1784

Das vorige Jahr ereignete sich ein starker Nebel, so über sechs Wochen gedauert und den man den Hährauch nannte. Man befürchtete schwere Gewitter, allein es sind die Früchte gut geraten. Nachdem solcher vergangen war, fiel eine Dürre ein.

1787

Den 17ten Februar starb dahier Ihro Exzellenz Herr Wolf Philipp von Leubelfing, der Letzte seines Geschlechts in Franken. Nur in Bayern gibt es noch Grafen von Leubelfing, sowie auch der letzte Oberamtmann dahier. Sein sehr ansehnliches Vermögen, das sich über 200000 rheinische Gulden belief, erhielten seine armen Schwesterkinder, die von Brandis aus Großen- Sorheim um Ries. Von diesem Vermögen wurde vorzüglich auf Anregung des S.T. (ohne Titel ) Herrn Hofrat und damaligen Heiligen- Deputatus Christ. Ferdinand Hänlein zu Ansbach, ein Kapital von 300 rheinischen Gulden legiert (hinterlegt ), dafür dem Herrn Verstorbenen ein Grabmal gesetzt würde an den Platz in die Mauer, wo er begraben lieget.

1788

Den 10. Januar wurde die mittlere Glocke wieder auf den Turm gebracht, von welcher bei dem Trauerläuten für Ihro Königliche Hoheit der verwitwete Frau Markgräfin Luise, ein Stück ausgesprungen und verflossenen Sommer von Herrn Johann Ernst Lösch zu Crailsheim wieder umgegossen worden. Sie wiegt 7 Zentner und etliche 30 Pfund. Die Kosten darüber wurden von gnädigster Herrschaft bestritten und von dem Wohllöblichen Kastenamt bezahlt.

1791

Den 8. bis 9. Mai fiel eine starke Kälte ein, so dass es ziemlich gefroren, da das Korn, so im tiefen Tale und an dem Wasser stand, sehr großen Schaden gelitten.

1793

In diesem Jahr ist das Obst allhier sehr teuer geworden, weil an den meisten Orten solches nicht geraten. Die Bachäpfel und Rubiner kosteten das Hundert 1 Gulden, auch mehr; die Nüsse das Hundert 8 bis 9 Kreuzer.

1794

Am 26. August hat der Metzger Johann Leonhard Schwarzländer 1 Paar Kerzen gestiftet zur Dankbarkeit, dass ihn Gott so gnädiglich erhalten, denn er fiel in den Brunnen im Vorderloh. Dies 1794te Jahr war ein außerordentlich gesegnetes Jahr. Die Winter- und Sommerfrüchte stunden herrlich und wurden auch recht gut hereingebracht wie auch die Brachsachen.

1795

wurde die kleine Glocke im hiesigen Kirchturm umgegossen; sie wiegt nur 384 Pfund und ist den 5ten August hierher kommen und aufgehängt worden. Den 9. August kam mittag nach 3 Uhr ein sehr starkes Hagelwetter, so großen Schaden an Fenstern und Feldern getan, besonders im Unterberg. Es traf auch viele Äcker, Hafer und Gersten litten Not. Und weil der Strich vom Sand her über den Ort ging gegen das Hölzlein zu, so hatte ich ( der Pfarrer ) viel Schaden, weil diesmal besonders hier die Brachfrüchte stunden. Dahero mußte ich meinem Zehent- Beständer 30 Gulden erlassen. Den kleinen Zehnten habe ich anfänglich um 150 Gulden erlassen, weil alles nicht nur schön stände, besonders der Flachs. Doch Dank sei dem großen Gott, dass er es so gnädig gemacht. In Westheim, Großweiler ( Roßmeiersdorf ) und Pagenhard hat es mehr Schaden angericht und den Dinkel, Weizen, Gersten, Hafer hat es total verderbet. Der Strich ging von hier über die Höfe und reichte bis Dittenheim, wo es große Verwüstungen angerichtet.
Den 5. September kam die Erlaubnis, dass die verwitwete Frau Wildmeisterin Werner sich durft einen eigenen Kirchstuhl bauen lassen.

1797

Den 23. April abends nach 8 Uhr kam ein sehr starkes Donnerwetter mit drei heftigen Schlägen, davon der erste in den Kirchturm bei der Uhr eingeschlagen, den Draht zur Uhr geschmolzen, sonst aber nicht gezündet und Schaden getan; im Wald einige Bäume zerschmettert. Gott sei Dank, dass es gnädig vorbeigegangen.

1798

Das 1798te Jahr wahr ein recht gutes Jahr an Getreid. Das Obst ist garnicht geraten, weil der Winter sehr heftig war, so dass die Nussbäume fast völlig verdorren und nicht eine einzige Nuss bekommen. Hingegen war das Getreid etwas wert wegen des Krieges.
Ich habe vergessen zu bemerken, dass im vorigen 1797ten Jahr wegen der Viehseuche, so besonders in Westheim, Ostheim, Geilsheim ecetera sehr stark grassierte, doch Gottlob hiesiger Ort verschont geblieben.

1799

Im Jahre 1799 war das Getreid sehr reichlich ausgefallen und stund in großem Preis. Das Obst hingegen ist hier garnicht geraten.

1802

Den 8. Dezember nachts zwischen 7und 8 Uhr ist durch einen heftigen Knall ein Stück an der Kirchenmauer hinter der Orgel am Krausischen Stand zersprungen und hat einen großen Riß verursacht. Im Frühjahr 1803 ist diese zersprungene Mauer von dem Maurermeister Johann Adam Meyer allhier wieder repariert worden.

1804

Am 9. Oktober, also am Kirchweihsonntag nachts zwischen 12 und 1 Uhr kam in der Scheune des allhiesigen Untertans und Webermeisters Johann Michael Wersching Feuer aus. In einer Zeit von einer halben Stunde brannte die ganze Scheune nebst dem darin befindlichen Viehstall ab. Es verbrannten 2 Ochsen, 1 Kuh, 1 Kalben, 4 Stück Schafe und 1 Lamm. Zwei Gänse sind unbeschädigt geblieben, weil sie bei Eröffnung des Stalles hinausgeflogen sind. Ferner an Getreid verbrannten: 4 1/2 Schober Korn, woran 1/2 Schober zum Samen schon gedroschen war, 1 Schober Dinkel, 1/2 Schober Dinkel und Korn untereinander, 3 1/2 Schober Gersten. 1 1/2 Schober Hafer, 1 Schober und 10 Büschel Erbsen, 45 Büschel Linsen und 21 Büschel Bohnen. Ferner ein Wagen bis auf die Räder, ein Futterstuhl, Seile, Dreschflegel und alles, was zur Scheune gehört. Das Kalb wurde ganz verbrannt und das, was noch von den Ochsen, Küh und den Schafen nicht verbrannt war, wurde hinter dem Stadel eingegraben. Da gerade an diesem Kirchweihsonntag die jungen Leute des Ortes bei Musik und Tanz sich vergnügten und fröhlich waren, kamen sie alle aus den Wirtshäusern heraus und halfen den Brand löschen. Auch wurde das Feuer durch den Regen, der gerade auch zur rechten Zeit kam, bald völlig gelöscht. Kein anderes Haus wurde von dem Feuer beschädigt, nur dieser Stadel allein ist abgebrannt. Aus den benachbarten Ortschaften Heidenheim, Hechlingen, Hüssingen, Ostheim, Westheim, Geilsheim und den Weiler, sowie auch aus Oettingen und Wassertrüdingen kamen Leute mit Feuerspritzen zum Löschen des Feuers herbei. Der Urheber dieses eingelegten Feuers ist bisher noch unbekannt geblieben. Dieser Brandschaden wird auf 1000 Gulden geschätzt.

1806

Im Jahre 1806 den 22. April bezog ich, Pfarrer Johann Friedrich Ebersberger, 15 Jahre lang gewesener Rektor zu Crailsheim, die hiesige Pfarrei. Ich wurde von dem Herrn Wildmeister Krackher, dem Schulzen und 5 Bauern von Wassertrüdingen aus mit allen den Feierlichkeiten wie meinen Vorgängern eingeholet, auch bezahlte die Gemeinde für 3 Wägen mit meinen Mobilien 100 Gulden. Am 8. Juni als am 1. Sonntag nach Trinitatis wurde ich von Herrn Dekan Frank von Wassertrüdingen unter Assistenz des Herrn Seniors Vogt von Ostheim und des Herrn Kammerarius Ernst von Westheim eingesetzt. Herr Justitzamtmann Schneider von Heidenheim hielt eine Rede und Herr Registrator Loschge verlas das Präsentations- Rescript. Ich selbst hielt meine Antrittspredigt über den Text: Ich freue mich, dass ich von euch alles Gute hoffen darf.

1808

Freitags den 11. August früh nach 1 Uhr schlug der Blitz in den Kirchturm, zerschmetterte die Zeigerstange, fuhr an der großen Glocke herunter, wovon man das Geklingel deutlich hörte und von da durch einen Balken des Glockenstuhles, aber ohne die geringste Spur des Sengens hintersich zu lassen.

1809

Sonntags den 4. Juni nachts gegen 11 Uhr fuhr der Blitz, von einem entsetzlichen Donnerschlag begleitet, abermals in den hiesigen Kirchturm. Er nahm seinen Weg an der eisernen Tulpe, die über der Turmfahne hervorragte und die er herunterbog und herabschleuderte, durch das Turmdach, welches er ganz abdeckte, von da durch den Glockenstuhl, den er beschädigte und von der ihn umgebenen Mauer gegen Abend (Westen) ein großes Stück niederriß. Dann fuhr er im Innern des Turms an der Mauer herunter, stürzte große Quadersteine herunter, drang von der Seitenwand in die Sakristei und von dieser durch das Fenster in den Schloßhof, wo er ein tiefes Loch in die Erde schlug. Von der heftigen Explosion wurden alle Ziegel vom Turm und die erst vor einem Jahr neu gemachten Jalousie-Läden zertrümmert und herabgeworfen. Die Kanzeltüre in der Sakristei wurde zerbrochen und endlich alle Fensterscheiben sowohl in der Sakristei als in der Kirche zertrümmert.

1809

Bei der im Jahre 1809 allhier vorgenommenen Partial-Hutteilung (Teilung der Weidegründe) erhielt die Pfarre Nr. 39, ein ungefähr einen halben Morgen betragendes Stück Land in dem Faulen Wasen unter dem für den Stahlischen Acker abgemessenen Feldweg und Nr. 11, nicht gar ein Viertel Morgen, unter den unteren Weiherbeeten links. Die die Pfarre betreffenden und von mir (dem Pfarrer) bezahlten Teilungskosten machten 3 Gulden 39 Kreuzer. Der durch diese Verteilung verursachte Ausfall bei dem kleinen Zehnten soll durch ein Stück Land von der Gemeinde vergütet werden.

1811

Bei der im Jahre 1811 abermals hier vorgenommenen Hutteilung erhielt die Pfarre etwas über einen Morgen Land auf 3 Plätzen: 1).auf dem Breschlingberg Nr. 14; 2). in der Rauhgaß Nr. 23; 3). auf dem Heidenheimer Buck Nr. 41.

1812

Bei der Kirchenvisitation wurde vom Dekanat dem hiesigen Dorfgerichte die zwei ersten Fenster von der Treppe her des ehemaligen oberamtlichen Kirchenstandes als Kirchenstuhl angewiesen. Auch wurde in diesem Jahr wegen Abbruch des Schlosses eine ganz neue massive Kirchenmauer auf der Abendseite auf Kosten des Staates aufgeführt.

1814 und 1815

Erfroren die Nüsse ganz, so dass der Zehnte auch nicht eine einzige erhielt.

1816

Das Jahr 1816 war ein beispielloses nasses Jahr. Alle Flüsse traten aus und verderbten große Landstrecken durch Überschwemmung. Die benachbarte Altmühl trat das ganze Jahr über nicht mehr in ihr Bett zurück. Alle Wege waren grundlos und nicht mehr zu passieren. Das Korn mißriet, Rußland ausgenommen, in ganz Europa. Hier wurden aus dem Schober 1 bis 2 Viertel ausgedroschen. Große Hagelschauer, die über alle Länder ausbrachen, richteten große Verwüstungen an. Auch hier wurde dadurch das Winterfeld in Kleinhausen und alles Obst ruiniert. Es gab nichts als etwas Gerste, Hafer und Dinkel und die Brachfrüchte gaben nicht einmal den dritten Teil ihrer gewöhnlichen Ernte. Hierzu kam noch ein früh eintretender Winter, so dass der meiste Flachs auf dem Felde blieb und im Frühjahr ganz verwittert und unbrauchbar war. In Meinheim und anderen Orten an der Altmühl wurden Hafer und Gerste erst nach dem neuen Jahr heimgebracht. Die bei uns naß eingesammelten Erbsen, Linsen und Schweinebohnen verschimmelten trotz aller Vorkehrungen auf dem Haufen. Das wenig erbaute Kraut war um Neujahr im ganzen Dorf schon aufgezehrt und der größte Teil unserer Schweine war an einer Seuche gefallen und das Rindvieh wurde an dem schlechten Futter matt und kraftlos.

1817

im Jahr 1817 eine ungeheuere Teuerung aller Lebensbedürfnisse. Die höchsten Getreidepreise waren im Juni 1817 folgende: Der Münchner Scheffel Korn 75-80 Gulden; der Münchner Scheffel Weizen oder Kern 95-100 Gulden; Gerste 60-65 Gulden; Hafer 30-35 Gulden. Schweinefleisch war nicht mehr zu haben; das Pfund Rindfleisch 15 Kreuzer, Hammelfleisch 12 Kreuzer, Kalbfleisch 10 Kreuzer, 5 Eier 8 Kreuzer, ein Pfund Schmalz 1Gulden 3 Kreuzer, das Viertel Erdbirn 2 Kreuzer, eine Krautrübe 6 Kreuzer.

1817

Den 20. Juni schlug der Blitz nachmittags um 4 Uhr in das Haus des unteren Becken Stöppler. In einer Minute stund das Haus dasselbe von allen Seiten in lichten Flammen. Zwar wurde durch unsere und unserer braven Nachbarn, der Heidenheimer, Ostheimer, Westheimer und Hüssinger Anstrengung die Scheune und die Wohnstube gerettet, aber die in Heugeschäften abwesenden Stöpplerschen Eheleute verloren doch einen bedeutenden Teil ihrer Mobilien. Auch erstickte das jüngste Stück Vieh. Weil sich bei diesem Brande kein Lüftchen regte, so konnten die benachbarten Strohdächer gerettet werden. Die Oettinger- und Wassertrüdinger Feuerkünste (Feuerspritzen) kamen herbei und der Fürst von Oettingen war selbst gegenwärtig. Die Ostheimer Feuerkunst war aber die erste und die wirksamste. Unsere Brunnen und der zugleich in Strömen fallende Regen gaben uns doch diesmal genügend Wasser.

1817

In diesem Jahre bekam die Kirchenmauer bedeutende Risse und senkte sich. Die Bauinspektion trug auf die Erbauung einer ganz neuen Kirche gerade in der Mitte des Hügels an, welches auch genehmigt wurde. Der Grund zu dieser Kirche wurde bereits im Herbste 1817 gelegt.

1818

Der Kirchenbau wurde im Laufe dieses Jahres fortgesetzt. Am Trinitatisfest 1818 wurde die letzte Gottesverehrung in der alten Kirche gehalten, die dann in der folgenden Woche behülfs der Baumaterialien zu der neuen Kirche eingerissen wurde. Die sonntäglichen Gottesdienste wurden den Sommer über bei schönem Wetter auf dem Walle neben dem Brechhause und bei schlimmen Wetter in der Schulstube gehalten. Am Weihnachtsfeste 1818 versammelte sich aber die Gemeinde zum ersten Male in der noch nicht ausgebauten neuen Kirche.

1819

Am 31. Oktober 1819, als am neuverordneten Reformationsfest war auch der Einweihungsakt unserer schönen Kirche. Der aus mehreren Tausenden bestehende Zug ging unter Musik und dem Gesang "Sei Lob und Ehr dem höchsten Gut..." von der Pfarrwohnung aus in die Kirche. Herr Landrichter Schneider und Herr Rentbeamter Mozart aus Heidenheim führten den Herrn Konsistorialrat und Dekan Ebermeier von Dittenheim, Herrn Pfarrer Morns von Heidenheim und Herrn Pfarrer Roth von Kurzenaltheim, führten als Assistenten mich, den Ortspfarrer. Auch trugen wir drei letzteren die Vasa sacra. Nach dem Liede "Nun danket alle Gott" hielt Herr Dekan die Einweihungsrede und ich die Predigt, welche bei den Pfarrakten liegt. Nach dem Schlussgebete und Singen wurde auch noch eine Taufhandlung vorgenommen und so die feierliche Handlung mit allgemeiner Teilnahme geschlossen. Die Gemeinde regalierte (bewirtete unentgeltlich) die oben erwähnten Amtspersonen und Assistenten mit einer Mahlzeit, welche fröhlich bei dem Beck Stöppler eingenommen wurde. Nicht bloß die Kosten des Kirchengebäudes, sondern auch die der Kanzel und des schönen Altars, der Kirchenstühle und selbst die der inneren Reparatur der Orgel wurden von dem Königlichen Areal bestritten. Durch Stiftungen machten sich bei dieser Gelegenheit verdient: 1). Der hiesige Söldner Johann Adam Dürr durch die Stiftung des Brustbildes des großen Reformators. 2). Der hiesige Herr Wildmeister Kracker durch die Bekleidung des Altars mit einem roten Tuche. 3). Der hiesige Schullehrer Heinrich Frieß durch die Bekleidung des Altars mit einem weißen Tuche. 4). Die hiesige Gemeinde durch freiwillige Übernahme der äußeren Verschönerung der Orgel, des Taufsteins und der zwei Kreuze, welches letztere einen Aufwand von 52 Gulden verursachte.

1828

Im August erhielt der hiesige Heilgen (Kirchenstiftung) ein Legat (Vermächtnis) von 200 Gulden von der Frau Belzmüllerin Friderica Richter, einer geborenen Werner, Wildmeisterstochter von hier, und verheiratet in Augsburg, unter der Bedingung, dass von den davon fallenden Zinsen immer vor allem die nötigen Reparaturen an den 4 Epitaphien (Gedenktafeln) der Wernerschen Familie in dem neuen Kirchhofe sollen bestritten werden.

1831

stifteten die Länglerischen Eheleute, nämlich Johann Georg Längler und sein Eheweib die Einfassung des Altars. Die Besorgnis vor der in Oesterreich und Preußen herrschenden Cholera war sehr groß. Für die an dieser Krankheit Sterbenden wurde zum Voraus schon ein Begräbnisplatz auf dem Vorderloh bestimmt, Gottlob aber nicht gebraucht.

1833

Die hiesige große Glocke bekam einen Sprung und wurde dadurch klanglos. Auf Kosten des Areals wurde sie mit einem Aufwand von beinahe 300 Gulden umgegossen von dem Glockengießer Probst in Nördlingen. Sie wiegt 1034 Pfund, also 59 Pfund mehr als vor dem Umguß und wurde zum erstenmal geläutet an der Kirchweih dahier 1833, wo eine eigene zu dieser Behuf passenden Predigt von dem derzeitigen Vikar Ferdinand Ebersberger hierüber gehalten wurde.

1834

Die Erde von dem ehemaligen Schloßgarten, die Stachete genannt, wich plötzlich, drückte die einfassende Mauer um und machte die untere Hohlgasse dadurch unpassierbar. Dies gab die Veranlassung, dass die früher enge Hohlgasse erweitert worden ist. Zugleich hat die Gemeinde den Fahrweg nach Heidenheim bei dem Baumgarten teils durch allmähliche Abtragung des Berges und dann durch Chaussierung recht gut befahrbar gemacht.

1835

In diesem Jahr war wegen Ausbleibens des Regens in allen Getreidearten ein sehr empfindlicher Mißwachs, besonders aber im Heu und Grummet, so dass die hiesigen Einwohner ein Drittel ihres Viehbestandes verschleudern mußten. Für eine Kuh erhielt man 13 bis 14 Gulden.

1836

Auch in diesem Jahr war eine große Dürre, so dass sie Müller garnicht oder nur wenig mahlen konnten. Der Klee ging nicht auf und Gromet wuchs ebenfalls nicht. Endlich war ein totales, noch nie erlebtes Mißraten aller Arten von Obst. Am 17. September 1836 wurde die erste Kirchenvisitation allhier von einem Abgeordneten des Königlichen Konsistoriums zu Ansbach abgehalten, sowie einige Monate früher die Schulvisitation von einem Kreisscholarchen zu Ansbach.

1840

Die umgegossene große Glocke wurde ganz auf Kosten des Areals wieder hergestellt. Das Jahr 1840 war für die hiesige Gemeinde sehr ertraglich, denn nicht nur gerieten alle Feldfrüchte, sondern auch unsere Baumfrucht, so dass ein großer Überfluß von Obst aller Art von uns eingeheimst wurde, aber auch zugleich ein seltener Unwert stattfand, denn für 100 Bachäpfel wurden nicht gern um 20 Kreuzer bezahlt.

1841

Beim Ausasten einer Buche im Herrschaftswald fiel der hiesige Söldner Georg Leonhard Dollhopf von der Leiter und starb 4 Wochen nachher an der Rückenmarkslähmung.

1842

Ein in ganz Deutschland unerhörte Dürre traf dieses Jahr auch unsere Fluren. Es regnete nicht von April bis August. Kirchengebete auf Kirchengebete um Regen folgten aufeinander. Vom Morgen bis zum Abend war überall eine Klage über Futter- und Wassermangel laut, doch gedieh auffallenderweise die Winterfrucht gut und sehr wohlschmeckend. Haber und Gerste konnten nicht geschnitten werden, sondern mußten gerupft werden. Der Klee verbrannte überall und war fast nur einmal abzusicheln, was umso schmerzlicher fiel, da so üppig seit undenklichen Zeiten die Kleefelder im Frühjahr nie gestanden waren. Die Obstbäume, welche in der schönsten Blütenpracht prangten, verloren fast alle ihre Früchte durch Abfallen in der drückenden Hitze. Die meisten Wiesen gaben keine Grummeternte, denn jeder einzelne hütete seine Wiese ab, daher auch kein allgemeiner Hirt bestellt wurde. Das Vieh fiel so im Preise, dass 17 bis 18 Gulden die teuerste Kuh kostete und 4 bis 5 Kreuzer das Pfund Schaf- oder Kalbfleisch galt. Der Zentner Heu hatte den Preis von 4 Gulden. Der der Pfarrei zugehörende Birnbaum neben dem Brechhause wurde durch die diesjährigen November- und Dezemberstürmen bis auf den unteren Stamm umgerissen.

 
 
 
 
 

Fortsetzung