Hohentrüdingen - aus der Geschichte eines Dorfes  
 
 Hohentrüdingische Dorfs-Ordnung Anno 1728 
 
 
 

Der Durchleuchtigsten Fürstin und Frauen, Frauen Christianen Charlotten, verwittibten Markgräfin zu Brandenburg, Herzogin in Preußen, zu Magdeburg, Stettin, Pommern, der Casuben und Wenden, zu Mecklenburg, auch in Schlesien und zu Crossen, Burggräfin zu Nürnberg, Gräfin zu Hohenzollern und Schwerin, Frauen der Lande Rostock und Stargard p.p., geborene Herzogin zu Württemberg und Teck, Gräfin zu Mömpelgard und Frauen zu Heidenheim p.p., Obervormunderin und Landesregentin, unserer gnädigsten Fürstin und Frauen, derzeit verordneter Rat, Hof Commendant und Oberamtmann, Ich Georg Friedrich von Künßberg, uff Ermreuth und Thurnau, dann Ich Phillip Christoph Schneider, derzeit verordneter Kastner zu Hohentrüdingen, urkunden und bekennen in Kraft dieses Briefes, demnach eine Ehrsame Gemeinde zu erstgedachten Hohentrüdingen neben dem Gericht allda, uns als ihre vorgesetzte Amts-Herrschaft zu mehrmalen untertänig und gehorsam zu erkennen gegeben, welchergestalten in dem Dorf und auf dem Feld sich öfters allerhand Unordnungen ereignet, deswegen die unumgängliche Notdurft erfordern wolle, eine Dorfordnung zu begreifen, wie es fürters hin und in das Künftige bei ihnen und ihren Nachkommen, in einem oder dem andern, auch mit Bestrafung derjenigen, so diesfalls auf ein und andere ungebührliche sich betreten lassen möchten, gehalten werden solle. Derentwillen sie dann in solchen Punkten nicht allein die fernere Notwendigkeit erwogen, sondern auch zu besserer Nachricht und Erläuterung sämtlich in dem Gericht und Gemeind einhellig beschlossen, gut geachtet und beraten hätten, dass damit ein und andere inskünftig besorgende Irrung, Stritt und Ungelegenheit in Zeiten fürgebauet werden möchte, sie selbige ordentlicherweise zu Papier bringen zu lassen wollten, mit untertäniger Bitte, Wir als ihre unmittelbare vorgesetzte Amtsherrschaft, sollten ihre wohlmeinend fürgetragenen Punkte und Artikul nicht allein gnädigst und geneigt wahrnehmen, für notwendig erkennen und ufmerken, sondern auch zu desto besserer Handhabung und Vollziehung aller und jeder derselben Ordnung einverleibter Artikul, signieren und bestätigen. Wann wir dann hierum willen solch ihr Ansuchen nicht vor unziemlich, sondern als zu Vorkommung und Abschneidung vieler Irrungen und Gezänke, vielmehr vor ratsam und gut angesehen und erachtet, ihnen damit zu willfahren, als ordnen und setzen wir hiermit, und Kraft dies offenen Briefs, meinen und wollen auch anstatt und von wegen Höchstgedacht Ihro Hochfürstlichen Durchleichtin, unserer gnädigsten Fürstin Obervormunderin und Landesregentin.
Dass alle nachfolgende Artikul, vom Anfang bis zum Ende, allhier in dem Dorf Hohentrüdingen und zu Feld, in zutragend oder begebenden Fällen unverbrüchlich, steif und fest, bei Vermeidung der daraufgesetzten Strafe allerdings nachgelebet werden solle.

1.

Hat der Gerichts-Bürgermeister alles zu gebieten und zu verbieten und soll sich kein Gemeinsmann unterstehen, bei Haltung der Gemeind, oder wann er von Gemeindswegen etwas zu bestellen hat, ihm mit groben, harten und unbescheidenen Worten zu begegnen, sondern seine Sach mit Bescheidenheit vorbringen und wann er die Gemeinsleute schweigen heißt, still sein, bei Straf vor Gericht ein Ort.

2.

Wann zur Gemeind geläutet oder durch den Bürgermeister mündlich geboten wird, es erscheint aber der Gemeinsmann in der Stund nicht, oder lässet sich durch die Seinigen nicht entschuldigen, so solle er, wie allerorten üblich, ein halben Ort Strafe vor Gericht erlegen.

3.

Soll ein jeder Gemeinsmann mit der Fuhr und Anspann, als zwei, drei oder vier Stück, wie ers zu seinem Haushalten vonnöten hat, beim Gemeindienst erscheinen und die Fuhren, die ihm vom Bürgermeister angedeutet worden, getreulich verrichten oder widrigenfalls von einer Fuhre ein Ort, nicht weniger von einem Stück Anspann so viel Straf vor Gericht erlegen.

4.

Die Gemeinsleute, die mit Fuhren in der Gemein dienen, sollen nur halb soviel Handdienst tun, als die allein mit der Hand dienen.

5.

Wann der Bürgermeister Manns-Personen zum Gemeinddienst bestellet, wo der Gemeinddienst stark ist, und durch Weibsleut oder gar untaugliche Kinder nicht kann verrichtet werden, so sollen die Untauglichen gleich wieder nach Haus geschickt werden und der Gemeinsmann wegen seines Ungehorsams einen halben Ort Strafe vor Gericht erlegen.

6.

Sollen die Gemeinsleute, wo sie zum Gemeindienst bestellet werden, Sommerszeit vormittag von 6 bis 10 Uhr, nachmittags von 12 bis 4 Uhr, Winterszeit vormittags von 7 bis 10 Uhr, nachmittags von 12 bis 3 Uhr, wer aber eine Stund in den obgemeldeten Stunden nicht erscheint, der soll einen halben Ort Straf vor Gericht erlegen.

7.

Daferne sich aber einer oder der andere aufwerfen und mit der Gemeind nicht heben und tragen wollte, solle derselbigen aller sonst gehabten Gemein Nutzungen, es mögen diese Namen haben, wie sie wollen, verlustiget sein.

8.

Wann der Gerichts- und Dorfbürgermeister vor der ganzen Gemeind, zu deren ihren Nutzen und Frommen etwas verbietet, es sei gleich Hüten, Holzäpfel- und Birnschütteln, Weisen- und Weideinschlagen und dergleichen, oder wann die Gemeind auf ihren Vorschlag zu deren besten unter einer gewissen Straf miteinander etwas verbietet und aufnimmt, es mag auch Namen haben, wie es wolle, so sollen, die freventlich darwider Handelnde, mit der von beiden Bürgermeistern vor der Gemein diktierten Strafen ohnnachlässig beleget werden.

9.

Was aber mit Hüten und Grasen vor mutwillige Frevel vorgehen, die sollen jedesmalen von einem Stück mit 15 Kreuzer, die geringen aber mit einem halben Ort, wie in allen Gemeinden, üblich, gestrafet werden. Besonders aber hat man sich im Winter- und Sommerfeld nach geschoßtem Getreide des Grasens bei einem halben Gulden Straf zu enthalten. Die Rain aber Rain aber an den Erntezeiten die Anstößer miteinander abzugrasen.

10.

Sollen die Gemeidweg im Dorf und auf dem Feld fleißig gemachet werden. Dagegen die Weg im Winter- und Sommerfeld mit dem Hüten wegen Beschadung der Früchte verboten sein und zwar in solang, bis die Früchte vom Feld sind bei Straf eines halben Orts von jedem Stück.

11.

Wann in der Gemeind etwas zu verbeuten oder auszusteigern ist, so sollen die Bürgermeister es treiben, so hoch sie können und wann die Gemeindsleut nicht wollen darvor geben, was recht ist, sollen sie Macht haben, es an die Benachbarte oder Meistbietende zu verkaufen. Da auch ein Gemeindsmann, der etwas in der Gemeind gebeutet oder bestanden und auf die ihm gesetzte drei Termin, als Martint, Weihnachten und Lichtmeß nicht bezahlet, sondern verstreichen läßt, solle alsdann denen Bürgermeistern ebenmäßig erlaubt sein, den Tag nach Lichtmeß Pfänder aus denen Häusern zu nehmen oder zu tragen, in wes Namen es sein mag, die hierauf onparteiisch zu taxieren und damit die Gemeind zu befriedigen.

12.

Soll das Hüten auf denen Wiesen, wie auch Weisch oder Stupfelfeld gänzlich verboten sein in solang, bis es in denen Feldern Platz gibt und zuvor der Herrschaftliche Zehnte weggeführet ist bei der Straf eines halben Orts von jedem Stück.

13.

Soll das Halb- oder Weidvieh, absonderlich das Handeln mit denen Juden der zwei- bis dreijährigen Stier, als wodurch man den Gemeindsmann ruiniert, der Gemeind aber ihre Weid schmälert, ganz verboten sein, also dass keinem nicht mehr Vieh von denen Juden zu handeln erlaubt sein solle, als was er zu seinem Gut vonnöten hat; nämlich einer, der ein kleine Selden hat, darf nicht mehr als zwei Ochsen halten. Die aber so große Selden besitzen, drei bis vier Stück Anspann zu halten erlaubt sein, ausgenommen derjenige Gemeindsmann, welcher viel eigen Stück, oder ein Lehengut bei seiner Solden hat, dem ist vergönnt, ein oder zwei Stück mehr zu halten. Junges Vieh aber selbst zu ziehen, ist einem jeden erlaubt, so viel er auf seinem Gut erhalten kann. Wer darwider handelt, soll von einem jeden Stück einen Gulden Weidgeld in die Gemeind geben.

14.

Alldieweilen durch die vielen angenommenen Hausgenossen, ausgenommen diejenigen, die hier erzogen und geboren sind, und etwan bei ihren Eltern oder Geschwistern eingenommen werden können, gnädigster Herrschaft in ihren Waldungen, denen Gemeindsleuten aber großen Schaden an ihrer Nahrung zugezogen wird. So soll hinfüro ein Gemeindmann gar keinen fremden Hausgenossen einnehmen, er habe zuvor der Amtsherrschaft und der Gemeind Konsens erlangt und nebst 50 Kreuzer Bürgschaft geleistet, welchen Hausgenoß alsdann jährlich in die Gemeind 1 Kreuzer und auch so viel derjenige Gemeindmann, so selbigen einnimmt, bezahlen soll.

15.

Auch wird einem Hausgenossen, der Vieh austreiben tut, auferlegt, hievon das schuldige Weidgeld, gleich wie in anderen Gemeinden üblich, zu geben, als: Von einer Kuh 30 Kreuzerlein, von einem 2 bis 3jährigen Rind 15 Kreuzer, worunter jedoch solche Gemeindleut nicht zu verstehen, die ihre Gut altershalber einem Kind überlassen und gleichwohlen noch eigen Stück haben, als denen ohne Weidgeld erlaubt, soviel Vieh zu halten als sie von ihren Gütern ernähren können. Doch aber soll kein Geiß, dieweil sie so gar schadhaft sein, unter keiner Herd geduldet, auch gar nicht auf die Gemeind getrieben werden, es wäre denn ein Armer, der keine Kuh vermag, dem ist eine Geiß zu halten erlaubt.

16.

Die Gemeindwasen sollen mit dem Hüten bis Walburgis und so lang man auf die Wiesen treibet, verboten sein. Wer darwider handelt, muss von jedem Stück ein halb Ort Straf vor Gericht erlegen.

17.

Soll der Gerichts- und Dorfbürgermeister denen Hirten die Zell ordentlich und genau anlegen und bei Abschneidung der Hörner, dann Anlegung der Zell jedesmal mehr nicht als 1 Gulden 15 Kreuzer verzehrt, anbei kein Stück Vieh von Ambrosi bis Martini, es mag auch Namen haben wie es will, wann es Wasser und Weid genossen, zellfrei sein, sondern bei derjenigen Herd, worunter es gehört, angelegt, sonsten aber die zweijährige Stier unter die Kühe, die dreijährigen hingegen unter die Ochsen getrieben werden. Jedoch wird derjenige, so ein Stück Vieh in 3 Tagen nach angelegter Zell verkauft, des Hirtenlohnes befreit und da ferne ein Gemeinsmann dem Hirten ihren gedingten Lohn nicht gibt, und diese sich darüber bei dem Bürgermeister beschweren, so solle denjenigen Gemeinsmann sein Vieh so lang in Stall geboten werden, bis er den Hirten befriediget.

18.

Soll ein jeder Gemeinsmann seine Felder und Wiesen dungen und bessern zur rechten und bequemen Jahreszeit und zwar ein Jahr die Wiesen, das andere Jahr aber die Äcker oder alle Jahr die Hälft von seinen Wiesen dungen, dieweil durch das überflüssige Dungen der Wiesen der herrschaftliche Zehnte großen Schaden leidet, auch dem Vieh die Weid geschmälert wird. Wer darwider handelt, der soll von einem jeden Tagwerk Wiesen einen Gulden Strafe in die Gemeind geben.

19.

Soll kein Gemeindsmann seinen Nebenmenschen ja nicht schadhaft sein mit Fahren, Treiben, Hüten über Äcker und Wiesen, wo man zumalen an denen Wegen oder an der Vorgewand darein kommen kann, viel weniger mit neuen Wasserleitungen beschwerlich sein, absonderlich zur Frühlingszeit, da es ohnedem weich Wetter ist. Will er aber sein Gut erst zur Saatzeit bessern, so soll er nicht Macht haben mehr darein zu fahren als an den Vorgewand. Nicht minder soll kein Hirt oder Gemeindsmann mehr über einen gefalchten Acker, der zur Saat zugerichtet ist, zu treiben Macht haben bei Straf nach Verbrechen so das Gericht erkennen wird.

20.

Soll sich kein Gemeindsmann unterstehen, ein Stück Vieh in das Dorf zu bringen, er habe denn zuvor einen glaubwürdigen Schein bei dem Gerichtsbürgermeister gewiesen, der hernach vor 3 Tagen nicht aus dem Stall zu treiben oder widrigfalls von einem Stück ein Ort Straf vor Gericht zu erlegen.

21.

Ist kein Gemeinsmann befugt, mehr Anspann auf die Nachtweid oder wo man sonst einschlägt zu treiben, als ihm im 13. Punkt erlaubt ist, wer darwider handelt, soll von einem jeden Stück Anspann einen Gulden in die Gemein geben.

22.

Haben die beide Bürgermeister am Walburgistag nachzusehen, ob an denen Trieben und Hüten ordentlich gezäunt ist und wenn sie jemand finden, der ein solches unterlassen, der soll ein Ort Straf vor Gericht erlegen.

23.

Soll man die Felder flürlich bauen, wie es vor Ur-Alters Herkommens auch im ganzen Oberamt bräuchlich, als Winter-, Sommer- und Brachfeld, auch kein Gemeindsmann nicht Macht haben, mehr als den dritten Teil von seinem Brachfeld wegen der Schwein-, Schaf- und Gänshut anzubauen, damit die Herden erhalten werden können und durchaus keine Hut oder Trieb verbauen noch verzäunen, sondern die Brachfrüchte aneinander bauen. Findet sich aber einer oder zwei, die einen Trieb oder ein Stück Feld allein verbauen, so sollen die Hirten die Macht haben, es abzuhüten, dargegen die Gerichtsleute auf ihren Vorschlag und besten Überlegung taugliche Stück in jedes Feld darzu bestimmen, wer aber über oben erlaubte Felder bauet, der muß von einem jeden Viertel Acker dreißig Kreuzer in die Gemein geben.

24.

Viel weniger darf ein Gemeindsmann im Frühjahr mehr als die Hälfte, das übrige Feld aber erst im Brachmonat wegen vorgemeldeter Herden umäckern, wer darwider handelt, hat von einem jeden halben Morgen Acker dreißig Kreuzer in die Gemein zu erlegen.

25.

Soll sich kein Gemeindsmann unterstehen, sich nach eigenem Gefallen Wiesen zu Äckern zu machen oder auf seinem Feldgütern einen Krautgarten einzuzäunen, wo er aber ein Plätzlein hat, das etwan ein halbes Viertel oder aufs Höchste ein Viertel ausmacht, auch der Hut oder dem Trieb keinen Schaden bringt und zuvor durch die Bürgermeister besichtigen lässet, und diese es also erfinden, als dann kann ihm ein solches von der Gemeind erlaubt werden.

26.

Auch sollen die Herbst- oder einmähdigen Wiesen am Jakobi, die zweimähdigen hingegen an Michaelis abgemähet sein bei Verlust des Futters, welches entweder von Gemeinds wegen eingeleget oder mit denen Herden abgehütet werden soll.

27.

Wird expresse und bei Straf dreißig Kreuzer verboten, dass zur Erntezeit kein Gemeindsmann dem anderen zum Schaden sein Getreid wegführen solle, es wäre denn, dass seines Nachbarn Getreid zeitig und solchenfalls er ihm ausschneiden lassen müsse.

28.

Sollen die Hecken und Bäume an denen Gemeindwegen oder Feldern alle drei Jahre abgeputzet werden, wobei man bei Straf eines in die Gemeind zu erlegen habenden Guldens verbietet, auf der Gemeind kein Stammreis, Zäunholz, Stangen, Besenreis, Weiden oder Spännprügel zu hauen.

29.

Liegt denen Bürgermeistern ob, die Feuerstätt ordentlich und fleißig, besonders zur Herbstzeit wegen des Flachs und Hanfes zu visitieren und wann sie schlechte und gefährliche Feuerstätt finden, vor Gericht abzustrafen.

30.

Soll ein jeder Gemeinsmann auf denen von beiden Bürgermeistern getanen Vorschlägen und deren weisen Überlegungen eine freie und ungezwungene Stimme haben. Dagegen aber werden alle Factiones, Rottenmachereien, die alles wüste und unordentliche Wesen, besonders die den eigenen Nutzen und Schaden der Gemeind zum Grund haben, gänzlich verboten und die Urheber und Stifter derselben, wo es Gerichtsleut mit Entsetzung vom Gericht, wo es aber andere mit Verlust ihres sonst habenden Gemeindnutzens oder befindenden Dingen nach mit willkürlicher Straf von Oberamts wegen angesehen.

31.

Darauf zu sehen, dass das Gemeind-Viertel und Hebegeschirr in einem darzu benannten Haus aufbehalten und von keinem Gemeindsmann bei fünfzehn Kreuzer Straf über Nacht behalten werde.

32.

Damit das überflüssige Zechen, welches bis anhero der meisten Gemeinden ihr Ruin gewesen, abgestellet sein und bleiben möge, soll hinfüro ein Gemeindmann, ausgenommen das denen Gerichtsleuten und Bürgermeistern von Oberamts wegen zuerkannte Deputat a 12 Kreuzer jedesmalen vor seine drei Gemeindzehrungen als Hirtendingen, Güterverbeuten oder Verleihen, dann Heiling- und Gemeindrechnung, mehr nicht als 3 Kreuzer erlaubt sein. Dahingegen bei Verleihung der Gemeindgüter die Gemeindleute auf jeden 1 Gulden 3 Kreuzer Leykauf zu legen, wie dann außer solchen man nichts passieren lässet, auch beim Kirchweihangießen diese Ordnung gemachet ist, dass vorjetzo und ins Künftige von Herren Vogten wie auch beiden Bürgermeistern, Bauern und Amtsknechten mehr nicht denn 4 Gulden zu verzehren, wogegen aber der Bauer, die Spielleut nebst dem Amtsknecht den einen Kirchweihtag, den andern aber der Wirt halten muß, die Gebühren hingegen werden von der Gemeinde bezahlt als denen Spielleuten 45 Kreuzerlein, den Musketieren 25 Kreuzerlein, dem Amtsknecht aber 15 Kreuzerlein. Nicht minder sollen die Gemein- und Steinerbrief alle Jahr am Sonntag Invocativ vor der Kirchen oder in dem Schulhaus verlesen und zugleich der Gemeindbürgermeister erwählet werden, wobei nicht mehr als 1 Gulden zu verzehren. Diejenige aber, so nicht dabei erschienen, sollen nicht nur dieser Zehrung mangeln, sondern noch überdies ihres Ungehorsams halben mit einem halben Ort Strafe angesehen werden.

33.

Um die Grenz soll man alle 3 Jahr einmal gehen und zur Zehrung 3 Kreuzer erlaubt sein, auch denen jungen Mannschaften und Jungen von 10 und mehr Jahren fleißig weisen.

34.

Soll der Dorfsbürgermeister, in Ansehung, dass er gleich dem Gerichtsbürgermeister von denen Gemeindbeschwerden befreiet und in Zehrungs-Deputat denen Gerichtsleuten gleich gesetzet, überdies, wo sie von Gemeinds wegen zum Amt oder in benachbarte Dorfschaften citiert werden, ihr gewöhnliches Deputat a`12 Kreuzerlein zu verzehren haben, sich damit begnügen lassen, der auch weiter nichts praetendieren kann.

35.

Hat der Gerichts- und Dorfbürgermeister die Gemeindrechnung ordentlich und genau nach obgemelden Punkten zu führen und davon ein jeden für seine Mühe und Versäumnis 2 Gulden zu gaudieren.

36.

Sollen die Gerichtsleute und Bürgermeister als Vorgesetzte in der Gemeind, wo sie freventlich darwider handeln, mit doppelter Bestrafung angesehen, auch wo ihnen zu erweisen, dass sie einen Gemeindsmann verschonet, der freventlicherweis wider diese Punkte gehandelt und vor Gericht nicht gebührend angezeigt, ebenfalls noch soviel, als der Verbrecher gestrafet, daferne es aber ein Gemeinsmann, der verhehler wie der Verbrecher gestraft werden.

37.

Müssen die Gerichtleute alle Jahr am Martinitag ihr Strafregister zum Oberamt bringen, um zu sehen, ob deme, was befohlen war, gehorsamtlich nachgelebet worden, und zugleich um Verordnung nachsuchen, dass die Verbrecher ihre noch rückständige Strafen erlegen sollen.

Wie wir dann Beschließlichem hiermit ordnen und setzen, dass diese neue verfaßte Dorfordnung jedermann, deme sie belangen oder berühren mag, zur gründlichen Wissenheit, um destoweniger Entschuldigung eines oder des andern Punktens halben machen zu können, alle Jahr am Sonntag Invocavit, wo von im 32. Punkt schon Erwähnung geschehen, öffentlich verlesen werden solle. Doch behalten wir uns als verordnete Amtsherrschaft hiemit ausdrücklich bevor jedesmal nach Gelegenheit der Zeit und Läuften, diese Ordnung zu verbessern, zu mindern oder anders zu machen. Dessen allen zu Urkund, auch deme, was in dieser wohlmeinenden Ordnung verfasset und mit eines ganzen Ehrbaren Gerichts und Gemeind Gutheißen und Wohlgefallen angenommen und bestätigt worden, darob steht und festzuhalten, haben wir mehrgedachte Amtsherrschaft uf derselben sämtlich hochfleißig Beschehen, Ersuchen und Bitten, solche mit eigenen Händen unterschrieben und zu mehrerer Bestätigung mit unserem respektive angeborenen Freiherrlichen eigenen und gewöhnlichen Amts-Insigel, doch uns und unseren Nachkommen in alle Weg ohne Nachteil, wohlwissentlicher Dingen corrobiert und bekräftiget. So geben und geschehen Hohentrüdingen den 15 Monatstag Juli im Jahr Christi des Eintausend Siebenhundert achtundzwanzigsten Jahres.

Georg Friedrich von Künßberg
Philipp Christoph Schneider
 
 
 
 
 

Fortsetzung