Hohentrüdingen - aus der Geschichte eines Dorfes  
 
 Wurde die Burg Hohentrüdingen in einer älteren Wehranlage eingenistet? 
 
 
 

Die große Zahl von Wällen und Gräben, die heute nur noch in Resten zu erkennen sind, könnten zu der Annahme verleiten, die Truhendinger Adelsburg aus der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts sei in einer älteren vor- oder frühgeschichtlichen Großburg errichtet worden. Diese These kann nur begrenzt Beifall finden. Während der letzten 50 Jahre wurden innerhalb der umwehrten Anlagen von Hohentrüdingen häufige Bodenbewegungen durch den Bau einer Wasserleitung 1949/50, durch Kanalisation, Häuser- und Scheunenbauten vorgenommen. Sie erbrachten keine Funde aus vor- oder frühgeschichtlicher Zeit. Die Wasserleitung wurde 1949 noch völlig von Hand gegraben. Ihr Bau erforderte eine große Schar einheimischer Arbeitskräfte. Sie richteten zwar nicht gezielt, so doch unwillkürlich ihre Aufmerksamkeit auf die Dinge, die da zum Vorschein kamen. Eine große Zahl von Versteinerungen aus den oberen Braunjuraschichten, meist bruchstückhaft herausgepickelt, wurde gefunden, vorgeschichtliche Gefäßscherben erschienen jedoch nicht. Lediglich bei der Führung der Wasserleitung 1949 durch den halbverschütteten Burggraben zwischen westlicher Vorburg und der Kernburg (heute Anwesen Horst Kaiser) wurden unmittelbar in der Humusschicht mehrere spätmittelalterliche Gefäßscherben gefunden. Es handelt sich ausschließlich um Bruchware, die später in den Burggraben geworfen wurde und vereinzelt auch noch heute dort aufgelesen werden kann. Von vorgeschichtlichen Gräben, Skelett-, oder gar Metallfunden war nichts zu bemerken. An verschiedenen Stellen wurden auch die ehemaligen Wälle durch den Aushub von Baugruben angebrochen. Sie enthielten in ihrem Inneren kleines Bruchsteinmaterial, aber völlig lose durcheinander. Ein Mauerkern, der auf verstürzte Trockenmauern mit eventuellen Holzrahmenwerk zur Versteifung hätte hinweisen können, war nirgends zu beobachten. Bei den Hohentrüdinger Erdwällen handelt es sich ausschließlich um Erdwälle, die aus dem Aushub der davorliegenden Gräben aufgeworfen wurden.
Im Jahre 1989 kam allerdings beim Ausheben einer Baugrube für das neue Wohnhaus des Herrn Helmut Kritsch im Bereich der unteren, tiefer gelegenen westlichen Vorburg nach der Mitteilung eines wissenschaftlichen Mitarbeiters der Außenstelle des Landesamtes für Denkmalpflege eine "Opfergrube" der späteren Urnenfelderzeit zum Vorschein. Diese Fundstelle blieb bisher von Bodeneingriffen verschont. Die etwa 1,8 mal 1,4 Meter große, annähernd rechteckige Grube enthielt mit der Öffnung nach unten vier große Gefäße, die sich nach den Beobachtungen des Ausgräbers "von der späteren Urnenfelder- zur früheren Hallstattzeit datieren lassen". Außerdem fanden sich in der Grube noch mehrere Reibsteinfragmente, Scherben und Gefäßreste. Zusammen mit verbrannten und unverbrannten Tierknochen, angeglühten Geröllen und einer Unmenge von Holzkohlenstückchen dürften sie als Relikte eines außerhalb der Grube vollzogenen Brandopfers sein. Im oberen Teil der Grube kamen zahlreiche Einzelscherben sowie mehrere Hüttenlehmbrocken, die als Siedlungsmüll aus dem umliegenden Gelände in die abschließende Auffüllung gerieten. In dem Fundbericht heißt es: "Das umfangreiche und überwiegend sehr qualitätvolle Fundgut aus der Opfergrube von Hohentrüdingen erweitert die Kenntnis über späturnenfelder-frühhallstattzeitliche Siedlungskeramik in erfreulicher Weise. Zugleich ist der vorgestellte Befund auch ein Beleg für eine bisher hier nicht erkennbare Höhensiedlung dieser Zeitstellung. Man wird daher überlegen müssen, ob nicht wenigstens ein Teil der heute sichtbaren Wallreste im Kern auf eine vorgeschichtliche Abschnittbefestigung zurückgeht".
Es wäre also denkbar, dass der langgezogene Bergsporn, auf dem die spätere hochmittelalterliche Adelsburg der Edlen von Truhendingen erstand, in vorgeschichtlicher Zeit schon im untersten westlichen Teil eine kleinere Abschnittsbefestigung als Vorgängerin trug. Für den mittleren und höher gelegenen Teil der hochmittelalterlichen Großburg, auf den die Kernburg und der verhältnismäßig rechteckige Burgus errichtet wurde, wird man aus dem Fehlen vorgeschichtlicher Funde nicht schließen dürfen, dass die Wälle schon aus vorgeschichtlicher Zeit stammen und dass sich in sie die hochmittelalterliche Adelsburg der Edlen von Truhendingen eingenistet habe. Die Wälle fügen sich der Konzeption der Adelsburg (untere Vorburg-Kernburg-obere Vorburg und Burgus) harmonisch ein und sind dem Schutzbedürfnis aller Befestigungsteile angepaßt. Sollte auf dem Berg schon eine kleinere Abschnittsbefestigung aus vorgeschichtlicher Zeit in der unteren Vorburg bestanden haben, was nicht ausgeschlossen werden kann, so wurde diese wohl größtenteils durch den hochmittelalterlichen Bau der Truhendinger Adelsburg beseitigt und wohl kaum in die Planung einbezogen. Die noch heute in Resten erhaltene Burganlage Hohentrüdingen ist eine klassische Anlage der frühen Stauferzeit.

 
 
 
 
 

Fortsetzung