Flurnamen in Polsingen 
 
 
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  Kohlplatte 267-278
Kohlplatte, Kohlstatt, Kohlschlag sind Flurnamen die fast in allen Orten im Hahnenkamm zu finden sind, denn in jeder größeren Ortschaft gab es einen Schmied und der brauchte zu seiner Arbeit Kohlen. Schmiedekohlen kamen noch vor 50 und mehr Jahren aus dem Ruhrgebiet mit der Eisenbahn. Im Mittelalter musste der Schmied seine Kohlen vielfach aus dem heimischen Wald beziehen. Es gab bei uns keine Köhler wie in den großen Gebirgswaldungen Bayerischer Wald, Böhmerwald usw.. Zumindest sind keine Nachrichten über sie vorhanden. Der Schmied musste seine Holzkohlen selber herstellen. Dies geschah an einem etwas vom Dorf abgelegenen ebenen Gelände auf der Kohlplatte oder schon draußen im Wald. Die Bauern mussten dann dem Schmied die Holzkohlen heimfahren. So berichtet eine alte Ursheimer Dorfordnung um 1600: "Wenn die Bauern in die Kohlen zwischen Ursheim und Auernheim oder ungefähr eine halbe Meil Weges fahren, soll der Schmied den Bauern geben anderthalben Pfund Geldes und zu essen. Denen Pferden auch ein Heu und dannwann einen oder andern Bauern sein Pferd krank würde, soll er dabei sein und möglichen Fleiß anwenden." Die Kohlplatte war also ein ebener (platter) Platz, auf dem Holzkohlen gebrannt wurden.

Koppelweide 251-266
Die Koppelweide ist sicherlich kein alter Flurname. Er war vor allem in Norddeutschland gebräuchlich und bedeutet dort: "eingemachtes Stück Land". In alten Lagerbüchern ist er bei uns nicht zu finden. Die Koppelweide zeichnet sich dadurch aus, dass das Weidevieh nicht durch einen Hirten beaufsichtigt werden musste, weil das Grundstück mit einem Zaun aus Holz oder einer Dornenhecke umgeben war. Auf der einen Seite mag die Rohrach als Begrenzung gedient haben. Das Wort Koppel stammt aus dem lateinischen copula = Band.

Korbwiese
1430 hat Ulrich von See vom Grafen von Oettingen u.a. empfangen : "2 ½ Tagwerk, genannt Korpwiß". Der Name ist wohl auf das mittelhochdeutsche männliche Wort korp zurückzuführen. Darunter verstand man ein kleines Haus, das ursprünglich aus Weiden und Ruten geflochten und mit Lehm verschmiert war, also Ähnlichkeit mit einem Weidenkorb besaß. Der Name wird noch heute für kleine Häuschen gebraucht, in denen die alten Leute wohnten, die ihren Hof an die Erben übergeben hatten . Mit dem Korbhaus konnte bisweilen ein kleiner Altenteil in Form eines Ackers oder einer Wiese verbunden sein. Daher der Name Korbwiese. Weniger überzeugend erscheint die Erklärung des Namens aus dem mittelhochdeutschen Wort gehorwe = "Menge an Schmutz, das durch Zusammenziehung zu Korb wurde. Korbwiese wäre dann "sumpfige, schmutzige Wiese". Die Korbwiese ist im Flurplan nicht zu finden. Womöglich wurde aus ihr der Name Kotwiese.

Kotwiese 279-284
Hier wird die Eigenschaft des Untergrundes zur Benennung der Wiese herangeholt. Die Flurbezeichnung "an der Kotwiese" weist auf einen schlammigen, sumpfigen Boden hin. Das Wort Kot, das wir heute in ganz speziellen Sinne etwa für Hundekot gebrauchen, war früher volkstümlicher. Namen wie Kotlache, am kotichen Bühl erinnern daran. Den Blumenfreunden ist das Wort Koppenkot noch geläufig. Es bezeichnet vermoderte Erde aus den Weidenkoppen oder Wurzelstöcken von alten Bäumen. Der Flurname Kotwiese ist auch in der Hohentrüdinger Gemarkung vertreten.

Krautgarten 331
Noch nach dem zweiten Weltkrieg wurde in fast allen Orten des Hahnenkamms und im Altmühltal, besonders im "Krautland" um Merkendorf und Wolframs-Eschenbach Weißkohl angebaut, das Kraut, wie man im Volksmund sagt. Das war schon seit Jahrhunderten Brauch. Es konnte aber nicht jeder Bauer früher sein Kraut beliebig auf seinen eigenen Grundstücken anbauen, denn diese unterlagen ja dem Flurzwang und der Dreifelderwirtschaft. Das sogenannte Brachfeld, in der Regel ein Drittel der bewirtschafteten Feldflur, hatte während seiner Ruhezeit der unter einen Hirten vereinigten Dorfherde zu dienen. Auf dem Brachfeld war im Mittelalter jeglicher Anbau von Früchten verboten. Privater Krautanbau auf der Brache hätte zudem durch das umherziehende Weidevieh gelitten und wäre zum ewigen Ärgernis geworden. Deshalb einigte sich die Gemeide auf ein gemeinsames Grundstück, in dem jeder sein Krautbeetlein erhielt. Man wählte zum Krautgarten einen Acker aus, der nicht weit von einem laufenden Brunnen oder von einem Weiher entfernt war, damit die jungen Pflänzchen begossen werden konnten. Zum Schutze gegen herumstreunendes Weidevieh musste das Grundstück mit einer Hecke oder mit einem Zaun aus Dornsträuchern umgeben werden. Nunmehr durfte das Grundstück nicht mehr beweidet werden; aus ihm war ein Krautgarten mit Gartenrecht geworden. Im Herbst konnte dann jeder sein Krautgärtlein abernten. Die Krautsköpfe wurden von der für den Menschen ungenießbaren Hülle entblättert, mit einem Messer vom Strunk befreit und in eine vom Büttner gefertigte Kufe eingeschnitten oder mit einem Krauthobel eingehobelt; dazwischen immer wieder mit der nötigen Salzmenge versehen. Um längere Haltbarkeit zu erreichen, musste das eingeschnittene Kraut verdichtet werden. Meist geschah das Eintrempeln oder Eintreten mit bloßen Füßen oder mit einem Krautstampfer. Zum Schluss wurde das eingemachte Kraut mit einem Leinentuch und mit passenden Brettlein überdeckt und mit Steinen beschwert. So konnte die verdichtete Masse nicht gären und verderben, aber säuern. Jedesmal, wenn die Bäuerin Kraut kochte, nahm sie die Bedeckung der Kufe ab und schälte die benötigte Menge Kraut heraus. Nun wurde die Kufe Kraut wieder beschwert. Sauerkraut war früher, als man weder einwecken noch eingefrieren konnte, jene Kostbarkeit, die den Menschen die nötigen Vitamine lieferte, um den Winter überstehen zu können . Vorbei ist das heute. Die meisten beziehen heute ihr Sauerkraut aus der Dose. Der Flurname Krautgarten erzählt noch von der Bedeutung des Krautes für die menschliche Ernährung in früheren Zeiten. Noch bis zur großen Flurbereinigung in den siebziger Jahren waren die Krautgärten in unseren Fluren durch die auffallende Kleinteiligkeit der Krautgartenbeete klar zu erkennen.

Krachäcker 425-436, unteres Krachfeld 1219-1230
Der Name haftet an den Feldern südwestlich des Polsinger Berges an dem Fußweg zum Wemdinger Weiher bei den Torsäulen. Man darf hier nicht an einen Krach des 19. Jahrhunderts beim Zusammenbruch einer Bank denken, der Ängste auf die Massen auslöste. Das Wort Krach war schon im Mittelalter gebräuchlich und bedeutet "Knall, Schall" aber auch "Riss, Sprung". Die Flurbezeichnung "in der Krach" ist einmalig in unserem Hahnenkamm und dass sie gerade hier an der Südgrenze der Polsinger Gemarkung haftet, ist kein Wunder, denn hier gab es jahrhundertelang kleinen und großen Krach. Kleinen Krach zwischen den Polsinger Hirten und dem Kronhofbauern, die ihre Herde auf die Polsinger Weide "im Krach" trieben, denn diese gehörte zu den ewigen Weidegründen der Polsinger. Erst 1832 nach Einführung der Stallfütterung wurde der Wasen in der Krach unter die Dorfgenossen aufgeteilt. Großen Krach unter hohen Herren gab es schon im Mittelalter an dieser Stelle und die kleinen Leute von Polsingen hatten ständig darunter zu leiden. Im Raum südlich von Polsingen berührten sich die territorialen Interessen der Grafen von Greisbach, der Grafen von Hirschberg, der Grafen von Oettingen und die Grafen von Brandenburg-Ansbach. Das Rittergut Polsingen konnte sich deswegen solange halten, weil hier die Machtzonen der Großen aneinanderstießen. Die Grafen von Greisbach und die Grafen von Oettingen versuchten hier in der Krach unmittelbar am Torsäuler (Wemdinger) Weiher ihren Einflussbereich abzugrenzen, indem sie hier Landschrannen (Gerichtsplätze) festlegten. Jeder versuchte sie möglichst weit in den Bereich des anderen vorzuschieben. Das gab langen Streit und bisweilen großen Krach und von dieser Auseinandersetzung könnte der Flurname Krachfeld stammen, wie etwa in anderen Gemarkungen der Flurname Streit. Das wäre eine originelle Deutung. Dass aber das Krachfeld eventuell wie der nahe Kronhof mit den Krähen oder mit den Kranichen zu tun habe, wird man wohl nicht ausschließen können.

Krongassenfeld 1248-1250
Der Name erinnert wohl an eine Gasse, die einmal zum Kronhof führte. Die lange Bezeichnung Kronhofgassenfeld wurde im Volksmund verkürzt zu Krongassenfeld. Das bedeutet: Feld an der Gasse zum Kronhof. Mit einer Krone, wie einst die Fürsten und Könige trugen, hat der Name nichts zu tun, sondern mit dem Kronhof. Auch bei der Benennung von Verkehrsverbindungen wurde früher zwischen vornehmen und geringen unterschieden. Als Straße bezeichnete man den bestreuten, oft mit einem festen Unterbau versehenen und in die Ferne führenden Verkehrsweg. Er lebt im Hahnenkamm und im Ries noch unter dem Flurnamen Heerstraße fort, das heißt "Straße, auf der das Kriegsheer oder die Gefolgschaft eines Fürsten dahinzog". Der Name Heerstraße haftet bei uns noch häufig an alten Römerstraßen, die ja in die Ferne führten. In Gegensatz dazu bezeichnet Gasse den kurzen, meist im Dorf aber auch in die Flur führenden, ungeschotterten und minderwertigen Weg. Heute im Zuge der allgemeinen Motorisierung und Dorferneuerung ist man bestrebt, den gewöhnlichen Begriff Gasse durch Straße oder gar Ring zu ersetzen und sich damit dem Großstadtbewusstsein hinzugeben. Es wäre Aufgabe der Heimatpflege, diese schönen schlichten Gassennamen dem Dorf zu erhalten.

Kronhof bei Polsingen
Der Ortsname Kronhof wurde im "Historischen Ortsnamenbuch von Bayern, ehemaliger Landkreis Gunzenhausen, Nr. 154" von Dr. Robert Schuh wissenschaftlich bearbeitet. Nach seiner Meinung steht der Name Kronhof mit dem 1261 urkundlich genannten curiam Kranberc in Verbindung. Der Adelige Konrad von Trendel eignete dem Kloster Kaisheim den Hof Kranberc zu. Es ist nicht eindeutifg zu klären, ob mit dem Kranberc die heutige Siedlung Kronhof oder ein abgegangener Hof am Kronberg südlich von Trendel gemeint ist. Nach der Deutung von Dr. Schuh ist wohl der kürzere Name Kronhof aus dem längeren Kronberghof durch Wegfall des Mittelstücks (berg) entstanden. "Hof am Kronberg" so müssen wir den Ortsnamen Kronhof deuten. Was aber steckt für ein Sinn in dem ersten Namenteil Kron-? Mit einer Königs- oder Fürstenkrone hat der Kronhof nichts gemein, auch nicht mit einem Gasthaus zur Krone. Die älteste Form lautet ja nicht Kronberg, sondern Kranberg. Dr. Schuh deutet den Namen Kronhof so "Hof zum Berg, wo sich viele Krähen aufhalten." DieThese, daß der Kronhof nach dem Aufenthalt von Kranichen (mittelhochdeutsch kran) etwas zu tun habe, lehnt Dr. Schuh ab. Es gibt allerdings in der Nähe einen abgegangenen Hof Kranchstetten. 1416 heißt er Granichstetten und 1595 steht geschrieben: "Kranchstetten, so der gemein Mann Kranichhof nennt". Kraniche waren wohl für den mittelalterlichen Menschen auffälliger als die vielen Krähen, die im Volksmund Rabba genannt werden. Die Möglichkeit, dass der Kronhof nach den Kranichen genannt sein könnte, ist also nicht ganz von der Hand zu weisen.

Kronweiher 382 u.a. 382
Auch der Kronweiher unmittelbar neben dem Krautgarten ist seiner Lage gemäß nach dem Kronhof benannt. "Weiher beim Kronhof" oder "Weiher in Richtung Kronhof" so wird man wohl den Namen zu deuten haben zum Unterschied vom Wemdinger Weiher, der sich in Richtung Wemding befindet.

 
 
 
Fortsetzung