Die Burg Hohentrüdingen als Herrschaftszentrum  
   
 
 Die natürlichen Grundlagen 
 
 

Der Grund und Boden, auf dem in der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts Burg, Dorf und Gemarkung Hohentrüdingen entstanden, war für eine frühe landwirtschaftliche Nutzung wenig geeignet. Die Ursache dafür ist in der Ungunst des Geländes und der Bodenbildung zu suchen. Der westliche Hahnenkamm fällt hier ziemlich schroff zum Schwarzjuraland bei Westheim und zur Wörnitzniederung hin ab. Nun bildet aber dieser Steilrand zwischen Spielberg und dem nördlichen Riesrand nicht etwa eine fortlaufende Landstufe, sondern er ist in viele Bergvorsprünge, Bastionen, Bergsporne, in Schluchten und Klingen zerschnitten. Im Osten von Hohentrüdingen hat ein Flüßchen, die westliche Rohrach, über Heidenheim - Hechlingen - Ursheim - Polsingen ein breites tiefes Tal ausgefurcht, zu dem sich die Hänge bald flach, bald steil hinabneigen. Große ebene oder sanft geneigte Flächen, die für einen ausgedehnten Ackerbau geeignet wären, fehlen hier auf dem westlichen Hahnenkamm im Gegensatz zum tiefer gelegenen Albvorland bei Westheim - Ostheim oder der Albhochfläche bei Degersheim. So biete der Höhenzug an seiner der Wörnitz zugekehrten Seite ein Bild bewegter Unruhe, ein buntes Nebeneinander von Steilhängen, Bergkuppen und Talschluchten, für den Naturfreund gewiß nicht ohne romantischen Reiz, doch für den Ackerbau nur wenig geeignet.
Zur Unruhe der Geländeform gesellt sich die Ungunst der Bodenbildung. Auf den Rücken der Berge liegen schwere, wasserundurchlässige Letten und harte Gesteine der oberen Braunjuraschichten auf, zum Teil auch stark zertrümmerte oder vergrießte Weißjuramassen (Kreuthofscholle), durch den Meteoriteneinschlag im Ries auf den westlichen Hahnenkamm geworfen. Darunter erreicht der stark wasserdurchlässige Eisensandstein eine Stärke bis zu 70 Metern. Soweit er an der Bodenbildung beteiligt ist, haben sich dort zwar leichter zu bearbeitende, aber wasserarme Sandböden ausgebildet, oft nicht sehr tiefgründig und daher wenig ertragreich. Den breitesten Anteil an der landwirtschaftlich nutzbaren Fläche nimmt der Opalinuston ein, eine mächtige von blaugrauen Tonen und Tonschiefern durchzogene Schicht der Braunjurastufe, heute ein gutes Wiesenland, aber in alter Zeit stark zur Versumpfung neigend, weil man die stauende Bodennässe noch nicht durch umfangreiche Dränage beseitigen konnte. So war das Gebiet, auf dem die spätere Gemarkung der Burg und des Dorfes Hohentrüdingen entstand, für eine frühe landwirtschaftliche Nutzung von seinen natürlichen Grundlagen her wenig begehrt und blieb, solange in der Umgebung besser bebaubares Land noch in ausreichender Menge zur Verfügung stand, von der Besiedelung ausgenommen und dem Wald überlassen.

 
 
 
 
 

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