Zur frühen Geschichte der Edlen von Truhendingen im Hahnenkamm  
 (Fortzsetzung) 
 
 Die Vogteiburg Altentrüdingen 
 
 

Eine Burg zu Altentrüdingen wird - soweit bisher bekannt - in keiner Urkunde und in keinem Bericht erwähnt. Das braucht nicht zu überraschen, denn Gründungsberichte von mittelalterlichen Burgen sind eine große Seltenheit. Die meisten dieser Befestigungen wurden ohne schriftliche Aufzeichnungen errichtet, sie waren eine Zeitlang bewohnt, wurden dann von ihren Herren verlassen, die sich bequemere Wohngelegenheiten in der Ebene oder in Städten suchten. Die verlassenen Burgen krankten und siechten nun durch die Jahrhunderte dahin. Die morschen Balken brachen, die Dächer stürzten zusammen, Wind und Wetter lockerten die bemoosten Steine, daß Mauerwerk beiderseits herabfiel, die Gräben ausfüllte und verflachte. Wo die heruntergefallenen Steine zu Bau- und Schotterzwecken nicht abgefahren wurden, da wuchsen sie am Grund zu Wällen empor, über die grüner Rasen seinen Teppich breitete oder Holderstauden wurzelten. Weidetiere traten die Schuttmassen fest oder die jungen Rotbuchen wucherten üppig aus dem verfallenen Gemäuer. Ließ sich das Gelände landwirtschaftlich nutzen, wurden die Gräben völlig eingefüllt, die Grundmauern ausgebrochen, der ehemalige Burgbereich eingeebnet. Wiesen grünen da, wo einst der Hufschlag der Pferde der Burgbesatzung ertönte, oder der Pflug geht über den Grund hinweg, hie und da einen Ziegelbrocken zutage fördernd. In vielen Fällen ist von der mittelalterliche Burgenherrlichkeit nichts geblieben als die schlichte Flurbezeichnung "im Burgstall", "im alten Schloß".
In Altentrüdingen erinnert nicht einmal mehr ein Flurname an eine Burg. Man wäre fast geneigt, angesichts des Fehlens sämtlicher Spuren ein derartiges Bauwerk in dem Ort zu leugnen, stünde nicht auf dem jenseitigen Ufer des Mühlbaches auf dem eindrucksvollen Hügel die heutige Kirche, die nicht in die Gruppe alter, ehrwürdiger Urkirchen eingereiht werden kann, sondern eine Tochterkirche von St. Michael in Lentersheim war. Der Gedanke, daß vor der Errichtung eines Gotteshauses auf dem sogenannten Kirchenbuck einmal eine Burg der Edlen von Truhendingen gestanden habe, wurde daher in der älteren heimatgeschichtlichen Literatur wiederholt ausgesprochen. Die Gepflogenheit, Kirchen und Klöster in aufgegebenen oder abgegan-genen Burgen einzurichten, wird ja auch anderwärts vermutet, ohne daß dafür ein sicheres Zeugnis erbracht werden kann. Man denke nur an das staufische Hauskloster Lorch im Remstal, das nach Ansicht namhafter Forscher 1105 in einer aufgelassenen Burg gegründet wurde (20). Auch die Edlen von Truhendingen boten später in ihrer Burg Stahelsberg bei Hechlingen einem Zisterzienser- Frauenkloster, das in Windsfeld gegründet wurde, eine Unterkunft an, die das Kloster allerdings nach sie-ben Jahren (1245 - 1252) wieder aufgab, um nach Zimmern im Ries überzusiedeln (21).
An dem Vorhandensein einer namengebenden Burg für die Edelfamilie der Truhendinger auf dem Kirchenbuck zu Altentrüdingen braucht daher trotz des Mangels an urkundlichen Beweisen nicht gezweifelt zu werden, stieß man doch der Anlage von Gräben im heutigen Friedhof wiederholt auf Mauerwerk. Die Lage der Burg außerhalb des alten fuldischen Ortskerns war gut gewählt. Durch die Errichtung eines befestigten Herrensitzes auf der dem alten Siedlungsbereich gegenüberliegenden Seite des Mühlbaches wurde das Gefüge des fuldisch- solnhofischen Fronhofsverbandes in keiner Weise gestört. Zwar erhielt von der Burg nun eine neue aristokratische Ordnung ihr Gepräge, aber der Wehrbau befand sich nicht aufdringlich im alten Ortskern, sondern behutsam an seinem Rand. Er sollte ja nicht nur herrschen, son-dern auch beschützen, wie es der ursprüngliche Sinn der Vogtei erforderte. In dieser Randzone jenseits des Mühlbaches war die Errichtung der neuen Vogtburg mit ihren notwendigen landwirtschaftlichen Versorgungseinrichtungen möglich, ohne das bevogtete solnhofische Kirchengut zu beeinträchtigen. Kein Stück Land brauchte aus dem Klosterbesitz dazu abgetreten werden, denn der Grund und Boden jenseits des Mühlbaches gehörte nicht zum fuldisch- solnhofischen Kirchengut, sondern war altes Waldland, in das nur die Herden getrieben wurden (Flurname Hard), in dem sich aber noch keine sicheren Besitz- und Rechtsverhältnisse am Grund und Boden herausgebildet hatten. Die Lösung von ihrem alten Sitz, von ihrer gewohnten Umgebung und von hergebrachten Bindungen bedeuteten für die Edlen von Truhendingen einen bedeutenden Meilenstein in der Entwicklung ihres Herrschaftsbewußtseins.
Über das Aussehen der wohl ältesten Burg der Truhendinger in Altentrüdingen lassen sich nur sehr schwer noch Aufschlüsse gewinnen. Vorstellungen, die wir heute anläßlich eines Besuches einer noch erhaltenen mittelalterlichen Ritterburg gewinnen, dürfen sicher nicht auf die Vogteiburg der Truhendinger aus spätsalischer oder frühstaufischer Zeit übertragen werden. Die truhendingische Befestigung auf dem Kirchenbuck scheint gewiß sehr einfach und bescheiden in ihrer Ausdehnung und in ihrer Bauform gewesen zu sein, keinesfalls vergleichbar mit der später entstandenen mächtigen Großburg Hohentrüdingen. Der Kirchenbuck erlaubte keine weiträumige Anlage. Daß die Burg verhältnismäßig früh von ihren Truhendinger Erbauern wieder aufgegeben wurde, lag aber sicher nicht allein in der bescheidenen Größe der Anlage, dafür waren andere Gründe maßgebend, die im folgenden erläutert werden sollen.

 
 
 
 
 
 Anmerkungen
Abkürzungen:
Hei = Franz Heidingsfelder, Die Regesten der Bischöfe von Eichstätt, Erlangen 1938
Englert = Sebastian Englert, Geschichte der Grafen von Truhendingen, Würzburg 1885
AG = Alt - Gunzenhausen
GHB = Gunzenhäuser Heimat- Bote
20 Hans- Martin Maurer, Der Hohenstaufen, Stuttgart 1977, S. 18/19.
21 Hei. Nr. 740
 

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