Zur frühen Geschichte der Edlen von Truhendingen im Hahnenkamm  
 (Fortzsetzung) 
 
 Der Leitname Friedrich in der Truhendinger Familie 
 
 

Der Name Friedrich wurde in der Familie der Truhendinger Edelherrn stets dem Erstgeborenen verliehen. Mit einer erstaunlichen Stetigkeit durchzieht dieser Leitname die truhendingischen Ahnentafel vom ersten Auftreten im Jahr 1129 bis zum Niedergang dieses Geschlechtes zu Ende des 14. Jahrhunderts (49). Diese fast bestechende Treue zum Namen Friedrich für den Erstgeborenen über einen so langen Zeitraum von 300 Jahren und über viele Generationen hinweg muß einen besonderen Grund haben. Sie zeugt von einem besonderen Ahnenstolz der Truhendinger und von einer politischen Tradition, die durch den Namen Friedrich symbolisiert wird. Sie erinnert fast an die staufische Gepflogenheit, die Würde eines Herzogs von Schwaben stets mit dem Namen Friedrich zu verbinden. Als nämlich Barbarossas Söhnchen Friedrich (geboren in Pavia 1164, gestorben um 1170, begraben im Kloster Lorch), das bereits mit dem Titel eines Herzogs von Schwaben bedacht war, überraschend im Alter von sechs Jahren starb, mußte sein Bruder Konrad, der nun zum Schwabenherzog bestimmt wurde, seinen Rufnamen wechseln. Er wurde später Friedrich genannt, weil damit im staufischen Königshaus nach der Tradition die Herzogswürde von Schwaben verbunden war (50).
Die Truhendinger schienen mit ihrem zähen Festhalten an dem Leitnamen Friedrich für den Erstgeborenen ebenfalls einen wichtigen Meilenstein in der Geschichte des Geschlechtes zum Ausdruck bringen zu wollen. Der "Spitzenahn" Friedrich muß eine bedeutende Persönlichkeit gewesen sein, und da 1165 die Blutsverwandtschaft mit den Staufern bezeugt ist (51), wird man nicht fehlgehen, wenn man annimmt, daß der truhendingische Leitnamen Friedrich dem staufischen Herzogsgeschlecht entstammte, und als dieses dann die Königs- und Kaiserwürde erlangte, stets im Hause der Truhendinger behutsam dem Erstgeborenen verliehen wurde, um die blutsmäßige Verbundenheit mit dem Königsgeschlecht zu demonstrieren, dem man letzten Endes den Aufstieg zum einflußreichen, grafengleichen Adelsgeschlecht verdankte. Nie wieder erreichte die Edelfamilie der Truhendinger eine so hohe blutsmäßige Verbindung wie die Verwandtschaft mit den frühen Staufern. Mit dem steigenden Stern dieses Königsgeschlechtes erhöhte sich auch das Ansehen der Truhendinger. Man stand ja nicht nur in Diensten des staufischen Herrschers, man war sogar mit ihm durch Bande des Blutes verbunden. Einen höheren Grad von Blutsverwandtschaft konnte man nicht mehr erreichen. Selbst als um 1200 eine eheliche Verbindung mit dem angesehenen Herzogshaus der Wittelsbacher erfolgte, wich man vom Leitnamen Friedrich für den Erstgeborenen nicht ab, da mit diesem Namen die Blutsverwandtschaft mit dem staufischen Königshaus zum Ausdruck gebracht werden sollte. Wie kam nun der Staufername Friedrich in die Familie der Edlen von Truhendingen? Die verwandtschaftliche Verknüpfung der beiden Adelsgeschlechter erfolgte ohne schriftliche Dokumentation. Wenn plötzlich neue Namen in einer mittelalterlichen Adelsfamilie auftreten, ohne daß ein genealogischer Beweis an Hand von Urkunden erbracht werden kann, dann ist die Ursache häufig in der Heirat mit einer vornehmen Frau zu suchen, die mit ihrer ehelichen Verbindung auch den Glanz und das Ansehen ihrer Familie in das weniger bedeutende Geschlecht des Mannes bringt, und äußert sich in dem Auftreten von neuen Rufnamen. Frauen werden ja nur selten in den Urkunden genannt, ihre politische Rolle kommt in den Quellen nicht zum Ausdruck, aber ihre Einheirat hat oft umwälzende Folgen für ein Adelsgeschlecht gehabt. So vermutet Dr. Heinz Bühler in seiner vielbeachteten Arbeit über schwäbische Pfalzgrafen, frühe Staufer und ihre Sippengenossen (52!, daß der Leitname Friedrich in der Edelfamilie der Truhendinger von den Staufern stamme und durch die Ehe eines Adelbert mit der unbekannten Schwester des schwäbischen Pfalzgrafen und Riesgrafen Friedrich aus dem Hause der frühen Staufer in das Truhendinger Haus gebracht worden sei (53). Der Spitzenahn Friedrich, den die Truhendinger dann in ihren Leitnamen für den Erstgeborenen in Erinnerung behielten, müßte jener um 997 oder 999 geborene Riesgraf Friedrich , zugleich Pfalzgraf in Schwaben, gewesen sein, der 1015/20 die Ehe mit der Erbtochter des Grafen Walther vom Filsgau schloß und zwischen Rems und Fils um Göppingen, Hohenstaufen, Lorch und Gmünd eine neue Machtposition gründete, die dann später als das eigentliche Stauferland bezeichnet wurde. Ob die Verbindung eines Adelbert aus dem Hause Truhendingen mit einer staufischen Dame schon zu jener frühen Zeit erfolgte oder ob sie gar erst unter dem Herzog Friedrich um 1079 geschah, mag zeitlich nicht ganz gesichert sein, denn es erscheint fraglich, ob sich der Truhendinger Adelbert anläßlich des Streites um den Markt in Staffelstein im Jahr 1165 auf eine Blutsverwandtschaft mit dem Schwabenherzog Friedrich IV. (1144 /45 - 1167) hätte berufen können, wenn sie schon so weit zurücklag. Jedenfalls aber wurde durch die Heirat eines Adelbert aus der später nach Truhendingen benannten Edelfamilie mit einer staufischen Edeldame das neue Glück und Heil der truhendingischen Sippe begründet. Mit dieser Heirat gelangte ein Schimmer vom Glanz eines großen Königs- und Kaisergeschlechtes in das Truhendinger Adelshaus und dieses Ereignis wurde durch den Leitnamen Friedrich festgehalten. Der Name Friedrich wurde zum Mythos des Truhendinger Geschlechtes.

 
 
 
 
 
 Anmerkungen
Abkürzungen:
Hei = Franz Heidingsfelder, Die Regesten der Bischöfe von Eichstätt, Erlangen 1938
Englert = Sebastian Englert, Geschichte der Grafen von Truhendingen, Würzburg 1885
AG = Alt - Gunzenhausen
GHB = Gunzenhäuser Heimat- Bote
49 Englert, Stammtafel S. 158
50 Helmut Maurer, Das Herzogtum Schwaben in staufischer Zeit, Katalog zur Stauferausstellung in Stuttgart 1977, Band V, S. 102, und Hansmartin Decker- Hauff, Das Staufische Haus, Katalog III,S. 335
51 Englert Nr. 22
52 Siehe Anmerkung 4, S. 118 bis 156 (Jahrbuch des Historischen Vereins Dillingen)
53 Ebenda S. 149
 

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