Zur frühen Geschichte der Edlen von Truhendingen im Hahnenkamm  
 (Fortzsetzung) 
 
 Benennung der Edlen von Truhendingen 
 
 

Die Edlen von Truhendingen nannten sich nach einem Ort Truhendingen. Dafür bieten sich von den Ortsnamen ausgehend drei Möglichkeiten an:

  1. Altentrüdingen an der Straße von Wassertrüdingen nach Gunzenhausen, heute Ortsteil der Stadt Wassertrüdingen.
  2. Die Stadt Wassertrüdingen, heute Landkreis Ansbach.
  3. Hohentrüdingen auf dem Hahnenkamm, heute Ortsteil von Heidenheim im Landkreis Weißenburg- Gunzenhausen.

Da das freiadelige Geschlecht der Truhendinger erstmals 1129 in einer Urkunde erwähnt wird (5), kann für dessen Benennung nur derjenige Ort in Betracht kommen, der zu dieser Zeit schon existierte. Durch den Vorsatz Alten- (trüdingen) erweist sich Altentrüdingen als der Älteste unter den dreien. Die anderen sind, wie noch zu zei-gen sein wird, erst später entstanden. Truhendingen ist die mittelhochdeutsche Fortentwicklung des althochdeutschen Ortsnamens Truthmuntinga. In Altentrüdin-gen müssen wir also das Truthmuntinga erblicken, das 836 in einem Bericht des Fuldaer Mönches Rudolf genannt wird. Mönche des Klosters Fulda hatten damals im Auftrag des berühmten Abtes Rabanus Maurus (gestorben 856) Reliquien in Italien erworben, sie eilig über die Alpen nach Solnhofen verbracht, von wo aus sie dann schließlich nach Fulda gelangten. Auf dem feierlichen Reliquienzug von Solnhofen nach Fulda legten die Mönche unter anderem auch Rasten in Holzkirchen im Ries (6), Truthmuntinga und Herrieden ein. Anläßlich dieses Reliquienzuges im Jahr 836 wird Altentrüdingen namentlich in der althochdeutschen Form Truthmuntinga genannt (7). Die Differenzierung des Ortsnamens Truthmuntinga durch den Zusatz Alten - (trüdingen) war zu jener Zeit noch nicht notwendig, sie wurde erst erforderlich, als der Name auf Neugründungen in der Nachbarschaft übertragen wurde, wobei wir die Gründe dafür zunächst zurückstellen und später darlegen wollen. Die Truhendinger benannten sich also nach einer bereits bestehenden alten Siedlung, nicht etwa nach einem Berg wie die Freien von Spielberg und Stahelsberg, auch nicht nach irgendeiner anderen Flurbezeichnung. Nicht eine Neugründung war für ihre Benennung maßgebend, sondern ein alter, längst bestehender -ingen Ort. Man mag diese Tatsache zunächst als belanglos erachten, sie scheint aber für die Frage nach der Herkunft der Truhendinger und der Ausgangsbasis ihrer Herrschaftsentwicklung nicht ganz unwesentlich zu sein; denn nunmehr müssen wir auch folgende Überlegung in den Kreis unserer Untersuchungen einbeziehen: War im Kern dieser alten -ingen - Siedlung Truhendingen, der als Kirchengut dem Kloster Fulda angehörte, noch Raum für den Sitz einer mittelalterlichen Adelsfamilie? Spielten für ihre Benennung nach dem Ort vielleicht alte, von den Ahnen ererbte Eigengüter die maßgebende Rolle oder war es die Vogtei über Kirchengut, die die Truhendinger zum Anlaß nah-men, ihren Adelsnamen nach dem Ort zu wählen? Wie stand es mit einer eigenen Grundherrschaft in dem Ort, die Zelle ihrer Benennung und Anfang zu ihrem Auf-stieg gewesen sein könnte? Die Klarstellung der frühen Besitzverhältnisse, die Untersuchung der Struktur des Ortes könnten wohl einen Beitrag zu der Frage leisten, ob die Truhendinger schon von Anfang an in dem Ort begütert und dort ansässig waren oder ob sie dort erst später einwurzelten. Das bisherige Schrifttum über die Truhendinger Edelherren hat diese Frage kaum in den Blickpunkt der Betrachtung gerückt. Man ging von der Annahme aus, Altentrüdingen sei die Stammheimat des Edelgeschlechtes gewesen. Ein klares Bild darüber bekommen wir jedoch erst, wenn wir die Eigentumsverhältnisse und die Besitzstruktur in dem Ort studieren. Doch ehe wir uns diesen Fragen zuwenden, sei zuvor noch unsere Aufmerksamkeit auf den Inhalt des Orts- und Adelsnamens Truhendingen gerichtet.

 
 
 
 
 
 Anmerkungen
Abkürzungen:
Hei = Franz Heidingsfelder, Die Regesten der Bischöfe von Eichstätt, Erlangen 1938
Englert = Sebastian Englert, Geschichte der Grafen von Truhendingen, Würzburg 1885
AG = Alt - Gunzenhausen
GHB = Gunzenhäuser Heimat- Bote
5 Hei Nr. 327
6 Zur Rast in Holzkirchen siehe August Gabler, Holzkirchen im Ries, in Jahrbuch für Augsbur-ger Bistumsgeschichte, 6. Jahrgang 1972, S. 66 bis 69
7 Hermann Schreibmüller, Ein Reliquienzug durch Herrieden im Jahr 836 in Franken, in Ge-schichte und Namenwelt, Würzburg 1954, S. 5 bis 12
 

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