Zur frühen Geschichte der Edlen von Truhendingen im Hahnenkamm  
 (Fortzsetzung) 
 
 Wassertrüdingen, eine Gegengründung zu Altentrüdingen 
 
 

Durch seinen Vorsatz "Alten"- erweist sich Altentrüdingen als der älteste der drei benachbarten Truhendingen - Orte. Um 800 gehörte dort der gesamte 'Grund und Boden ostwärts des Mühlbaches dem Kloster Fulda. Unweit davon entfernt, allerdings jenseits des Mühlbaches auf ehemals königlichem, seit 1053 aber eichstättischem Boden, entstand die jüngere Siedlung Wassertrüdingen. Aus der Nachbarschaft und dem gemeinsamen Namen, lediglich durch einen anderen Vorsatz unterschieden, wäre man gleichsam verpflichtet, das jüngere Wassertrüdingen als Tochtergründung von Altentrüdingen anzusprechen und so auf einen gemeinsamen Herren zu schließen, der diese Tochtergründung vollzog, und das könnten eben nur die Edlen von Truhendingen gewesen sein. Die Frage, ob Wassertrüdingen als Tochtergründung von Altentrüdingen zu betrachten sei, bedarf noch der näheren Erläuterung. Namenübertragungen auf Neugründungen in der Nähe sind ja keine Seltenheit, besonders dann nicht, wenn unweit eines alten Dorfes ein Markt oder eine Stadt gegründet wurden, wie das bei Alten- und Wassertrüdingen ja der Fall war. Sehr häufig übernahm dann der neue Ort den Namen des älteren, was nicht nur durch die räumliche Nähe, sondern vor allem durch den Zuzug aus der älteren Siedlung veranlaßt wurde. Für unsere beiden Orte Altentrüdingen und Wassertrüdingen müßte man eigentlich ein ähnliches Mutter- Tochter- Verhältnis annehmen, aber es fällt doch auf, daß dem Altentrüdingen eben kein Neutrüdingen, sondern ein Wassertrüdingen gegenübersteht. Anders etwa bei der etwa gleichzeitigen Gründung der Stadt Oettingen, wo einer Ursiedlung um die Burg und den Bauhof eine Stadt angeschlossen wurde, die den Namen Niven- Oettingen = Neu- Oettingen erhielt (38). Nicht das zeitlich differenzierende Benennungsmotiv alt - neu wurde bei der Gründung von Wassertrüdingen gewählt, sondern ein Wesensmerkmal aus der Landschaft, nämlich das Wasser der häufig überschwemmten Talaue der Wörnitz. Diese scheinbar belanglose Beobachtung dürfte einen Hinweis dafür bedeuten, daß die ersten Bewohner der Stadt Wassertrüdingen eben nicht etwa durch Zuzug aus dem älteren Altentrüdingen gewonnen wurden, wo sie ja einem anderen Grund- und einem anderen Vogtherren unterstanden, sondern von den Gründern der Stadt, den Grafen von Oettingen, aus deren Herrschaftsbereich hinter die Mauern befohlen wurden. Wassertrüdingen kann daher trotz seiner Namensverwandtschaft keine Tochtergründung von Altentrüdingen sein. Mit der Benennung von Wassertrüdingen wollten die Oettinger einen Anspruch andeuten, der gegen die territorialen Bestrebungen der Truhendinger gerichtet war und ihnen die Absicht verwehren sollte, in den Oettinger Forst (Nordteil Baudenhard) vorzustoßen. Wassertrüdingen ist keine Tochtergründung von Altentrüdingen, sondern eine Gegengründung der Oettinger Grafen.

 
 
 
 
 
 Anmerkungen
Abkürzungen:
Hei = Franz Heidingsfelder, Die Regesten der Bischöfe von Eichstätt, Erlangen 1938
Englert = Sebastian Englert, Geschichte der Grafen von Truhendingen, Würzburg 1885
AG = Alt - Gunzenhausen
GHB = Gunzenhäuser Heimat- Bote
38 Siehe Anmerkung 2 (Lehenbuch), S. 132
 

zurück

Fortsetzung