Die Edlen von Truhendingen und das Kloster Heidenheim  
 (Fortzsetzung) 
 
 Barbarossa und die Heidenheimer Reform 
 
 

Die Vorgänge in Heidenheim hatten nicht nur innerhalb der Diözese Eichstätt allgemeines Aufsehen erregt, sie gelangten sogar vor Papst und Kaiser. Papst Eugen III., der schon auf dem Konzil in Reims 1148 in die Heidenheimer Reform durch Bischof Gebhard von Eichstätt eingeweiht worden war, aber keine sichtbaren Erfolge erfahren durfte, empfahl den beiden im Februar des Jahres 1153 nach Deutschland abgehenden Legaten, dem Kardinalpriester Bernhard und dem Kardinaldiakon Gregor, die Heidenheimer Angelegenheit aufs eindringlichste. In der zweiten Hälfte des April waren sie bei König Friedrich Barbarossa in Bamberg vorstellig geworden (104). Ob der König schon von der Reform des Klosters Heidenheim benachrichtigt war, darüber ist nichts überliefert. Es darf vermutet werden, daß er schon als Herzog von Schwaben (1147 - 1152) über diese Dinge erfahren hatte, lagen doch Güter des Klosters zum Teil unmittelbar oder nahe an der wichtigen Straße, die von der staufischen Pfalz Nürnberg über Schwabach, Gunzenhausen, Ostheim, Westheim, Oettingen, Nördlingen nach der ebenfalls strategisch wichtigen Pfalz Ulm führte. Das heruntergekommene Stift wieder in ein Kloster verwandelt zu sehen, mußte auch in seinem territorialpolitischen Interesse liegen. Die Vogtei über die in und um den Hahnenkamm zerstreuten klösterlichen Fronhofsverbände konnte ein willkommenes Glied in seiner Königslandkonzeption sein und eine Brücke von den staufischen Positionen im Ries und Hesselberggebiet hinüber zum Königshof Weißenburg und zu den Besitzungen der Reichsmarschälle von Pappenheim bilden, die ja alle in staufischen Diensten standen und die staufische Territorialpolitik stützten.
Barbarossa scheint aber noch ein persönliches Interesse an einer Wiedererstehung des Benediktinerklosters Heidenheim gehabt zu haben. Darüber liegen zwar keine schriftlichen Zeugnisse vor, doch darf man bei der politischen Religiosität jener Zeit wohl annehmen, daß eine so bedeutende Heilige der späten Karolingerzeit, wie Walburgis, auch Barbarossa bekannt war. Im April 1147 starb in Alzey sein Vater Friedrich der Einäugige, Herzog von Schwaben von 1105 - 1147. Er wurde nicht in der staufischen Grablege im Kloster Lorch im Remstal beigesetzt, sondern fand seine letzte Ruhestätte in der elsässischen Benediktinerabtei St. Walburg im Heiligen Forst bei Hagenau, die sein Vater, der Schwabenherzog Friedrich I., mitgestiftet und die er selbst lange Jahre bevogtet hatte (105). Auch das Herz von Barbarossas Mutter Judith (gestorben um 1130), der Tochter Herzog Heinrichs des Schwarzen von Bayern, soll in St. Walburg im Heiligen Forst begraben sein (106). Man darf wohl bei dem Ahnenbewußtsein der mittelalterlichen Adelsfamilien und insbesondere der Staufer annehmen, daß Barbarossa, nachdem seine Eltern in einem Walburgis - Kloster ihre letzte Ruhestätte gefunden haben, über die Verehrung der heiligen Walburgis auch Kenntnisse hatte und vielleicht auch über ihre Herkunft aus dem ehemaligen Kloster Heidenheim Bescheid wußte. Hier an ihrer einstigen Wirkungsstätte wieder ein Benediktinerkloster entstehen zu lassen und die Pflege ihrer Verehrung und die ihres Bruders Wunibald wieder in die Hände von Mönchen zu geben, mußte nach mittelalterlichem Frömmigkeitssinn als eine Sorge um das Seelenheil seiner Eltern empfunden werden. Auch wenn die Quellen darüber schweigen, darf hier wohl ein besonderes Interesse Barbarossas an der Wiedereinführung der Benediktinerregel in Heidenheim vermutet werden.
Die Vorgänge in Heidenheim zu Beginn seiner Regierungszeit als deutscher König kamen aber auch seinen politischen Interessen entgegen. Der einflußreichste Gegner der Heidenheimer Reform war wohl der Erzbischof Heinrich von Mainz. Dieser ermutigte seinem ihm untergebenen Eichstätter Bischof Burchard zum Widerstand gegen die Reform. Heidingsfelder vermutet, daß beide in engen Beziehungen standen. Der Weg zur Wiedereinführung der Benediktinerregel in Heidenheim mußte über den Sturz des Eichstätter Bischofs Burchard führen. In diesem gemeinsamen Ziel strebten die kirchlichen Absichten der beiden päpstlichen Legaten und des jungen Königs zusammen. Manche Historiker lehnen politisch motivierte Gründe für die Absetzung des Eichstätter Bischofs ab und führen dafür eine Überalterung dieses Mannes an (107). Bedenkt man aber die enge Verbindung Burchards in der Angelegenheit der Heidenheimer Reform mit dem Erzbischof Heinrich von Mainz, der Friedrichs Wahl zum deutschen König zu hintertreiben versuchte (108) und dieses Entgegenwirken mit dem Sturz von Thron büßen mußte, so wird auch offenbar, daß die Heidenheimer Reform eine Gelegenheit bot, den Vertrauten des Erzbischofs von Mainz, den Eichstätter Bischof Burchard, zu beseitigen. Im Einvernehmen mit Friedrich Barbarossa wurde im Sommer 1153 Bischof Burchard dann von den päpstlichen Legaten abgesetzt (109). An seine Stelle trat Bischof Konrad I., ehemals wohl Abt im Kloster Wülzburg, der dem König in Treue ergeben war und die Wiedererrichtung eines Benediktinerklosters in Heidenheim zum glücklichen Abschluß brachte (110). Bischof Konrad (1153 - 1171) stiftete in den Jahren 1154/55 Frieden zwischen den Kanonikern und den Mönchen zu Heidenheim. Die Kanoniker wurden mit Benefizien aus dem Klosterbesitz entschädigt, die nach ihrem Tod an das Kloster zurückfielen, für ihre Hofstätten innerhalb des Klosterbereiches erhielten sie Geld. Gegen 1155 konnte Abt Adelbert mit Mönchen aus den hirsauisch reformierten Klöstern St. Michael in Bamberg, Banz und Kastl nach Heidenheim zurückkehren und das Ordensleben begründen, wie es von Papst Eugen über Bischof Eberhard von Bamberg und Abt Adam von Ebrach gefordert wurde. Als Folge der Wiedereinführung der Ordensregel erstand etwa von 1160 - 1180 die noch heute erhaltenen romanische Klosterkirche in Heidenheim, ein steinerner Zeuge der frühen Stauferzeit.

 
 
 
 
 
 Anmerkungen
Abkürzungen:
Hei = Franz Heidingsfelder, Die Regesten der Bischöfe von Eichstätt, Erlangen 1938
Englert = Sebastian Englert, Geschichte der Grafen von Truhendingen, Würzburg 1885
AG = Alt - Gunzenhausen
GHB = Gunzenhäuser Heimat- Bote
104 Hei. Nr. 401
105 Klaus Schreiner, Die Staufer als Herzöge von Schwaben, in Stauferkatalog Band III, S. 11. Über das Walburgis - Patrozinium in dieser Abtei siehe Hermann Holzbauer, Mittelalterliche Heiligenverehrung, in Eichstätter Studien Band V, S. 385/387.
106 Hansmartin Decker- Hauff, Das staufische Haus, in Stauferkatalog Band III, S. 349.
107 Peter Rassow, Honor Imperii, Darmstadt 1961, S. 18.
108 Ebenda S. 18.
109 Hei. Nr. 402
110 Hei. Nr. 403, 406 und 408.
 

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