Die Edlen von Truhendingen und das Kloster Heidenheim  
 (Fortzsetzung) 
 
 Reform des Klosters Heidenheim im 12. Jahrhundert 
 
 

So faßte denn schon vor 1139 Bischof Gebhard II. Von Eichstätt, ein Anhänger der Reformbewegung, den Entschluß, den verwilderten Zustand des Kollegiatstifts Heidenheim zu beseitigen und das Mönchsleben wieder einzuführen. Seine Berater waren die Erzbischöfe Adelbert von Mainz und Konrad von Salzburg, vor allem aber Bischof Otto der Heilige von Bamberg, ein Angehöriger der staufischen Königsfamilie (96), der als Gründer vieler Klöster dazumal bei seinen adeligen Standesgenossen in hohem Ansehen stand. Doch die Reform in Heidenheim blieb zunächst in den Anfängen stecken. Da Bischof Gebhard angeordnet hatte, daß keine neuen Kanoniker mehr aufgenommen werden durften, blieben die Propstei, das Dekanat und eine Reihe von Kanonikaten unbesetzt. Um 1148 waren immerhin noch zehn Inhaber von Pfründen vorhanden (97). Nun wurde der Gedanke der Heidenheimer Reform durch die persönliche Teilnahme Bischof Gebhards von Eichstätt am Konzil in Reims im März 1148 hinausgetragen in die weite Welt und zu einem politischen Ereignis, das sogar Papst und Kaiser zur Stellungnahme und zu Entscheidungen veranlaßte. Bischof Gebhard erreichte bei Papst Eugen III., einem ehemaligen Zisterziensermönch, die Billigung seines Vorhabens, nachdem die restlichen Kanoniker zuvor auf sein Drängen hin sich bereit erklärt hatten, gegen Entschädigung auf ihre Pfründen zu verzichten und Mönchen Platz machen zu wollen. Der Papst erteilte dem Eichstätter Bischof Vollmacht zur Umwandlung des Kollegialstifts in ein Kloster. Als Zeugen der Päpstlichen Zustimmung bestellte der Papst den Abt Adam von Ebrach, den Regensburger Scholastikus und Hermann, den Scholastikus von Augsburg. Unter diesen drei Vertrauten war vor allem Abt Adam die bedeutendste Persönlichkeit. Ferdinand Geldner, der ihm ein Lebensbild gewidmet hat (98), nennt ihn "den Statthalter Bernhards rechts des Rheins und seinen ständigen Bevollmächtigten beim deutschen König". Über vierzig Jahre leitete er das berühmte Zisterzienserkloster Ebrach von seinen Anfängen an und führte es zu beachtlicher Höhe empor. Er stand in einem besonders innigen Vertrauensverhältnis zu dem ersten König aus staufischen Hause, Konrad III., und zu seiner zweiten Gemahlin Gertrud von Sulzbach, die zusammen mit ihrem Sohn, dem in jugendlichen Jahren auf einem Italienzug verstorbenen Herzog Friedrich IV. von Schwaben und Rothenburg, in Ebrach ihre Grablege wählte. Abt Adams junges Kloster in Ebrach war ein wichtiger sakraler Mittelpunkt zwischen den staufischen Machtkernen Nürnberg, Bamberg, Rothenburg und Würzburg, und so konnte sich der Abt auch politischen Aufgaben seiner Zeit nicht entziehen. Wie sehr er sich in die diplomatischen Verpflichtungen verstrickt sah, das zeigt wohl der Umstand, daß er vom neuen König Barbarossa zusammen mit dem Erzbischof Hillin von Trier und Bischof Eberhard II. Von Bamberg beauftragt war, Papst Eugen III. die Anzeige zur Königswahl zu überbringen (99). Es ist zwar nicht ausdrücklich erwähnt, aber auch nicht auszuschließen, daß sich der Papst, der ja über das Vorhaben der Reform des Klosters Heidenheim auf dem Konzil in Reims (1148) schon informiert war, bei dieser Gelegenheit auch nach dem Fortschritt des Unternehmens in Heidenheim erkundigte. Die Reform erlebte einen Rückschlag, als nach dem Tod Bischof Gebhards nun Burchard (1149 - 1153) das Bistum Eichstätt zu leiten hatte. Er begünstigte entgegen den Anordnungen des Papstes die Rückkehr der von ihren Pfründen zurückgetretenen Heidenheimer Kanoniker in das Stift, das noch nicht mit Mönchen besetzt war. Der Erzbischof Heinrich von Mainz, dem die Diözese Eichstätt unterstand, und dessen Einverständnis zur Reform Bischof Gebhard scheinbar nicht eingeholt hatte, begünstigte den Widerstand der Kanoniker. Bischof Eberhard II. Von Bamberg, nunmehr von Papst Eugen III. mit der Durchführung der Reform beauftragt, hatte inzwischen den Eichstätter Bischof, die Heidenheimer Kanoniker und Mönche verschiedener Klöster nach Nürnberg geladen. Es kam zu schwierigen und hartnäckigen Verhandlungen. Erst unter Androhung der Exkommunikation erklärten sich schließlich die Kanoniker damit einverstanden, daß in Heidenheim das Mönchsleben wieder eingeführt werde. Es gelang, als Vorsteher des neuen Klosters einen gewissen Abt Adelbert zu gewinnen, der der Schwierigkeiten Herr werden sollte. Seiner Ausbildung und seinen Fähigkeiten entsprechend befand ihn die Versammlung in Nürnberg als die geeignete Persönlichkeit. Er war in der Domschule in Bamberg erzogen worden, hatte dann als Kanoniker am Bamberger Dom Gelegenheit, sein Verwaltungstalent zu erproben. Wie so viele Adelige seiner Zeit ließ er sich von asketischen Idealen begeistern und trat als Mönch in das Kloster Paulinzella bei Rudolfstadt in Thüringen ein (100). Von diesem Kloster weiß man, daß dort unter Abt Gerung die Hirsauer Reform im Jahr 1107 einzog. Sein Nachfolger war der Prior Ulrich, der als Anführer eines Steinmetztrupps aus Hirsau gekommen war (101). Adelbert war also mit dem Gedankengut, den liturgischen Gewohnheiten und den damit verbundenen Baugepflogenheiten der Hirsauer Reform vertraut. In einer kritischen Situation des Klosters Michelfeld in der Oberpfalz wurde er zu dessen Leitung dorthin berufen und sollte nun in Heidenheim die Reform des ehemaligen Klosters der heiligen Walburgis durchführen, deren Verehrung im Lauf des frühen und hohen Mittelalters sich fast über den gesamten abendländischen Kulturkreis verbreitet hatte. Bischof Burchard und der Edle Adelbert von Truhendingen als neuer Klostervogt führten Abt Adelbert in Heidenheim ein, der das Kloster in einem trostlosen äußeren Zustand fand (102). Doch der Empfang in Heidenheim war alles andere als freundlich. Die Verwandten der ins Kloster zurückgekehrten Kanoniker bereiteten dem Abt die größten Schwierigkeiten. Von Bischof Burchard fand er keine Unterstützung. So ging Abt Adelbert mit einem Schreiben des Bamberger Bischofs, in dem um die Verleihung päpstlicher Schutzprivilegien für das Kloster Heidenheim gebeten wurde, persönlich nach Rom. Er erreichte beim Papst eine Bestätigungsbulle für das Kloster, brachte Mahnschreiben an den Vogt der Eichstätter Kirche, Graf Gerhard von Kreglingen, und ein anerkennendes Schreiben an den Klostervogt Adelbert von Truhendingen mit (103). Doch in Eichstätt ergriff man nach wie vor Partei der widerspenstigen Kanoniker und ihrer Verwandten. Selbst als Bischof Eberhard von Bamberg die Exkommunikation über die schlimmsten Feinde des Klosters verhängte, wurden die Gegensätze nicht bereinigt. Abt Adelbert mußte mit seinen Mönchen Heidenheim wieder Verlassen. Er konnte erst wieder zurückkehren und die Reform durchführen, als Kaiser Barbarossa sich persönlich der Sache angenommen hatte.

 
 
 
 
 
 Anmerkungen
Abkürzungen:
Hei = Franz Heidingsfelder, Die Regesten der Bischöfe von Eichstätt, Erlangen 1938
Englert = Sebastian Englert, Geschichte der Grafen von Truhendingen, Würzburg 1885
AG = Alt - Gunzenhausen
GHB = Gunzenhäuser Heimat- Bote
96 Hansmartin Decker-Hauff, Das Staufische Haus, Stauferkatalog Band III 1977, S. 346
97 Hei. Nr. 352
98 Ferdinand Geldner, Abt Adam von Ebrach, das staufische Königshaus und der heilige Bern-hard von Clairvaux, in Jahrbuch für fränkische Landesforschung Band 11/12 1953, S. 53 bis 65
99 Wie Anmerkung 98, S. 63
100 Hei. Nr. 394
101 R. Strobel, Die Hirsauer Reform und das Würfelkapitell mit Ecknasen, in Zeitschrift für Württembergische Landesgeschichte, Jahrgang 1971, 1. Heft, S. 51/52. Über die Hirsauer Ein-flüsse in Heidenheim siehe Karl Friedrich Zink, Die romanische Choranlage der Klosterkirche in Heidenheim am Hahnenkamm, in AG Heft 34 (1971), S. 70 bis 79
102 Hei. Nr. 395
103 Hei. Nr. 397
 

zurück

Fortsetzung